Zoff bei "Cool-Runnings"-Erben aus Jamaika

Das legendäre Team des jamaikanischen Vierer-Bobs bei den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary

Trainerin Kiriasis verlässt das Bob-Team

Zoff bei "Cool-Runnings"-Erben aus Jamaika

Eine der hollywoodreifen Geschichten der Olympischen Winterspielen in Pyeongchang droht zur Schlammschlacht zu werden.

Die frühere Bob-Pilotin Sandra Kiriasis hat das jamaikanische Frauen-Bobteam kurz vor dem Start der olympischen Rennen nach heftigen Differenzen mit dem restlichen Trainerteam verlassen. Anstatt Vorfreude auf ein ähnliches Spektakel wie 1988 beim legendären jamaikanischen Männer-Bob herrscht beim Team aus der Karibik Streit.

Geld-Forderung an den Verband

Die deutsche Ex-Trainerin fordert nun Geld vom Verband. "Sie wollten mich als Bahntrainerin behalten, aber ich sollte keinen Kontakt mehr zu den Athleten haben. Und das funktioniert natürlich nicht", sagte die Olympiasiegerin von 2006 in Pyeongchang. Sie kenne die genauen Gründe für die geplante Degradierung nicht, vermute aber "eine Intrige im Trainerstab. Ich war wohl noch nie so enttäuscht in meinem Sportlerleben".

Die jamaikanischen Bobfrauen haben sich erstmals für Olympia qualifiziert und erhielten auch deshalb viel Aufmerksamkeit, weil sie genau 30 Jahre nach ihren berühmten Landsmännern den Sprung zu den Winterspielen schafften. Auf dem Weg dahin habe Kiriasis dem Verband nach eigener Aussage unter anderem "einen Bob organisiert, ein Paar private Kufen zur Verfügung gestellt" und über ihre Kontakte zudem "geholfen, eine komplette Ausrüstung zum Fahren und Vorbereiten" zu bekommen.

"Ich muss mich ja schützen"

Der Verband habe dadurch viel Geld gespart, Kiriasis fordert nun eine Entschädigungszahlung. Andernfalls verlange sie das Material zurück, was zur Folge hätte, dass das Team Jamaika nicht an den Rennen am Dienstag (20.02.18) und Mittwoch teilnehmen könnte. Dies würde Kiriasis in Kauf nehmen: "Ich muss mich ja schützen, ich kann das nicht akzeptieren."

Sandra Kiriasis, Trainerin des Bobteam Jamaika

Skeptischer Blick: Sandra Kiriasis verlässt das Bobteam Jamaika.

Die Jamaikaner wollen dagegen von derartigen Forderungen oder Ansprüchen seitens der Deutschen nichts wissen. In einem Statement legte der Verband Wert darauf, dass der Bob nicht Kiriasis gehöre.

Verband gibt sich "sehr enttäuscht"

Vielmehr ließ der Verband durchklingen, dass Kiriasis nicht immer das Beste für das Team im Sinn gehabt habe. "Wir haben das Team neu aufgestellt, damit es die bestmögliche Leistung abrufen kann", hieß es in der Stellungnahme. Kiriasis habe sich zudem selbst dazu entschieden, nicht mit dem Verband weiterzuarbeiten.

"Wir sind sehr enttäuscht über ihre Entscheidung und danken ihr für ihren unschätzbaren Beitrag zum Erfolg des ersten jamaikanischen Frauenbobteams", hieß es weiter: "Wir gehen nicht davon, dass es bei unserer Ausrüstung noch zu Änderungen kommt."

Anschieberin aus der Gold-Staffel

Ihr Abgang werde zudem "den Verband oder die Leistung unserer Athleten bei den Winterspielen nicht beeinflussen". Kiriasis betonte, dass ihr Verhältnis zu den Athletinnen um Pilotin Jazmine Fenlator intakt sei. "Sie sagten mir, dass sie es nicht verstehen und dass sie kein Problem mit mir haben", sagte sie.

Fenlator, die eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, hatte für die USA bei den Winterspielen 2014 im Zweierbob mit Hürdensprinterin Lolo Jones Platz elf belegt. Ihre Anschieberin Carrie Russell gewann 2013 mit der jamaikanischen 4 x 100-Meter-Staffel Gold bei der Leichtathletik-WM in Moskau.

Vom 05. bis 28. Februar berichten wir im ARD-Hörfunk, im Ersten und den Dritten Programmen ausführlich über die Olympischen Spiele.

sid/red | Stand: 14.02.2018, 19:20

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