Norwegen - Berge auf dem Weg zum Gipfel

Norwegens Trainer Christian Berge

Handball-EM in Polen

Norwegen - Berge auf dem Weg zum Gipfel

Von Christian Hornung

Ole Gunnar Solskjær weiß ja ziemlich genau, wie Wunder gehen.

Am 26. Mai 1999 schoss Norwegens Fußball-Legende in der 93. Minute das 2:1-Siegtor für Manchester United im Champions-League-Finale gegen die Bayern - nachdem United bis zur 91. Minute noch 0:1 hinten gelegen hatte. Wenn also einer aus berufenem Munde davon erzählen kann, wie das ist, nie aufzugeben und auch in der aussichtslosesten Lage den Kopf oben zu behalten, dann Ole Gunnar Solskjær.

"Hin und weg"

Der ehemalige Angreifer ist in diesen Tagen vom Fußball- zum Handball-Fan geworden. Von seinen Landsleuten bei der EM in Polen, die unter Trainer Christian Berge wahre Wunderdinge leisten, ist er nach eigenem Bekunden "hin und weg".

Solskjær schreibt dem Halbfinalgegner der deutschen Mannschaft am Freitag (29.01.16) bei Twitter: "Voller Bewunderung für dieses Team. Das zeigt, dass es für alle möglich ist, die es genug wollen und daran glauben."

Ähnlicher Weg wie Deutschland

Ob in Norwegen schon vor dem Turnier jemand an eine derartige Performance geglaubt hat, ist ähnlich unwahrscheinlich wie bei der deutschen Mannschaft, die inzwischen ohne sieben Leistungsträger auskommen muss und das mit Abstand jüngste EM-Team stellt. Der Weg beider Mannschaften bis ins Halbfinale war durchaus ähnlich.

Wie die Deutschen gegen Spanien starteten auch die Norweger mit einer Niederlage. Das 25:26 gegen Island beunruhigte aber niemanden, es entsprach den Erwartungen. Berge hatte vor dem Turnier noch die Befürchtung geäußert, "so eine EM komme zu früh", man wolle nur Erfahrungen sammeln. Doch dann steigerte sich das Team in einen Rausch - mit Erfolgen gegen Kroatien, Weißrussland, Polen und Frankreich, der nur ganz kurz von einem Remis gegen Mazedonien unterbrochen wurde.

Starker Kreisläufer, starke Keeper

Zu den Stärken der Norweger zählt ihre Ausgeglichenheit: Aus einem hervorragenden Kollektiv ragen nur Kreisläufer Bjarte Myrhol (Skjern Handbold) und Rückraumschütze Kent Robin Tönnesen (Füchse Berlin) ein wenig heraus. Die Skandinavier kommen wie die Deutschen normalerweise aus einer beweglichen 6:0-Deckung, haben in Ole Erevik und Espen Christensen zwei Klasse-Keeper, sie verteidigen hart und können blitzschnell nach vorne umschalten.

Fünf Spieler der Norweger spielen bereits in der Bundesliga, in Kristian Björnsen (Wetzlar) und Christian O'Sullivan (Magdeburg) kommen demnächst zwei weitere dazu. Kreisläufer Myrhol ist auch seiner Zeit bei den Rhein Neckar Löwen noch bestens mit vielen seiner Gegenspieler vertraut. Auch Coach Berge ist in Deutschland kein Unbekannter - er spielte früher bei der SG Flensburg-Handewitt.

Stand: 29.01.2016, 08:31

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