Eric Frenzel ist deutscher Fahnenträger

Eric Frenzel

Eröffnungsfeier in Pyeongchang

Eric Frenzel ist deutscher Fahnenträger

Die Entscheidung über den Fahnenträger der deutschen Olympiamannschaft ist bereits gefallen: Der Nordische Kombinierer Eric Frenzel wird die Athleten bei der Eröffnungsfeier am Freitag (20.00 Uhr/Ortszeit/12.00 Uhr/MEZ/Live im Ersten und im Livestream) ins Olympia-Stadion führen.

Die Entscheidung sollte eigentlich in einer Pressemitteilung erst am Donnerstag (08.02.2018/12.00 Uhr/MEZ) verkündet werden. Im Vorfeld hatten "sport.de" und "Sport1" am Mittwoch aber schon berichtet, dass sich der Nordische Kombinierer unter den fünf Kandidaten durchgesetzt hat. Der gebürtige Sachse wird Nachfolger von Maria Höfl-Riesch, die die Fahne 2014 in Sotschi tragen durfte.

Frenzel ist in der Nordischen Kombination eine Legende und der Dominator der vergangenen Jahre. Der 29-Jährige hat ein komplettes Olympia-Medaillenset zu Hause. Der Bronzemedaille mit dem Team in Vancouver ließ er Einzel-Gold und Team-Silber in Sotschi folgen. In den vergangenen fünf Jahren gewann er zudem den Gesamt-Weltcup und fünf Mal WM-Gold.

Winterspiele - Eric Frenzel trägt die deutsche Fahne

Sportschau | 07.02.2018 | 00:40 Min.

Fünf Kandidaten standen zur Auswahl

Neben Frenzel standen Christian Ehrhoff (Eishockey), Claudia Pechstein (Eisschnelllaufen, neun olympische Medaillen), Viktoria Rebensburg (Ski alpin, Riesenslalom, Olympiasiegerin 2010, Bronze in Sotschi) und Natalie Geisenberger (Rodeln, Doppelolympiasiegerin von Sotschi) zur Wahl. Frenzel gewann vor Claudia Pechstein. Christian Ehrhoff folgte auf dem dritten Platz.

Der DOSB hatte die fünf Kandidaten vorgeschlagen. Danach durften zum zweiten Mal nach den Sommerspielen in Rio de Janeiro 2016 die Olympia-Mannschaft und die deutsche Bevölkerung (zu je 50 Prozent) den Fahnenträger wählen. Der 29-jährige dreifache Familienvater erhielt dabei die meisten Stimmen von Fans und Athleten. In den Jahren zuvor hatte stets die Delegationsleitung über den Fahnenträger entschieden.

Thema in: Olympische Spiele im Ersten, 09. - 25.02.2018

Alle deutschen Fahnenträger

Es gilt als große Auszeichnung für die Leistung eines Athleten - bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele die Fahne des Heimatlandes in das Stadion tragen. Wir werfen einen Blick auf die deutschen Fahnenträger.

Fahnenträger Helmut Böck 1952 Oslo

1952 Oslo (Norwegen): Nach Karl Neuner (St. Moritz, 1928), Martin Schröttle (Lake Placid, 1932) und Georg von Kaufmann (Garmisch-Partenkirchen, 1936) ist Helmut Böck der erste Fahnenträger aus Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Langläufer führt das bundesdeutsche Team ins Bislett-Stadion.

1952 Oslo (Norwegen): Nach Karl Neuner (St. Moritz, 1928), Martin Schröttle (Lake Placid, 1932) und Georg von Kaufmann (Garmisch-Partenkirchen, 1936) ist Helmut Böck der erste Fahnenträger aus Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Langläufer führt das bundesdeutsche Team ins Bislett-Stadion.

1956 Cortina d'Ampezzo (Italien): Vier Jahre später wird dem Bob-Fahrer Andreas 'Anderl' Ostler diese Ehre zu teil. Der bayerische Pfundskerl verdiente sich seine Meriten in Oslo, als er mit seinem Sieg im Zweierbob gemeinsam mit Lorenz Nieberl die erste Goldmedaille für die Bundesrepublik Deutschland gewann.

