DHB-Team erarbeitet sich wichtigen Sieg

Handball-EM

DHB-Team erarbeitet sich wichtigen Sieg

Wenig spielerische Klasse, dafür jede Menge Kampf und Einsatz: Bei der Handball-EM in Kroatien ist der deutschen Mannschaft der erhoffte Sieg gegen Tschechien gelungen.

Kein gutes Spiel, aber ein wichtiger Sieg: Mit dem 22:19 (9:10) gegen Tschechien gelang der deutschen Handballnationalmannschaft im ersten Hauptrunden-Spiel der Europameisterschaft der erhoffte Erfolg. Damit wahrte das Team von Trainer Christian Prokop seine Chancen auf den Einzug ins Halbfinale. Nächste Gegner sind am Sonntag (21.01.2018) Dänemark und am nächsten Mittwoch Spanien.

"Achterbahn der Gefühle"

"Wir stehen hier unter großem Druck, wissen ganz genau, dass wir in der Hauptrunde alle Spiele gewinnen müssen. Entsprechend haben wir uns lange sehr schwer getan", meinte Spielmacher Steffen Fäth nach der Partie. Außenspieler Uwe Gensheimer sagte: "Uns hat lange die nötige Überzeugung gefehlt. Es war Unsicherheit zu spüren. Zum Glück haben wir in den letzten Minuten nochmal Gas gegeben."

Bundestrainer Prokop war vor allem erleichtert: "Es war eine Achterbahn der Gefühle. Der Druck war groß, das Nervenkostüm hat geflattert. Zum Glück hatte das Spiel einen guten Ausgang für uns. Das ist das Entscheidende."

Starke Abwehrleistung

Es war wohl der bisher schwächste Auftritt des deutschen Teams bei dieser EM. Dass es dennoch zum erhofften Sieg reichte, war einer starken Abwehrleistung sowie einer enormen Kraftanstrengung in den letzten zehn Minuten der Partie zu verdanken.

Da hielt der erst spät eingewechselte Keeper Andreas Wolff Wurf um Wurf der abbauenden Tschechen, während vorn endlich einmal die Chancen konsequent genutzt werden konnten. Von einem 16:18-Rückstand drehte das deutsche Team die Begegnung mit viel Energie so schließlich am Ende doch noch.

Wenig Zug im Angriff

Begonnen hatte die Partie in Varazdin aus deutscher Sicht durchaus holprig. Die Tschechen, die zum Turnierauftakt eine 15:32-Klatsche gegen Spanien kassiert hatten, bevor ihnen gegen Dänemark (28:27) und Ungarn (33:27) zwei Siege gelungen waren, hatten sich in der Abwehr auf eine 6:0-Deckung verständigt, mit der die Deutschen nicht zurechtkamen.

Das Positionsspiel - inszeniert von Regisseur Paul Drux - hatte zu wenig Tempo und überraschende Aktionen, dafür passierten immer mal wieder einfache technische Fehler. So führten die selbst keineswegs überragenden Tschechen nach zehn Minuten mit 4:3, ehe die vorerst besten Minuten des deutschen Teams begannen. Basierend auf der starken Abwehrleistung um Mittelblocker Finn Lemke, seinem Nebenmann Hendrik Pekeler und einem überragenden Torhüter Silvio Heinevetter konnten unter anderem zwei schnelle Gegenstöße gelaufen werden und man ging nach 15 Minuten selbst mit 7:5 in Führung.

Christian Prokop - "Endlich mehr Durchschlagskraft"

Sportschau | 19.01.2018 | 02:10 Min.

Vorn wenig flexibel

Doch dies war nur ein Zwischenhoch, fortan waren die alten Probleme zu sehen: Hinten agierte das Prokop-Team zwar stark, im Spiel nach vorn aber fahrig und wenig flexibel. Elf Minuten lang gelang der deutschen Sieben nun kein Treffer, die Tschechen drehten die Partie erneut auf 7:8. Einziger deutscher Spieler, der in dieser Phase zuverlässig traf, war Steffen Fäth, dessen Bewegung von halblinks nach innen mit Torabschluss eine gute war. Und dass es zur Halbzeit "nur" 9:10 stand, hatten die "Bad Boys" sicher Keeper Heinevetter zu verdanken, der stabil blieb und nach 30 Minuten eine Quote von 47 Prozent gehaltener Bälle aufweisen konnte.

Steigerung muss her

So reichten erst die Leistungssteigerung in der Schlussphase und Fäths Treffsicherheit (acht Tore) zum Sieg. Fest steht aber: Will die deutsche Mannschaft tatsächlich das erhoffte Halbfinale erreichen, muss eine deutliche Steigerung her. Die kommenden Gegner Dänemark und Spanien dürften sich sicher eine ganze Klasse stärker präsentieren als Tschechien. Das sieht auch Steffen Weinhold so: "Klar müssen wir uns im Angriffsspiel steigern. Sonst gewinnen wir gegen Dänemark und Spanien nicht."

Linksaußen Dahmke nachnominiert

Helfen soll dem DHB-Team dabei zusätzlich Rune Dahmke. Der Bundestrainer verkündete nach dem Sieg gegen Tschechien die Nachnominierung des Linksaußens aus Kiel. "Das macht uns noch weniger ausrechenbar", sagte Abwehrchef Finn Lemke. Der zunächst nicht berücksichtigte Dahmke rückt für Maximilian Janke ins Team und wird schon am Sonntag dabei sein - auch als Alternative zu Uwe Gensheimer. "Rune wird Uwe entlasten. Ich möchte auf der Linksaußen-Position ein starkes Duo haben", begründete Prokop seine Entscheidung.

Statistik

Handball · Europameisterschaft · Gruppe 2

Freitag, 19.01.2018 | 18.15 Uhr

Deutschland

Heinevetter, Wolff – Weinhold (1), K. Häfner (1), Janke, F. Lemke, Ph. Weber (2), Fäth (8), Kühn, Drux (2) – Reichmann, Groetzki (1), Gensheimer (3/1) – Wiencek (1), Pekeler (1), Kohlbacher (2)

22

Tschechien

Galia, Mrkva (1) – Kasparek (4), Mubenzem, Stehlik, Becvar (1), Svitak, Zdrahala (4/2), Horak (3), Kasal, Landa – Cip (6), Hrstka, Kotrc – Petrovsky, Zeman

19

Fakten und Zahlen zum Spiel

Deutschland Tschechien
Siebenmeter 1 Würfe, 1 Treffer 3 Würfe, 2 Treffer
Strafminuten 6 Min. 8 Min.

Zuschauer:

  • 2.130

Schiedsrichter:

  • Gubica (Kroatien), Milosevic (Kroatien)

Stand: Freitag, 19.01.2018, 20:02 Uhr

red/sid/dpa | Stand: 19.01.2018, 19:55

Darstellung: