Die neue Stärke der deutschen Handballer
Neuer Abschnitt
Mit schnellen Kontern zum Erfolg
Die neue Stärke der deutschen Handballer
Von Jens Mickler
"Kommt Männer, los, das ist es!" rief Dominik Klein seinen Teamkollegen zu, die auf der Ersatzbank aufgesprungen waren und sich mit ihm freuten. Soeben hatte der Linksaußen wieder einen der schnellen Konter erfolgreich abgeschlossen und klatschte jetzt jeden ab. Die deutsche Mannschaft führte nach dem Klein-Tor gegen Montenegro mit 19:14 und hatte sich erstmals freigespielt in dieser Partie, in der soviel Druck auf ihr gelastet hatte.
Neuer Abschnitt
Am 1. November des vergangenen Jahres hatten die Deutschen noch beim 27:31 gegen Montenegro in der EM-Qualifikation eine der schmerzhaftesten Niederlagen der vergangenen Jahre einstecken müssen. Der Respekt war entsprechend groß vor den Osteuropäern. Denn diesmal musste unbedingt ein Sieg her, um im Rennen um den Einzug ins Achtelfinale nicht an Boden zu verlieren. Die Deutschen hielten dem Druck stand. Das Team von Trainer Martin Heuberger zeigte sich hochkonzentriert und gegenüber dem holprigen Turnierstart stark verbessert und siegte am Ende klar mit 29:21. "Wir haben eine Giftgkeit und Galligkeit an den Tag gelegt und sind belohnt worden", sagte Dominik Klein nach dem Erfolg.
Lob vom Bundestrainer
Das Lob von höchster Stelle ließ nicht lange auf sich warten. "Ich hebe ja ungern einzelne Spieler hervor, aber Dominik Klein hat heute ein fantastisches Spiel gemacht", sagte Heuberger im Palau D'Esportes von Granollers. Viermal drehte der Mann vom THW Kiel mit ausgebreiteten Armen nach einem Torerfolg ab - die Jubelpose ist so etwas wie sein Markenzeichen.
Heuberger beließ es aber nicht allein bei dem Klein-Lob. Auch die Abwehr bekam vom Chefcoach eine "Eins". "Der Mittelblock mit Oliver Roggisch und Michael Haaß war die Grundlage für unseren Sieg", bekannte Heuberger. Stark im zentralen Deckungsverband und dann das schnelle Abspiel auf die Flügel mit Klein und dem ebenfalls treffsicheren Patrick Groetzki auf der rechten Außenseite: Die deutsche Mannschaft hat mit ihrem Konterspiel in den Tagen von Granollers eine neue Stärke entwickelt. Sie macht dabei gewissermaßen aus der Not eine Tugend. Einen überragenden Rückraumshooter wie es Volker Zerbe oder Pascal Hens in ihren besten Tagen einst waren haben die Deutschen aktuell nicht in ihren Reihen. Auch fehlt ein großer Regisseur wie es Markus Baur einmal war. Also müssen sie andere Lösungen finden. Das Konterspiel gehört gewiss dazu.
Kein Fehlversuch beim Fastbreak
Rechtsaußen mit Sprungkraft: Patrick Groetzki
"In den ersten beiden Spielen haben wir das nicht so geschafft", bekannte Klein und verwies auf das gute Timing beim schnellen Passspiel, das beim Torhüter und den Abwehrspielern nach einem gewonnen Ball stimmen muss. In dieser Hinsicht hat die Mannschaft, die im Vorfeld der WM ja insgesamt nur zwölfmal trainieren konnten, deutlich zugelegt. Gegen Montenegro standen unter'm Strich acht erfolgreiche "Fastbreaks", sogenannte Kontertreffer. Ein Fehlversuch war nicht darunter. Gegen Argentinien am Tag zuvor waren es immerhin sechs gewesen. Ihren Anteil hatte daran auch die zweite Reihe auf Außen, wobei Tobias Reichmann (auf rechts) und Kevin Schmidt (links) ihren Part etwas unscheinbarer spielen als Groetzki/Klein.
Gleichwohl ist der deutschen Mannschaft bewusst, dass die richtigen Gegner erst noch kommen. Angefangen am Freitag, dem letzten Gruppenspiel, bei dem es plötzlich sogar noch um den Sieg in der Vorrundengruppe A geht. "Frankreich ist natürlich eine andere Hausnummer", sagt Patrick Groetzki über den Titelfavoriten, auf den die Deutschen am Freitag (18.1., 2013) treffen werden und der es ihnen gewiss nicht so leicht machen wird. Auch im Achtelfinale wird schon ein anderes Kaliber kommen als es die Montenegriner oder auch zuvor die Argentinier waren. Mit der deutlichen Leistungssteigerung und dem Wissen um die neue Stärke kann die deutsche Mannschaft dieser Partie aber nun wesentlich gelassener entgegen sehen.
Stand: 17.01.2013, 08:48