Sternstunde der deutschen Handballer

Deutsche Handballer freuen sich

Großer Sieg über Titelverteidiger Frankreich

Sternstunde der deutschen Handballer

Von Jens Mickler

Jubeltänze der Spieler auf dem Feld und ausgelassene Freude bei den vielen mitgereisten Fans: Der deutsche Handball erlebte einen Freudentag im altehrwürdigen "Palau Sant Jordi" von Barcelona, der Olympiahalle von 1992. Mit einem nicht für möglich gehaltenen 32:30 (16:16) hat Außenseiter Deutschland den hohen Turnierfavoriten Frankreich bezwungen und ist als Gruppenerster ins Achtelfinale dieser Weltmeisterschaft eingezogen.

"Es war ein irrer Spaß, hier zu spielen. Wir haben uns anstecken lassen von der tollen Atmosphäre in dieser schönen Halle", meinte Spielmacher Michael Haaß kurz nach dem großen Match, in dem sich die deutsche Mannschaft phasenweise in einen Rausch spielte.

Von Beginn an ging die DHB-Auswahl hochkonzentriert ans Werk. Das Selbstvertrauen, das sie aus den beiden Siegen in Granollers gegen Argentinien und Montenegro gewonnen hatte, nahm sie mit nach Barcelona. Von Ehrfurcht vor dem großen Gegner, dem aktuellen Olympiasieger und Titelverteidiger, war nichts zu spüren. Auch von Rückständen in der ersten Halbzeit ließ sich das Team nicht beeindrucken. "Wir haben immer kühlen Kopf bewahrt und hatten gegen die Deckung der Franzosen immer Lösungen parat", freute sich Mittelmann Martin Strobel.

Omeyers Warnungen verpufften

Vor dem Spiel hatte Thierry Omeyer, der große französische Torwart und Welthandballer, noch gewarnt. "Wir wussten, dass die Deutschen gute, junge Spieler haben. Sie hatten vor dem Match keinen Druck und konnten nur gewinnen. Da hat man gesehen, was geht." Die Warnung sollte ungehört bleiben. Auch im zweiten Durchgang ließ die deutsche Mannschaft nicht locker. Deutschland dominierte das Spiel, zog von 22:22 auf 27:22 in der 47. Minute davon. Am Ende wurde es zwar noch einmal eng, doch den Sieg ließ sich das neuformierte Team nicht nehmen. DHB-Sportmanager Heiner Brand war beeindruckt. Der Ex-Bundestrainer meinte: "Dass die Mannschaft so dominant spielt, hätte ich nicht erwartet."

Michael Haass (li.) und Xavier Barachet Play-Icon

Deutschland - Frankreich: die erste Halbzeit | 38:56 min | 18.01.2013 | Sportschau live | Das Erste

Erstaunlich ist, wie sich die deutsche Mannschaft im Laufe des Turniers gesteigert hat. Nach der Niederlage im zweiten Gruppenspiel gegen Tunesien war die Sorge groß, ob es überhaupt fürs Achtelfinale reichen würde. Jetzt geht sie sogar als Gruppenerster in die K.o-Runde. "Der Glaube an uns selbst ist immer mehr und immer mehr gewachsen", sagte Martin Strobel. Gerade der Lemgoer hatte zuvor in manchen Situationen Kaltschnäuzigkeit vermissen lassen. Nun strotzte auch er vor Selbstbewusstsein.

Patrick Groetzki Play-Icon

Deutschland - Frankreich: die zweite Halbzeit | 43:55 min | 18.01.2013 | Sportschau live | Das Erste

WM-Neulinge ohne Ehrfurcht

Das große Plus der deutschen Mannschaft: Sie ist in allen Mannschaftsteilen mehrfach gut besetzt. Das zeigte sich auch beim Sieg gegen die Franzosen, an dem zwei WM-Neulinge nicht unerheblichen Anteil hatten: Als Abwehrspieler Oliver Roggisch rot-gefährdet auf der Bank blieb, sprang der Magdburger Stefan Kneer in die Bresche und machte einen vorzüglichen Job. In der heißen Schlussphase erwies sich Steffen Fäth als sicherer Torschütze, den die routinierten "Bleus" nicht auf der Rechnung hatten. "Die Franzosen sind nicht mehr die Jüngsten. Wir dagegen haben 19, 20-Jährige in unseren Reihen, die können immer noch mehr Speed geben", sagte Roggisch.

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DHB-Team mit Überraschungserfolg gegen Frankreich | 01:05 min | 18.01.2013 | Sportschau live | Das Erste

In dieser ausgezeichneten Verfassung kann es noch weit gehen für die Mannschaft vonTrainer Martin Heuberger. Dass im Achtelfinale gegen Mazedonien am Sonntag (20. 01.13, 15.45 Uhr) die Karten neu gemischt werden, ist der Mannschaft allerdings bewusst. Von Abheben keine Spur. "Wir bleiben schön auf dem Teppich und werden uns nicht hinreißen lassen, abschweifende Gedanken zu haben", meinte Torhüter Silvio Heinevetter mit Blick auf den nächsten Auftritt. Träumen sollte im deutschen Lager nach dieser tollen Leistung aber durchaus erlaubt sein.

Stand: 18.01.2013, 23:06

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