Prokops Wagnis mit den Nobodys Janke und Roscheck

Handball-Nationalmannschaft: Maximilian Janke

Handball-EM

Prokops Wagnis mit den Nobodys Janke und Roscheck

Von Jens Mickler

Mit der EM-Nominierung der beiden Nobodys Maximilian Janke und Bastian Roscheck sorgte Bundestrainer Christian Prokop für Aufsehen. Dabei verfolgt der Coach einen ganz bestimmten Plan.

Die Nominierung der Neu-Nationalspieler Janke und Roscheck kam so überraschend, dass selbst die Multimedia-Abteilung des deutschen Handball-Bundes noch nicht reagieren konnte. Geht man die Liste der A-Nationalspieler auf der Homepage des DHB durch, fehlen die Namen Maximilian Janke und Bastian Roscheck sowie die zugehörigen Spielerdaten.

Keine internationale Erfahrung

Das Überraschende an Prokops Auswahl: Er holte mit den beiden Akteuren vom SC DHfK Leipzig ein Duo in sein EM-Aufgebot, das über so gut wie keine Länderspielerfahrung verfügt. Sowohl Roscheck als auch Janke feierten im ersten von zwei Test-Länderspielen am vergangenen Freitag (05.01.2018) ihr Debüt im Adlertrikot. Nun spielen sie ihr erstes großes Turnier, die drei Europameister Fabian Wiede, Finn Lemke und Rune Dahmke müssen hingen vorerst zu Hause bleiben.

Dabei war die Nominierung von Maximilian Janke noch eher erwartbar. Der 24-Jährige ersetzt seinen Leipziger Teamkollegen Niclas Pieczkowski, der sich im Dezember an der Schulter verletzte und nicht einsetzbar war. Janke wechselte 2015 vom SC Magdeburg zum SC DHfK Leipzig und spielte dort unter Trainer Prokop zwei Jahre Bundesliga. Im Rückraum ist er sowohl in der Mitte als auch auf der Linksposition einsetzbar.

Beste Defensivwerte

Handball-Nationalmannschaft: Bastian Roscheck

Neu im Team: Bastian Roscheck

Bastian Roscheck kam bereits 2013 vom OSC Rheinhausen nach Leipzig, dem gleichen Jahr als Prokop dort Cheftrainer wurde. Der gebürtige Krefelder, der flexibel auch am Kreis einsetzbar ist, kann die besten Defensivwerte aller Bundesligaspieler aufweisen. Dass der neue Bundestrainer den bald 27-jährigen Roschek dem Melsunger Finn Lemke vorzieht, ist die wohl größte Überraschung der Kadernominierung.

"Prokop setzt damit ein klares Zeichen, dass er keine reinen Spezialisten im Team haben will", sagt ARD-Kommentator Florian Naß. Lemke gilt zumindest in der Nationalmannschaft als reiner Abwehrspezialist. Beim EM-Triumph vor zwei Jahren bildete er mit Hendrik Pekeler ein Weltklasse-Duo in der Defensive. "Prokops Spielphilosophie ist darauf ausgerichtet, dass er permanent Tempo und Druck ausüben will. Ein ständiger Wechsel von Abwehr auf Angriff während des Spiels würde diese Taktik durchkreuzen", so Florian Naß.

Prokops mutige Entscheidung

Roscheck statt Lemke sei aber auch eine sehr mutige Entscheidung, meint Naß. Prokop mache sich damit persönlich angreifbar, denn sollte der Schachzug misslingen, würden sich die Kritiker sogleich auf den Lemke-Verzicht berufen.

Handball-Nationalmannschaft: Maximilian Janke

Im EM-Kader: Maximilian Janke

Und noch ein Hinweis zeige die Auswahl der Nobodys, die vor allem die Perspektive in der Nationalmannschaft über das Turnier hinaus betrifft. Florian Naß: "Prokop macht damit klar, dass er nicht nur auf die gesetzten Spieler baut, sondern dass bei ihm immer eine Lücke im Team offen ist, ein Hinweis auch für junge Spieler."

Hintertürchen für Ausgemusterte bleibt offen

Ganz geschlossen ist die Tür für die nun aussortierten Spieler nicht. Denn Prokop könnte sie bei Bedarf während des Turniers nach Kroatien beordern. Bereits Anfang Dezember hatte er sein erweitertes EM-Aufgebot von 28 Spielern bekanntgegeben. Bis zu sechs Mal könnte er während der EM aus dem im Dezember benannten 28er Aufgebot tauschen. Sollte die Defensive während der EM wackeln, bleibt Lemke eine Option. Fabian Wiede würde wohl nur zurückkommen, falls sich Kai Häfner oder Steffen Weinhold verletzen sollten.

Stand: 08.01.2018, 10:30

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