Biathlet Erik Lesser träumt von Gold im Team

Erik Lesser im ARD-Hörfunkzentrum Pyeongchang

Zu Besuch beim ARD-Hörfunk

Biathlet Erik Lesser träumt von Gold im Team

Von Raphael Honndorf

Mit dem Sprint-Wettbewerb am Sonntag (11.02.2018) gehen für Erik Lesser seine zweiten Olympischen Spiele richtig los. Zuvor war der Biathlet im ARD-Hörfunk-Studio in Pyeongchang zu Gast und sprach dort launig über die Zoll-Probleme bei der Anreise, seine Erfolgsaussichten und auch das leidige Thema Doping. Dort sieht er das IOC als Schuldigen für die ganze Aufregung in den letzten Wochen.

Erik Lesser sitzt in der etwa zwei Mal zwei Meter großen Kabine und beantwortet locker und mit viel Witz eine Frage nach der anderen. Da die verschiedenen Wellen der ARD von Bayern 5 im Süden über MDR Thüringen bis hin zum NDR im Norden mit dem Biathleten sprechen wollen, wiederholen sich einige Fragen. Kein Problem für Lesser - er spult die Stunde im Studio routiniert herunter.

Lesser diesmal bei der Eröffnungsfeier dabei

Wie war die Anreise? Wie ist die Unterkunft? Wie groß ist die Anspannung? Dann soll sich Lesser auch noch ein Lied wünschen – seine Wahl fällt auf "The Proclaimers" mit "I would walk 500 Miles". Ausgezeichnete Wahl für einen Sportler auf Langlaufskiern. Es sind die vielen kleinen Anekdoten, die Lesser erzählt - und wie er sie erzählt -, die ihn zu dem machen, was er ist : Ein ganz normaler Typ aus dem Thüringer Wald.

Da sind zum Beispiel die immer gleichen Probleme am Flughafen. Der Zoll und die Waffen – ein ewiges Prozedere. "Da sind dann acht Leute. Einer macht etwas, einer schreibt und sechs gucken zu, wie die beiden dann doch nichts machen."

Erik Lesser im ARD-Hörfunkzentrum Pyeongchang

Dick eingepackt verlässt Lesser nach den Interviews das Sendezentrum

Auch die Frage nach der Eröffnungsfeier beantwortet er beim vierten Mal noch mit der gleichen Freude. Diesmal werde er auf jeden Fall daran teilnehmen, vor vier Jahren in Sotschi hat er es nicht geschafft, auch weil es nicht in die Wettkampfvorbereitung gepasst hat. "Es könnten meine letzten Spiele sein. Ich will meinen Enkeln später nicht sagen müssen, dass ich zu faul war, dort hinzugehen." Einfach genießen, lautet seine persönliche Vorgabe für den Freitagabend.

Wind und Kälte als Faktoren

Apropos Wettkampfvorbereitung: Am Donnerstag und Freitag stehen intensive Trainings für die Biathleten an. Am Samstag heißt es dann Entspannen und den Wettkampf der Damen beobachten, bevor es am Sonntag für die Herren im Sprint erstmals ernst wird. Angesichts der Ergebnisse im Weltcup könnte man meinen, dass die Gold- und Silbermedaille bereits an den Franzosen Martin Fourcade und Johannes Thingnes Bö vergeben wären. Das lässt Lesser aber nicht gelten. "Wir treten alle am Sonntag an, um Gold zu holen", gibt der 29-Jährige zu verstehen.

Die Strecke sei in einem guten Zustand, besonders im Vergleich zu den Test-Wettkämpfen vor einem Jahr. "Da liegt einen Meter hoch der Schnee", habe ihm ein IBU-Offizieller bestätigt, der mit einem speziellen Bohrer nachgemessen hat. Aber der Schnee ist stumpf. Trotzdem werden die Techniker für "richtige Pfeillatten" an den Füßen sorgen, ist sich Lesser sicher. Wenn er seine beste Laufleistung abruft und am Schießstand die Nerven behält, sei eine vordere Platzierung drin. Der Wind und die Kälte werden über Sieg oder Niederlage entscheiden, glaubt er. Die meisten Chancen rechnet er sich in der Staffel aus. "Das Ziel ist, Silber von Sotschi zu wiederholen. Gold wäre ein Traum!", sagt er. Bisher hat er zwei Mal silbernes Edelmetall in der Vitrine hängen.

Die deutsche Herren-Staffel (v.l. Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp) freut sich über Silber in Sotschi

Lesser freut sich mit Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp über die Silbermedaille in Sotschi

Playstation und Kicker zum Zeitvertreib

Die Apartments im Olympischen Dorf seien zwar nicht so toll wie bei den vergangenen Winterspielen, aber er kommt damit klar. Obwohl er schon deutlich besser geschlafen hat. Wenn er nicht gerade auf der "PVC-Platte mit vier Federn" liegt und auch nicht im Biathlon-Zentrum seine Runden dreht, sitzt er vor der Konsole oder steht am Kicker. "Der Kollege Roman Rees hat dort keine Chance", sagte er lachend.

Und natürlich wird Lesser auch auf das allgegenwärtige Thema Doping angesprochen. "Ich habe mittlerweile den Überblick verloren, wer dabei ist, wer nicht und warum." Die Schuld für den ganzen Trubel sieht er beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC): "Das Alles ist das Ergebnis der verfehlten IOC-Politik im Vorjahr. Die müssen jetzt auch die Suppe auslöffeln."

Thema in: Vom 05. bis 28. Februar berichten wir im ARD-Hörfunk, im Ersten und den Dritten Programmen ausführlich über die Olympischen Spiele.

Stand: 08.02.2018, 11:59

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