"Sotschi plus X" - mehr nicht

Olympia Pyeongchang 2018: So sehen die Medaillen der kommenden Winterspiele aus

Medaillenvorgabe für Pyeongchang

"Sotschi plus X" - mehr nicht

Von Ernst Eisenbichler

Bei den Olympischen Winterspielen 2010 und 2014 verfehlte das deutsche Team jeweils die Medaillenvorgabe des DOSB. Vor Pyeongchang hat nun offenbar ein Umdenken eingesetzt: Die Sportler würden nicht mehr nur an der Medaillenausbeute gemessen, heißt es vom Verband.

Man ist vorsichtig geworden bei den deutschen Olympia-Funktionären - nach dem Medaillendebakel bei den Winterspielen von 2014. "Sotschi plus X" lautet die Formel, darauf beschränkt sich die Vorgabe. Eine konkrete Zahl bezüglich einer erwünschten Anzahl von Edelmetall wird diesmal nicht mehr genannt. Das bestätigte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Die "Vorbildfunktion des Teams" sei mindestens genauso wichtig wie die Medaillenausbeute, so Hörmann.

In Russland hatten die deutschen Wintersportler 19 statt der geforderten 30 Medaillen eingefahren. Das Sotschi-Debakel solle nun keine Bürde und Last für Pyeongchang werden. "Unsere Athleten sind keine Maschinen. Der Erfolg ist nur bedingt planbar", sagte die DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker.

"Medaillenkorridor nicht zielführend"

Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport des DOSB

Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport des DOSB

Vor früheren Winterspielen hatte der DOSB jedem Verband eine Medaillenober- und -untergrenze vorgegeben, woraus sich ein Gesamt-Medaillenkorridor ergab bzw. eine Zahl, die in etwa erreicht werden sollte. "Den Medaillenkorridor habe ich nie als besonders zielführend empfunden", sagt Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport des DOSB, zum bisherigen Prognosemodell. Schimmelpfennig ist in Südkorea erstmals Chef de Mission der deutschen Mannschaft. "Wenn man einen Korridor als Summe aller ehrgeizigen Ziele der einzelnen Verbände vorgibt, verpasst ihn aber knapp, dann heißt es gleich, es ist ein schlechtes Ergebnis erzielt worden. Ich finde, man muss Leistungen detaillierter betrachten und analysieren", so der Funktionär.

Reform soll frühestens 2022 greifen

"Natürlich sind wir in Sotschi im Vergleich zu früheren Ergebnissen schon deutlich abgestürzt. Damals wurde gesagt, wir haben unser Leistungsniveau nicht abgerufen, aber ganz so schwach waren wir nicht. Zu so einer Analyse gehört halt viel mehr als nur Medaillen. Und unsere Analyse vor Pyeongchang besagt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind", so Schimmelpfennig. Beispiel Bobfahrer: Im Weltvergleich seien sie aktuell erheblich stabiler als vor vier Jahren - "solche Entwicklungen sind es, die mich interessieren", sagt das DOSB-Vorstandsmitglied. Beim DOSB hat man sich nach Sotschi eine Leistungssportreform auf die Fahnen geschrieben, die den Abwärtstrend im Weltvergleich stoppen soll, aber frühestens für die Winterspiele 2022 in Peking greifen werde.

Sotschi: Schlechtestes Ergebnis seit Wiedervereinigung

Mindestens 30 Medaillen - das war die Vorgabe für Sotschi. Am Ende sprangen "nur" 19 heraus. 8 x Gold, 6 x Silber, 5 x Bronze - das war das mit Abstand schlechteste Ergebnis seit der deutschen Wiedervereinigung. Nur Platz sechs in der Nationenwertung - gerade die erfolgsverwöhnten Bobsportler gingen 2014 komplett leer aus.

Schon Vancouver blieb unter der Vorgabe

Mit der Zahl 30 für Sotschi hatte man sich an der Ausbeute vier Jahre zuvor im kanadischen Vancouver orientiert. Aber auch schon 2010 war die Vorgabe verfehlt worden: 40 Medaillen insgesamt waren eingeplant gewesen, davon 17 goldene. Schließlich hatte man damals ein Füllhorn an Top-Anwärtern auf Gold - unter anderen Ski alpin (Maria Riesch), Biathlon (Magdalena Neuner, Kati Wilhelm, Martina Glagow, Andrea Henkel), Bob (André Lange, Sandra Kiriasis), Rodeln (Felix Loch, Tatjana Hüfner, Leitner/Resch), Nordische Kombination (Eric Frenzel), Snowboard (Amelie Kober). Am Ende waren es in Vancouver 10 Gold-, 13 Silber und 7 Bronze-Medaillen.

2006 in Turin holte Deutschland 29 Medailen (11 x Gold, 12 x Silber, 6 x Bronze).
2002 in Salt Lake City waren es 36 (12 x Gold, 16 x Silber, 8 x Bronze).
1998 in Nagano waren es 29 (12 x Gold, 9 x Silber, 8 x Bronze).
1994 in Lillehammer waren es 24 (9 x Gold, 7 x Silber, 8 x Bronze).
1992 in Albertville waren es 26 (10 x Gold, 10 x Silber, 6 x Bronze).

eei/dpa/sid | Stand: 27.01.2018, 14:54

Darstellung: