Olympia-Helden Dahlmeier und Wellinger feiern mit Schampus und Weißbier

Olympiasieger Andreas Wellinger und Laura Dahlmeier

Nach dem goldenen Auftakt

Olympia-Helden Dahlmeier und Wellinger feiern mit Schampus und Weißbier

"Wahnsinn, Wahnsinn. Jetzt ein gescheites Weißbier!" So reagierte Andreas Wellinger auf sein Olympia-Gold im Skispringen, und Biathlon-Königin Laura Dahlmeier jubelte: "Das schreit nach einer Party." Die stieg dann nach dem goldenen Auftakt der Deutschen im Deutschen Haus tatsächlich.

Nach dem Flug in den siebten Himmel hatte Wellinger postwendend seine verdiente Belohnung gefordert. "Jetzt hoffe ich, dass ich schnell irgendwo oa Weißbier herbekomm'", sagte der neue Skisprung-Olympiasieger mit breitem Grinsen. Zuvor musste der Ruhpoldinger aber noch schnell ein ganz anderes Problem lösen.

Nachts um halb zwei Ortszeit hatte Wellinger seine Fassung weitgehend wiedergefunden. Eine gute Stunde zuvor hatte er noch heulend wie ein Schlosshund auf dem Boden gekauert, konnte kaum begreifen, was er da in einem schier unglaublichen Wettkampf im eiskalten Pyeongchang geleistet hatte: "Das werde ich wohl erst in einigen Tagen verstehen. Das kriege ich im Moment absolut noch nicht in den Kopf."

Magnumflasche statt Biathlongewehr

Als Deutschlands Skispringer zum zweiten deutschen Gold von Pyeongchang segelten, klatschte Laura Dahlmeier im Deutschen Haus begeistert in die Hände. "Das ist der Hammer. Am ersten Tag zwei Goldmedaillen für das deutsche Team, das schreit nach einer Party", sagte die 24 Jahre alte Biathletin. Die Magnumflasche Schampus öffnete Dahlmeier nach ihrem Triumph im Sprint nicht sofort, erst abends bei der Feier im Deutschen Haus wurde die Pulle geköpft und standesgemäß als Duschkopf für die Partygäste und Fotographen verwendet. Deutschlands Sportlerin des Jahres kündigte mutig an: "Das werden die Spiele vom Team D."

Stunden zuvor war Dahlmeier nach ihrem phänomenalen Goldlauf euphorisch auf das Siegerpodest gesprungen. Immer wieder schrie sie lauthals ihre pure Freude heraus. Deutschlands Biathlon-Königin hatte im Auftaktrennen dem immensen Erwartungsdruck standgehalten und die Hoffnungen auf einen erneuten Goldrausch genährt. Dahlmeier krönte sich am Samstag mit einer fantastischen und abgezockten Leistung erstmals zur Olympiasiegerin und bescherte dem deutschen Team am ersten Wettkampftag die erste Medaille.

"Dankbar und unheimlich stolz"

So deutlich wie wohl nie zuvor war der Garmisch-Partenkirchnerin die Erleichterung anzumerken, denn auf ihr lastete der gesamte Druck. "Die Erwartungen von außen waren mindestens so hoch wie meine eigenen. Trotzdem muss ich versuchen, locker zu bleiben. Das ist so ein Schlüssel zum Erfolg bei mir. Dass ich das so umsetzen konnte, macht mich unheimlich dankbar und auch stolz."

Bundestrainer Gerald Hönig war total erleichtert: "Laura überstrahlt eine tolle Teamleistung. Mit einer Medaille wird vieles leichter, auch die folgenden Wettkämpfe." Noch in Erinnerung hatte er dabei sicher das Debakel der Skijägerinnen von Sotschi, wo sie erstmals ohne Medaille geblieben waren.

Berufswunsch "Olympiasieger" im Poesiealbum

Dahlmeier, die bereits als Sechsjährige ins Poesiealbum einer Freundin als einen Berufswunsch Olympiasiegerin schrieb, verschaffte sich damit eine glänzende Ausgangslage für die Verfolgung am Montag (12.02.18), wo sie ihren zweiten Gold-Coup anpeilt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der im Stadion mitgefiebert hatte, zeigte sich beeindruckt: "Erster Tag, erstes Gold von einer wunderbaren Laura Dahlmeier. Mit stählernen Nerven beim Schießen hat sie das Rennen gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!"

Anschließend wechselte Steinmeier hinüber in das Alpensia Skisprung Center - und erwies sich erneut als Glücksbringer. Dort wurde der Bundespräsident Augenzeuge, wie der gerade mal 22 Jahre junge Wellinger in Südkorea in den Kreis der ganz Großen aufstieg: Als erster deutscher Skispringer seit Jens Weißflog 1994 wurde er Olympiasieger von der Normalschanze, von Platz fünf nach dem ersten Durchgang segelte er mit Schanzenrekord noch zu Gold - mit sattem Vorsprung vor den Norwegern Johann Andre Forfang und Robert Johansson.

"Mein Handy explodiert"

Vor Wellinger und Weißflog hatten erst zwei deutsche Springer diesen Wettbewerb gewonnen: Helmut Recknagel (1960) und Hans-Georg Aschenbach (1976 für die DDR). "Mein Handy explodiert, als erstes werde ich meine Lieben anrufen. Und dann freue ich mich auf ein gescheites Weißbier", sagte Wellinger und bekam selbiges bei der Spontan-Party anschließend im deutschen Haus.

Die Olympiasieger Laura Dahlmeier und Andreas Wellinger

Die Olympiasieger Laura Dahlmeier und Andreas Wellinger

Bundestrainer Werner Schuster, der nach dem Triumph über die Bande gehüpft war und Steinmeier um den Hals fiel, freute sich auch über die überschäumenden Feierlichkeiten: "Zum Glück war Andi so emotional. Wenn ein Sportler mit 22 Jahren Olympiasieger wird, dann ist das etwas ganz Besonderes." Der sonst so besonnene Schuster war nach dem Höhepunkt seiner Trainerlaufbahn ebenfalls außer Rand und Band, streckte auf der Siegerpressekonferenz immer wieder feixend die Zunge heraus. Wellinger war an diesem legendären Abend ein weiteres Mal fassungslos: "Also wirklich, so emotional habe ich den Coach noch nie gesehen."

Vom 05. bis 28. Februar berichten wir im ARD-Hörfunk, im Ersten und den Dritten Programmen ausführlich über die Olympischen Spiele.

red | Stand: 10.02.2018, 20:29

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