1960 Squaw Valley (USA): 1960 ist das Jahr von Helmut Recknagel. Zunächst gewinnt der Thüringer Skispringer zum dritten Mal die Vierschanzentournee, dann darf er bei den Olympischen Spielen in Squaw Valley die Fahne der gesamtdeutschen Mannschaft tragen. Und als Höhepunkt sichert er sich auch noch die Goldmedaille bei den Spielen.

1964 Innsbruck (Österreich): Zum vorerst letzten Mal läuft eine gemeinsame Mannschaft von Bundesrepublik und DDR bei Winterspielen ein. Diesmal darf der Kombinierer Georg Thoma die Flagge ins Stadion tragen. Auch er wird damit für seine vergangenen Leistungen geehrt. Wie Recknagel holt er 1960 eine Goldmedaille in den USA.

1968 Grenoble (Frankreich): Für das Team der Bundesrepublik ist Hans Plenk Fahnenträger in Frankreich. Der Rennrodler zählt zu den erfolgreichsten Vertretern seiner Sportart in den 1960er-Jahren. 1964 holt er Olympiasilber.

1968 Grenoble (Frankreich): Auch bei der DDR schreitet ein Rennrodler vor dem herrlichen Bergpanorama Grenobles voran. Thomas Köhler ist der erste Sportler des sozialistischen Staates, der die Flagge bei Winterspielen ins Stadion trägt. Ihm bringt es Glück. Im Einzel holt er Silber, den Doppelwettbewerb gewinnt er gemeinsam mit seinem Partner Klaus-Michael Bonsack.

1972 Sapporo (Japan): Bei den ersten Winterspielen in Asien darf dann Klaus-Michael Bonsack selbst an der Spitze seines Landes einlaufen. Und auch für ihn ist es ein gutes Omen. Mit seinem neuen Partner Wolfram Fiedler kann er zwar den Olympiasieg nicht wiederholen, holt aber einen hervorragenden dritten Platz.

1972 Sapporo (Japan): Die Bundesrepublik wird angeführt von Walter Demel. Insgesamt viermal nimmt der Langläufer an Olympia teil. Bei seiner dritten Teilnahme ist er Fahnenträger. Eine Olympia-Medaille bleibt ihm aber verwehrt.

1976 Innsbruck (Österreich): Bei der zweiten Auflage in Innsbruck heißt der Mann an der Spitze des BRD-Teams Wolfgang Zimmerer. Der Bob-Fahrer hatte bei den Spielen in Sapporo Gold (Zweier) und Bronze (Vierer) geholt und fügte seinem Medaillensatz in Österreich mit Silber (Zweier) und Bronze (Vierer) zwei weitere Stücke hinzu.

1976 Innsbruck (Österreich): Für die Deutsche Demokratische Republik darf ebenfalls ein Bob-Fahrer die Fahne tragen. Meinhard Nehmer wird am Ende auch der überragende Mann im Tiroler Eiskanal. Er ist in beiden Wettbewerben nicht zu schlagen und steht somit gleich zweimal ganz oben auf dem Podest.

1980 Lake Placid (USA): Premiere in den Vereinigten Staaten: Erstmals steht ein Eiskunstläufer an der Spitze des DDR-Aufgebots. Für Jan Hoffmann sind es die letzten Olympischen Spiele. Scheiterte er 1976 als Vierter noch denkbar knapp, holt er zum Ende seiner Karriere doch noch die ersehnte Medaille. Er darf sich über den zweiten Rang freuen.

1980 Lake Placid (USA): Die Bundesrepublik führt Urban Hettich an. Auch für ihn ist es die Belohnung für seinen zweiten Platz vier Jahre zuvor. Bei seinen letzten Olympischen Spielen hat er mit der Edelmetall-Vergabe aber nichts zu tun und wird 14.

1984 Sarajevo (Jugoslawien): Der Stern von Monika Holzner ging bereits 1972 auf. Die damals 17-Jährige holte überraschend Gold über 1.000 Meter. Zwölf Jahre später darf sie bei den 14. Winterspielen als erste Frau ein deutsches Team anführen. Bis 1988 nimmt sie an Olympischen Spielen teil, kann aber keine weitere Medaille erringen.

