DHB-Team mit nur zwei Punkten in Hauptrunde

Handball-EM

DHB-Team mit nur zwei Punkten in Hauptrunde

Die deutschen Handballer nehmen bei der EM in Kroatien weniger Punkte als erhofft mit in die Hauptrunde. Gegen Mazedonien reichte es nur zum Remis.

Christian Prokop nahm mit versteinerter Miene einen tiefen Schluck aus der Wasserflasche, seine Schützlinge standen mit gesenkten Köpfen auf dem Feld. Nach dem 25:25 (12:11) gegen Mazedonien und dem verpassten EM-Gruppensieg überwog bei Deutschlands Handballern der Frust. Zwar zog der Europameister ohne Niederlage in die Hauptrunde, darf sich dort im Kampf um den Einzug ins Halbfinale aber keine weiteren Patzer erlauben.

In den Schlusssekunden "undiszipliniert"

"Das war ein intensives Spiel", sagte Prokop, der schon zuvor mit dem 25:25 gegen Slowenien einen Krimi erlebt hatte, in der ARD. Sekunden vor dem Ende hatte seine Mannschaft am Mittwoch (17.01.2018) gegen Gruppensieger Mazedonien sogar noch die Chance zum Sieg, nachdem Keeper Silvio Heinevetter mit einer sensationellen Parade zwölf Sekunden vor Abpfiff eine Niederlage verhindert hatte. "Wir spielen zu undiszipliniert die letzte Szene", sagte der Bundestrainer verärgert. "Wahnsinns-Save von Heinevetter", meinte Rechtsaußen Patrick Groetzki: "Wir haben natürlich in der Auszeit was angesagt mit der Hoffnung, dass der Außen reinkommt und frei zum Wurf kommt. Schade, um die zwei Punkte, es wäre mehr drin gewesen."

Neben den überzeugenden Torhütern Andreas Wolff und Heinevetter zeigten vor allem Steffen Weinhold mit sieben Treffern und der nachnominierte Finn Lemke in der Abwehr starke Leistungen. Ansonsten ließ die DHB-Auswahl vor rund 6.500 Zuschauern in der Arena Zagreb vor allem in der Offensive vieles vermissen.

Im Angriff ohne Ideen

Zwar war die Stimmung trotz erneuter Überzahl der gegnerischen Fans nicht so hitzig wie im Slowenien-Spiel, überzeugend agierte die DHB-Auswahl aber zunächst auch nicht. Im Angriff spielte der Europameister ohne Ideen und profitierte bei seinen ersten Treffern zumeist davon, dass kein Torhüter im mazedonischen Gehäuse stand. Immer wieder setzten die Mazedonier im Angriff auf den siebten Feldspieler, machten mit Ball aber zahlreiche Fehler - so dass Tobias Reichmann oder Patrick Wiencek aus der Distanz ins leere Tor warfen.

Es fehlte an Kreativität

Ansonsten ließ es Prokops Mannschaft überraschend an Kreativität vermissen. Der Bundestrainer hatte diesmal zwar Steffen Fäth schon früh als Spielmacher eingesetzt. Im Aufbau aber haperte es an Tempo und Variabilität. Dass die Mazedonier nicht schon früh deutlich davonzogen, lag vor allem am diesmal überragenden Torhüter Wolff, der zahlreiche Versuche entschärfte. Und dann wurde auch Rückkehrer Lemke immer stärker.

Lemke machte hinten dicht

Nach rund drei Minuten schickte Prokop den 2,10 Meter großen Hünen erstmals auf die Platte, was dem Team im Verlaufe des Spiels eine immer größere Sicherheit gab. Lemke hielt die Defensive zusammen, dirigierte, motivierte - und überzeugte früh mit seinem aggressiven Abwehrspiel. Nach rund 20 Minuten lag die DHB-Auswahl erstmals mit drei Toren (10:7) in Front. Was der Titelverteidiger aber insgesamt im Angriff ablieferte, blieb schwach. Reichmann, Wiencek und Co. vergaben etliche gute Möglichkeiten auf eine komfortable Pausenführung.

Leichte Abschlüsse für Mazedonien

Weil die Mazedonier aus dem Rückraum zudem immer wieder viel zu leicht zum Abschluss kamen, blieb es eng. Womit das DHB-Team fast die gesamte Partie überhaupt nicht zurechtkam, war das unangenehme Spiel der bulligen Kreisläufer Stojanche Stoilov und Zharko Peshevski. Zudem bekam der Europameister keinerlei Konsequenz in seine Abschlussaktionen. Da aber auch der später für Wolff eingewechselte Heinevetter überzeugte, verlor Prokops Mannschaft nicht den Anschluss. Zum Sieg reichte es aber nicht mehr.

Gegen Spanien, Dänemark und Tschechien

Das deutsche Team nimmt nur zwei Punkte aus den beiden Remis gegen Mazedonien und Slowenien in die zweite Turnierphase mit, da Slowenien gegen Montenegro mit 28:19 gewann und sich ebenfalls qualifizierte. Deutsche Gegner in der Hauptrunde sind ab Freitag (19.01.2018) Ex-Weltmeister Spanien, Olympiasieger Dänemark und Tschechien. Die Spieler wissen noch nicht so ganz, wie sie damit umgehen sollen. "Das Halbfinale ist jetzt erst einmal kein Thema", sagte Heinevetter, während Lemke erklärte: "Jetzt geht das Turnier erst richtig los. Jetzt kommt die heiße Phase."

Statistik

Handball · Europameisterschaft · Gruppe C

Mittwoch, 17.01.2018 | 18.15 Uhr

Deutschland

Heinevetter, Wolff – Weinhold (7), K. Häfner, Janke, F. Lemke, Ph. Weber (2), Fäth (2), Kühn, Drux (1) – Reichmann (2), Groetzki (1), Gensheimer (5/2) – Wiencek (4), Pekeler (1), Kohlbacher

25

Mazedonien

Ristovski, Mitrevski – Velkovski, K. Lazarov (5), Pribak, Jonovski, Mirkulovski – Georgievski, Popovski (1), Manaskov (5/3), Taleski (6), V. Markoski, Kuzmanovski (2) – N. Markoski, Stoilov (3), Peshevski (3)

25

Fakten und Zahlen zum Spiel

Deutschland Mazedonien
Siebenmeter 2 Würfe, 2 Treffer 3 Würfe, 3 Treffer
Strafminuten 6 Min. 4 Min.

Zuschauer:

  • 5.100

Schiedsrichter:

  • Gousko (Weißrussland), Repkin (Weißrussland)

Stand: Mittwoch, 17.01.2018, 20:23 Uhr

red/sid/dpa | Stand: 17.01.2018, 22:21

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