Der große Leistungssprung von "Wiencek light"

Patrick Wiencek

Kreisläufer verliert Gewicht und gewinnt an Klasse

Der große Leistungssprung von "Wiencek light"

Von Jens Mickler

Mit seinen fünf Toren hatte Patrick Wiencek maßgeblichen Anteil am wichtigen Sieg der deutschen Handballer gegen Montenegro. Der Kreisläufer hat sich bei der WM in Spanien bereits zu einer wichtigen Säule im Team von Trainer Martin Heuberger entwickelt und ist selbst darüber sehr happy.

"Wenn es läuft, dann läuft's richtig. Ich will weiter so treffen und der Mannschaft helfen", sagt Wiencek vor dem letzten Vorrundenspiel gegen Titelverteidiger Frankreich am Freitag (18.01.2013, live im Ersten und im Stream).

Dass der blonde Hüne in Spanien stark aufspielt, hat mehrere Gründe. Der eine ist deutlich sichtbar: Patrick Wiencek hat ordentlich abgespeckt. 118 kg brachte der 23-Jährige auf die Waage, als er im vergangenen Sommer vom VfL Gummersbach zum THW Kiel wechselte. Geblieben sind eine viel athletischere Figur mit nur noch 108 kg, womit "Wiencek light" allerdings immer noch der schwerste Spieler im DHB-Team ist.

"Der kriegt nichts mehr zu essen"

Während Torwart Silvio Heinevetter vor dem Turnier noch mutmaßte: "Ich glaube, der kriegt in Kiel nichts mehr zu essen", kam der Zwei-Meter-Mann eher zufällig auf die Idee, sein Körpergewicht zu reduzieren. Im Trainingslager in Polen machten seine Kieler Teamkameraden Zeitz und Palicka eine einwöchige Anti-Kohlenhydrat-Kur. Da habe er sich einfach angeschlossen, und von Tag zu Tag purzelten die Pfunde. Nach dem Polen-Trip blieb Wiencek bei der Ernährungsumstellung. Morgens und mittags haut das Handball-Schwergewicht immer noch tüchtig rein, doch abends gibt es nur mehr Fleisch und Gemüse. "Nudeln, Kartoffeln und Soße lasse ich weg", so Wiencek.

Patrick Wiencek

Beim Pressetalk in Granollers

Der Gewichtsverlust macht sich im Spiel deutlich bemerkbar. Viel beweglicher und schneller ist das Handball-Schwergewicht geworden. Und ebenfalls ganz wichtig: Die Schmerzen an der Patellasehne sind gleich mit verschwunden. "Ich habe jetzt mein Idealgewicht und fühle mich einfach viel besser", sagt der Mann mit der Trikot-Nummer 7. Schwach wird Wiencek höchstens noch dann, wenn seine Mutter kocht: "Ich liebe das, was sie sonntags immer aufgetischt hat: Klöße mit Hackbraten und Kraut." In den Genuss seiner Lieblingsspeise kommt der gebürtige Duisburger allerdings nur noch selten, seit er seine Zelte im hohen Norden aufgeschlagen hat. Manchmal vermisse er die Eltern, die Anfang der 80er Jahre von Polen nach Duisburg-Walsum umsiedelten, auch seine Brüder und die Freunde. An freien Tagen fährt er deshalb noch oft die 500 Kilometer von Kiel in die Heimat.

Viel von Ahlm gelernt

Den Wechsel an die Ostseeküste hat Wiencek aber noch keinen einzigen Tag bereut. Vor allem die Zusammenarbeit mit Marcus Ahlm, dem schwedischen Weltklasse-Kreisläufer, mache ihm sehr viel Freude. "Marcus ist ein cooler Typ. Von ihm kann ich unheimlich viel lernen. Wie ich mich bewegen und wo ich stehen muss", sagt Wiencek. Immer öfter setzt THW-Coach Gislason auf die Dienste des jungen deutschen Nationalspielers, der mit soviel Einsatzzeit in seinem ersten Jahr bei den Zebras gar nicht gerechnet hatte.

Auch Bundestrainer Martin Heuberger ist erfreut über die Leistungssprünge seines "Kolosses am Kreis": "Er hat mittlerweile ein super Timing. Außerdem ist er ein super Typ, der immer auf dem Boden bleibt", sagt der Coach. Wie alle Mitspieler nennt auch der Bundestrainer Wiencek kurz "Bamm-Bamm", in Anlehnung an eine kräftig gebaute Figur aus der US-Serie "Familie Feuerstein". Wiencek selbst hat sich längst an seinen Spitznamen gewöhnt. Die bescheidene und ruhige Art von "Bamm-Bamm" kommt auch bei den Teamkollegen gut an. "Er ist ein sehr umgänglicher Spieler. Wir haben viel Spaß im Training", sagt beispielsweise Sven-Sören Christophersen. Und Dominik Klein meint: "Er ist ein lustiger Typ, der zuletzt viel dazugelernt hat."

Patrick Wiencek mit Teamkollegen Play-Icon

Das sagen die Teamkollegen über Patrick Wiencek | 02:06 min | 18.01.2013 | Sportschau | Das Erste

Das ganze Knie ein blauer Fleck

Bei soviel "warmen" Worten nimmt es Wiencek gerne in Kauf, dass er auch bei dieser WM als Kreisläufer die meisten Attacken abbekommt. "Die blauen Flecken kann ich schon gar nicht mehr zählen. Mein ganzes Knie ist ein einziger blauer Fleck", sagt der WM-Neuling. Am Freitag (18.1. 2013) im Spiel gegen Frankreich muss er seine Knochen wieder hinhalten. Einen "Bamm-Bamm" in der aktuellen Verfassung steht jeder Mannschaft der Welt gut zu Gesicht. Und Wiencek ist optimistisch, dass es zu einem guten Ergebnis gegen den Rivalen aus dem Nachbarland reichen könnte. "Wir haben nichts zu verlieren und können befreit aufspielen."

Das DHB-Team vor seinen Fans Play-Icon

Motivations-Video für das DHB-Team | 01:31 min | 18.01.2013 | Morgenmagazin | Das Erste

Stand: 18.01.2013, 11:17

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