1984 Sarajevo (Jugoslawien): So eisern wie der Vorhang zur damaligen Zeit ist auch die Miene von Frank Ullrich. Der Weltklasse-Biathlet holte 1980 drei Mal Edelmetall (1x Gold, 2x Silber) und darf zur Belohnung die DDR-Fahne in das für die Winterspiele genutzte Fußballstadion tragen.

1988 Calgary (Kanada): Die DDR entscheidet sich zwei Auflagen in Folge für einen Biathleten an der Spitze des Teams. Frank-Peter Roetsch scheint dies einen zusätzlichen Motivationsschub zu geben. Im Einzel und im Sprint holt er die Goldmedaille.

1988 Calgary (Kanada): Ein farblich doch sehr fragwürdig gekleidetes Team führt Biathlet Peter Angerer an. Mit Gold, Silber und Bronze in Sarajevo hat sich der Bayer die Ehre des Fahnenträgers redlich verdient. In Kanada steht er mit der Staffel auf dem zweithöchsten Podest bei der Siegerehrung.

1992 Albertville (Frankreich): Zum ersten Mal seit 28 Jahren gibt es wieder eine gesamtdeutsche Mannschaft. Mit dem Oberhofer Bob-Piloten Wolfgang Hoppe wird ein Athlet aus den neuen Bundesländern als Fahnenträger ausgewählt. Seinen zwei Gold- (Zweier und Vierer 1984) und Silbermedaillen (Zweier und Vierer 1988) fügt er in Frankreich eine weitere silberne hinzu.

1994 Lillehammer (Norwegen): Biathlet Mark Kirchner läuft bei den Winterspielen in Lillehammer vor dem Team. Zwei Jahre zuvor war er mit zwei Mal Gold und einer Silbermedaille erfolgreichster deutscher Athlet. Auch im hohen Norden sichert er sich mit Staffelgold Edelmetall.

1998 Nagano (Japan): Die Frage nach dem Verbleib von Jochen Behle stellt sich bei der Eröffnungsfeier im japanischen Nagano nicht. Ganz vorne marschiert der Langläufer mit der Fahne. Für Behle ist es das letzte Großereignis als Aktiver.

2002 Salt Lake City (USA): 18 Jahre nach Monika Holzner wird Hilde Gerg zur zweiten Fahnenträgerin. Die alpine Skirennläuferin hatte zuvor in Nagano Gold (Slalom) und Bronze (Kombination) geholt. In den USA verpasst sie eine weitere Medaille knapp. In der Abfahrt wird sie Vierte, im Super-G Fünfte.

2006 Turin (Italien): Vor dem weiß-grün-roten deutschen Team darf Kati Wilhelm ins Stadion einlaufen. Die Biathletin hatte sich durch ihre Leistungen in Salt Lake City (2x Gold, 1x Silber) aufgedrängt. Auch in Turin räumt sie drei Mal Edelmetall (1x Gold, 2x Silber) ab.

2010 Vancouver (Kanada): Als dreifacher Olympiasieger geht André Lange bei den Winterspielen in Vancouver an den Start. Dort sollen eine weitere Gold- sowie eine Silbermedaille folgen. Lange krönt sich damit zum bis dahin erfolgreichsten Bobsportler bei Olympia. Kurz nach den Spielen beendet er seine einzigartige Karriere.

2014 Sotschi (Russland): Zum dritten Mal innerhalb der letzten vier Ausgaben darf mit Maria Höfl-Riesch eine Frau die Fahne tragen. Auch der Doppel-Olympiasiegerin von Vancouver bringt dieses Zeremoniell Glück. Sie darf sich noch einmal über Gold und Silber freuen. Wie Lange vier Jahre zuvor beendet sie danach ihre Karriere.

2018 Pyenogchang (Südkorea): Mit Eric Frenzel trägt erstmals seit 38 Jahren wieder ein Kombinierer die deutsche Fahne. Zuletzt war diese Ehre 1980 in Lake Placid Urban Hettich aus Schonach zuteilgeworden.

sst | Stand: 07.02.2018, 15:06

Darstellung: