Steffen Fäth - Hammerwurf und Fliegenauge

Steffen Fäth

Deutsche Nationalmannschaft

Steffen Fäth - Hammerwurf und Fliegenauge

Von Jens Mickler

Steffen Fäth ist einer der leisen Vertreter im Team der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Wenn der Mann von den Füchsen Berlin allerdings seine ungeheure Wurfkraft auspackt, dann ist es vorbei mit der Ruhe.

Sein Freiwurf im Spiel beim SC DHfK Leipzig war einer der spektakulären Momente in der Hinserie der Handball-Bundesliga. In letzter Sekunde bescherte Steffen Fäth den Füchsen Berlin Anfang Oktober mit seinem genialen Kunstschuss noch den Auswärtssieg, Auszeichnung zum Tor des Monats inklusive. Wer Steffen Fäth seitdem googelt, der erhält an erster Stelle der Autovervollständigung "Steffen Fäth Tor".

Schlaks mit langem Beschleunigungsweg

Die ungeheure Wurfkraft ist das Markenzeichen des Rückraumspielers Steffen Fäth. Dabei bringt der 27-Jährige zwar ein Gardemaß von 1,97 Metern mit, seine Muskelpakete halten sich jedoch vergleichsweise in Grenzen. "Steffen ist ja eher ein Schlaks. Bei ihm geht viel über die Technik. Er hat einen sehr langen Beschleunigungsweg, der Wurf ist eine ganz runde Bewegung", erklärt Kai Wandschneider, sein ehemaliger Trainer, mit dem Fäth vier Jahre lang bei der HSG Wetzlar zusammenarbeitete.

Fäth selbst sagt, dass er seinen harten Wurf gar nicht besonders trainiere. "Hart werfen konnte ich schon immer. Ich mache höchstens etwas mehr für die Außenrotation der Schultermuskulatur, auch um Schmerzen in diesem Bereich vorzubeugen", sagt Fäth zu sportschau.de. Die Wurfstärke ist aber nicht die einzige Qualität des 57-fachen Nationalspielers. "Steffen besitzt ein Fliegenauge. Er sieht im 360-Grad-Bereich quasi alles, was auf dem Feld um ihn herum geschieht", so Wandschneider über das "begnadete Naturtalent."

"Mit der WM beschäftigen wir uns nicht mehr"

Die Europameisterschaft in Kroatien wird nun Fäths fünftes großes Turnier werden. 2016 gehörte er zur DHB-Auswahl, die den EM-Titel in Polen feierte und anschließend in Rio de Janeiro Olympia-Bronze holte. Auch bei der WM im vergangenen Jahr in Frankreich war er dabei, die bekanntlich mit dem enttäuschenden 9. Platz endete. "Da hatten wir einen schlechten Tag. Das passiert im Sport. Damit beschäftigen wir uns aber nicht mehr", sagt Fäth und blickt voraus auf die Tage in Kroatien: "Die Leistungsdichte in der Weltspitze ist groß. Am Ende wird wohl wieder die Tagesform entscheiden", sagt Fäth und stellt klar: "Wir wollen weit kommen."

Steffen Fäth

Steffen Fäth im Dress der Nationalmannschaft

Bundestrainer Christian Prokop wird dann auch auf die Allroundqualitäten des gebürtigen Frankfurters setzen können. Bei den Füchsen liegen seine Spielanteile hauptsächlich im linken Rückraum, in der Nationalmannschaft bringt Prokop den Spieler oftmals auch in der Rückraummitte. "Ob ich auf links oder in der Mitte spiele, ist mir ehrlich gesagt wurscht", sagt Fäth, der nach der Saison von den Füchsen zu den Rhein-Neckar Löwen wechselt.

Feiner, sensibler Spieler

Dass für ein erfolgreiches Abschneiden der deutschen Mannschaft in Kroatien auch der Teamzusammenhalt eine große Rolle spielen wird, steht dabei außer Frage. Ein Fakt, der gerade für den zweifachen Familienvater Fäth eine nicht unbedeutende Rolle spielt. "Steffen ist ein feiner, sensibler Spieler, der sich wohlfühlen muss. Wenn Du ihm in schwierigen Phasen hilfst, ist er der Erste, der es mit Leistung zurückzahlt", sagt Kai Wandschneider. Im Kreis der deutschen Mannschaft findet Fäth dafür beste Voraussetzungen. "Wir haben eine sehr gute Stimmung im Team und vestehen uns untereinander bestens", so Fäth. Eine gute Grundlage also, um tatsächlich bei der Europameisterschaft weit zu kommen.

Stand: 09.01.2018, 12:00

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