Russen scheitern mit Klage vor CAS

Startrecht in Pyeongchang

Russen scheitern mit Klage vor CAS

Wenige Stunden vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang steht fest: 47 russische Athleten und Trainer bleiben ausgeschlossen. Das Ad-Hoc-Gericht des Internationalen Sportgerichtshofes CAS wies eine Klage zurück. Am Donnerstag (08.02.2018) war bereits eine Klage von 13 weiteren Russen abgewiesen worden.

Die Russen hatten vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) wegen Dopingverstößen in Sotschi 2014 keine Einladung für Pyeongchang erhalten. Russland muss somit auf zahlreiche Stars wie den sechsmaligen Shorttrack-Olympiasiger Viktor Ahn, Biathlet-Staffel-Olympiasieger Anton Schipulin, sowie die Top-Ski-Langläufer Sergej Ustjugow und Ruslan Sacharow und Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Xenia Stolbowa verzichten.

Die Richter begründeten die Ablehnung damit, dass der Einladungsverzicht des IOC keine Sanktion und in keiner Weise diskriminierend oder auf unfaire Weise getroffen worden sei. Nach dem Ausschluss des Nationalen Olympischen Komitees Russlands im Zuge der Sotschi-Affäre im Dezember 2017 war vereinbart worden, dass russische Athleten nur auf Einladung an den Spielen in Südkorea teilnehmen können.

DOSB begrüßt Entscheidung

Die russische Regierung hatte angekündigt, die CAS-Entscheidung auf jeden Fall akzeptieren zu wollen. Damit bleibt es bei 168 Sportlern, die unter neutraler Fahne und ohne Hymne als Olympische Athleten aus Russland starten werden.

"Wir begrüßen diese Entscheidung, die den Kampf gegen Doping unterstützt und Klarheit für alle Athleten bringt", teilte IOC in einer ersten Reaktion mit. Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zeigte sich erleichtert: "Das ist eine erfreuliche Nachricht, die unsere Hoffnung stärkt, dass hier nur saubere Athleten starten", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

Widersprüche bei Unabhängigkeit des CAS

ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt erklärte, dass durch die Entscheidung "das Worst-Case-Szenario abgewendet worden ist". Athleten, die vom Dopingsystem profitiert haben, dürften nicht an den Spielen teilnehmen. Dennoch steht das IOC durch seine Entscheidungen als Verlierer da. "Das hat sich IOC-Präsident Thomas Bach selbst eingebrockt. Der Kardinalfehler war, dass die Schuld bei den Athleten gesucht wurde. Statt der Individualstrafen hätte es eine Kollektivstrafe geben müssen." Die Athleten hätten nur dann sanktioniert werden können, wenn ihnen Doping nachgewiesen worden wäre. Das ist durch die vernichteten Proben aber nicht mehr möglich.

Solch ein Durcheinander habe es vor Olympia noch nie gegeben. "Das ist eine Bankrotterklärung für das Anti-Doping-System", so Seppelt. Außerdem übte er Kritik am CAS: "Die Sportrichter sind nicht wirklich unabhängig, sie kommen alle aus dem Sport." Die Nähe der Verbände sei ein weiteres Problem. Auch die vom IOC angekündigten Veränderungen beim Internationalen Sportgerichtshof sind für Seppelt ein Widerspruch. Auf der einen Seite fordert Bach mehr Unabhängigkeit, zum anderen kritisiert er die Urteile, die nicht in seinem Sinne sind und fordert Reformen.

Kritik aus Russland

Russland hat verärgert auf das Urteil reagiert. Nach Ansicht von Vize-Premierminister Witali Mutko war das Gericht nicht frei in seiner Endscheidung. "Es war schwierig für den CAS, nach so viel Druck eine Entscheidung zu treffen“, sagte Mutko, der nun alternative Wettkämpfe für die ausgeschlossenen Sportler organisieren will. Das Vorgehen des IOC sei "undurchsichtig und widersprüchlich“. Es entstehe der Eindruck einer Privatparty.

Vom 05. bis 28. Februar berichten wir im ARD-Hörfunk, im Ersten und den Dritten Programmen ausführlich über die Olympischen Spiele.

red/dpa/sid | Stand: 09.02.2018, 03:41

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