Marit Björgen - 37, Mutter, aber top-fit

Marit Björgen

Langlauf, Frauen

Marit Björgen - 37, Mutter, aber top-fit

Elf Olympia-Medaillen hat sie schon. Jetzt hat Marit Björgen den 10-km-Langlauf im freien Stil am Donnerstag ins Visier genommen. Die Konkurrenz kann sich auf eine voll unter Strom stehende 37-Jährige einstellen.

Verlieren ist schwer. Vor allem für eine wie Marit Björgen. So stand die 37-jährige Norwegerin am vergangenen Samstag (10.02.18) mit verkniffenem Lächeln bei der Siegerehrung des Skiathlon-Wettbewerbs und nahm ihre Silbermedaille entgegen. Konkurrentin Charlotte Kalla aus Schweden war schneller gewesen - nicht leicht zu verkraften für die "Königin der Loipen" - so wird Björgen in ihrer Heimat schon lange betitelt.

Elf Olympiamedaillen hat sie in ihrer Karriere schon angesammelt, sechs davon waren Goldene - die anderen zählt sie ohnehin nicht so richtig mit. Vor Pyeongchang hat sie ihr Ziel deutlich formuliert: "Mein Ziel sind drei Goldmedaillen. Dann hätte ich Ole Einar Björndalen als erfolgreichster Olympionike überflügelt."

10 km - Es zählt nur ein Sieg

Das 10-km-Rennen im freien Stil am Donnerstag hat sich Björgen fett rot unterstrichen - es ist so etwas wie ihre Spezialdisziplin, hier zählt für sie nichts anderes als ein Sieg. Um bei Kräften zu sein, hat sie den Sprint am Dienstag schweren Herzens ausgelassen. "Da hätte ich keine echte Siegchance gehabt", hat sie den Verzicht begründet. Die Konkurrenz kann sich auf eine 100 Prozent energiegeladene Björgen einstellen.

Diese Energie - schon 2002/03 zu Beginn ihrer Karriere wurde ihre markante Eigenschaft deutlich. Damals gewann sie ihre erste Goldmedaille bei der WM im Sprint - es folgten weitere 17 WM-Triumphe bis heute. Erst vor einem Jahr bei der WM in Lahti gewann sie vier Titel. Damals war sie schon 36 - und seit einem halben Jahr Mutter. Sohn Marius - im Dezember 2015 geboren - wartet daheim mit Papa Fred Börre Lundberg, wenn die Mama auf Medaillenjagd ist.

Extrem muskulös

Die extrem ehrgeizige Athletin lebt in den Loipen dieser Welt von ihrer außerordentlichen Kraft. Allein ihre Oberarme sind eindrucksvoll und haben in ihrer langen Karriere schon zu einigen Dopinganschuldigungen geführt. Die Bauerntochter aus der Nähe von Trondheim aber hat ein Argument: "Schaut euch einmal meine Eltern und Geschwister an", sagte sie einst zum Schweizer "Tagesanzeiger". Auch sie sind gemäss Björgen mit viel Muskel versehen. Darum sagte Björgen schon scherzhaft, sie müsse einen Kraftraum bloss von innen sehen, bereits lege sie an Muskeln zu.

Ganz so simpel ist ihre Dominanz natürlich nicht zu erklären, sie hat einiges dafür getan: Dass sie als Bauerntochter in der Kindheit viel auf dem Hof mitarbeiten musste, zählt sie dazu. Es habe ihr eine exzellente Grundfitness eingebracht und wohl schon Vorsprung in Kindertagen. Von 7 bis 13 gewann Björgen jedes Langlaufrennen, das sie absolvierte.

Zwischen 2006 und 2008 ging nichts

Aber auch bei Björgen sind Erfolge keine Selbstverständlichkeit. Ins schlimmste Tief geriet sie nach der Saison 2005/06. Bei den Winterspielen in Turin galt sie als Favoritin, gewann auch Silber über 10 Kilometer. Doch danach war sie platt und ging leer aus. Anschließend war sie weg vom Fenster - bis 2008 ging beinahe gar nichts. Dann stellte sie ihr Training um, kämpfte sich wieder heran und war pünktlich zu den Winterspielen 2010 in Kanada wieder zurück in der Spitze.

Bei so viel Erfolg nach einer langen Durststrecke kamen nicht nur bei den Konkurrentinnen Fragen auf. "Marit weiß, dass sie ohne Hilfsmittel nicht viel zu bieten hätte", sagte etwa ihre härteste Rivalin, die Polin Justyna Kowalczyk nach 2010. Tatsächlich war Björgen ein Asthmamittel vom Welt-Skiverband FIS erlaubt worden, das eigentlich auf der Dopingliste der Welt-Anti-Dopingagentur WADA stand. "Die Vorwürfe sind eine Beleidigung. Das hat mich sehr verletzt. Sie ist eine schlechte Verliererin", wehrte sich die Beschuldigte anschließend. 

Pyeongchang dürften Björgens letzten Spiele sein, nach ihrer Karriere will sie mit ihrer kleinen Familie auf einen Bauernhof ziehen. Vorher will sie aber noch Ole Einar Björndalen enttrohnt haben.

oja | Stand: 14.02.2018, 07:50

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