Russland verzichtet auf Olympia-Boykott

Wladimir Putin, russischer Präsident

Nach Ausschluss durch IOC

Russland verzichtet auf Olympia-Boykott

Nach den Strafen des Internationalen Olympischen Komitees im russischen Dopingskandal hat die Moskauer Führung um Präsident Wladimir Putin reagiert und am Mittwoch (06.12.2017) einen Verzicht auf die Spiele ausgeschlossen.

Staatschef Putin stellt Russlands Sportlern einen Start bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang frei. "Wir werden zweifellos nicht diejenigen blockieren, die teilnehmen wollen", sagte Putin der Agentur "Tass" zufolge. Er sorge sich sehr um die Leute, die von dem Ausschluss betroffen seien. Sie hätten ihre ganze Karriere darauf ausgerichtet, deshalb sei eine Teilnahme sehr wichtig. "Die meisten Anschuldigungen basieren auf Vorwürfen, die in keiner Weise bestätigt wurden und zumeist keine Grundlage haben", sagte Putin.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte am Dienstagabend Russland wegen staatlichen Dopings von den Spielen in Pyeongchang im Februar ausgeschlossen. Russische Athleten dürfen demnach aber unter der olympischen Flagge antreten, wenn sie nachweislich nicht gedopt sind. Putin fragte sich jedoch, warum die Athleten nicht unter der russischen Fahne starten dürften und die Staatssymbole wie die Flagge oder die russische Hymne verboten seien. "Wenn es niemals ein staatlich unterstütztes Dopingsystem gab, bleibt noch immer diese Frage", sagte er.

Entscheidung am 12. Dezember

Die russischen Olympia-Sportler sollen am 12. Dezember entscheiden, ob sie zu den Winterspielen nach Südkorea fahren oder nicht. Zu der "Olympischen Versammlung" sollten die potenziellen Teilnehmer, Trainer und Verbandsvertreter kommen, sagte der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Alexander Schukow, "Tass" zufolge. Fest steht bereits der Name, unter dem die russischen Sportler einlaufen sollen. "Olympic Athlete from Russia (OAR)" hat sich das IOC laut einer Agentur ausgedacht. Es führt anders als der Name der neutralen russischen Athleten bei der letzten Leichtathletik-EM (Autorisierter Neutraler Athlet) den Namen Russlands im Schilde. "Ein peinliches Spiel. Olympia als Etikettenschwindel par excellence", sagte Ines Geipel, Vorsitzende des Dopingopfer-Hilfevereins.

Zwar darf in Pyeongchang keine russische Hymne erklingen und keine russische Flagge wehen, doch damit könnte es schon bei der Schlussfeier wieder vorbei sein. Das IOC behält sich vor, die Suspendierung gegen das NOK noch vor dem Ende der Spiele aufzuheben. Entscheidend dabei ist nicht, ob Russland seinen Anti-Doping-Kampf verbessert, sondern ob sie die Sanktionen einhalten.

22 Sportler ziehen vor den CAS 

Auf das Internationale Olympische Komitee (IOC) kommt indes nach den Sperren für russische Wintersportler im Zuge des Dopingskandals eine Klagewelle zu. Beim CAS sind 22 Einsprüche russischer Sportler eingegangen. Die Athleten klagen gegen die lebenslangen Sperren und die Annullierung ihrer Ergebnisse von Sotschi 2014. Darunter seien auch die Olympiasieger Alexander Subkow (Bob), Alexander Legkow (Langlauf) und Alexander Tretjakow (Skeleton), teilte der CAS mit. Die Athleten beantragten eine Entscheidung bis zum Beginn der Winterspiele in Pyeongchang am 9. Februar. Das IOC hat wegen des mutmaßlich staatlich orchestrierten Dopingsystems in Russland bislang 25 russische Sotschi-Teilnehmer nachträglich gesperrt.

Liste der vom IOC für Olympische Spiele gesperrten russischen Athleten

Biathlon

  • Olga Saizewa
  • Jana Romanowa
  • Olga Wiluchina

Bob

  • Alexander Subkow
  • Alexei Negodailo
  • Dimitri Trunenkow
  • Olga Stulnewa
  • Alexander Kasjanow
  • Ilwir Chusin
  • Alexei Puschkarjow

Eisschnelllauf

  • Olga Fatkulina
  • Alexander Rumjanzew

Skeleton

  • Alexander Tretjakow
  • Jelena Nikitina
  • Olga Potylizina
  • Maria Orlowa
  • Sergej Tschudinow

 Skilanglauf

  • Alexander Legkow
  • Jewgeni Below
  • Maxim Wylegschanin
  • Alexej Petuchow
  • Julia Iwanowa
  • Jewgenija Schapowalowa
  • Anastasia Dozenko
  • Julia Tschekalowa

Thema in: MDR aktuell - das Nachrichtenradio | 06.12.2017, 17.40 Uhr

sid/dpa/AP | Stand: 06.12.2017, 16:34

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