Auf wen man bei der Handball-EM besonders achten muss

Auf wen man bei der Handball-EM besonders achten muss

Von Robin Tillenburg

Die Handball-EM steht in den Startlöchern. Wer sind die Spieler, die man besonders im Blick haben sollte? Wer könnte zur großen Überraschung werden? Ein Überblick.

Nikola Karabatic bejubelt einen Treffer

Es ist beinahe ein bisschen langweilig, aber wenn man einen Spieler sucht, der dem Turnier eventuell seinen Stempel aufdrücken könnte, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man am Ende bei Nikola Karabatic landet. Der 31 Jahre alte Franzose spielt seit einem guten Jahrzehnt eine Ausnahmerolle im Welthandball. Torgefährlich, spielstark, knallhart in der Abwehr und vor allem mit dem "Sieger-Gen" ausgestattet. Ein Auszug seiner Titelsammlung: Dreimal Champions-League-Sieger unter anderem mit dem THW Kiel, mehrmaliger deutscher, spanischer und französischer Meister, Weltmeister, Olympiasieger, Europameister, dazu MVP in allen wichtigen Wettbewerben und so gut wie immer im Allstar-Team, zuletzt Welthandballer 2014. Selbst den Wettmanipulationsskandal 2012 überstand die Karriere des 1,96m-Mannes nahezu ohne Kratzer – Nikola Karabatic ist das Gesicht der Erfolgswelle, auf der der französische Handball seit Jahren schwimmt und einer der Gründe, aus dem der amtierende Welt- und Europameister erneut Topfavorit ist.

Es ist beinahe ein bisschen langweilig, aber wenn man einen Spieler sucht, der dem Turnier eventuell seinen Stempel aufdrücken könnte, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man am Ende bei Nikola Karabatic landet. Der 31 Jahre alte Franzose spielt seit einem guten Jahrzehnt eine Ausnahmerolle im Welthandball. Torgefährlich, spielstark, knallhart in der Abwehr und vor allem mit dem "Sieger-Gen" ausgestattet. Ein Auszug seiner Titelsammlung: Dreimal Champions-League-Sieger unter anderem mit dem THW Kiel, mehrmaliger deutscher, spanischer und französischer Meister, Weltmeister, Olympiasieger, Europameister, dazu MVP in allen wichtigen Wettbewerben und so gut wie immer im Allstar-Team, zuletzt Welthandballer 2014. Selbst den Wettmanipulationsskandal 2012 überstand die Karriere des 1,96m-Mannes nahezu ohne Kratzer – Nikola Karabatic ist das Gesicht der Erfolgswelle, auf der der französische Handball seit Jahren schwimmt und einer der Gründe, aus dem der amtierende Welt- und Europameister erneut Topfavorit ist.

Wenn die Bezeichnung "Tormaschine" auf einen Spieler zutrifft, dann ist das Kiril Lazarov. Der Mazedonier, der momentan das Trikot des FC Barcelona trägt, hält sowohl den Rekord für die meisten Tore bei einer Europa-, als auch bei einer Weltmeisterschaft. In nicht einmal 200 Spielen hat der 35-Jährige für sein Heimatland mehr als 1300 Tore erzielt. Er ist mit Torhüter und Siebenmeterkiller Borko Ristovski seit Jahren der Grund, warum selbst Spitzenteams den Mazedoniern während eines Turniers gern aus dem Weg gehen. Dass Lazarov darüber hinaus ein Auge für seinen Außen und seinen Kreisläufer hat, macht ihn umso gefährlicher, zieht er doch ohnehin aufgrund seiner Torgefahr meist mehrere Abwehrspieler auf sich. Mazedonien ist kein Titelfavorit, kann aber wohl wieder zum Stolperstein werden - wie 2012, als die Mannschaft den sensationellen fünften Platz belegte. Toptorschütze damals? Kiril Lazarov.

Karabatics Vorgänger als Welthandballer heißt Domagoj Duvnjak und spielt für Kroatien. Der Nachfolger des legendären Ivano Balic füllt dessen Fußstapfen recht ordentlich aus. Der Spielgestalter ist dabei ein anderer Typ als Balic, obwohl er das Spiel genauso gut liest. Duvnjak lebt vor allem davon, auch wenn mehrere Gegenspieler an seinem Trikot zerren, den Ball noch gefährlich aufs Tor oder zu einem Mitspieler bringen zu können. Erfahrung hat „Dule“ auf internationalem Niveau reichlich gesammelt. Mit dem THW Kiel spielt er seit seinem Wechsel regelmäßig auf Topniveau und gewinnt Titel. Vorher spielte er für den HSV Hamburg, mit dem er unter anderem 2013 die Champions League gewann. Dass der 1,98m große Rückraumspieler auch diesmal der Dreh- und Angelpunkt des kroatischen Spiels sein wird, ist so gut wie sicher. Ein Titel mit der Nationalmannschaft fehlt dem 27-Jährigen noch – möglich, dass es 2016 so weit ist.

Auch der nächste Spitzenhandballer spielte schon beim THW Kiel. Der Isländer Aron Palmarsson ist 25 Jahre alt, gewann als Spielgestalter 2010 und 2012 mit den Kielern die Königsklasse und ist Islands Lebensversicherung. Nachdem bei der letzten EM (Fünfter) und der WM 2015 (Aus im Achtelfinale) für die Nordmänner eher enttäuschende Platzierungen heraussprangen, soll es diesmal das Halbfinale sein. Mit seinen gefährlichen und ansatzlosen Schlagwürfen sowie seiner Übersicht soll Palmarsson, der inzwischen für das ungarische Topteam MKB Veszprem spielt, dafür sorgen, dass in der starken Vorrundengruppe B nicht nur Weißrussland und Norwegen, sondern auch die Kroaten geschlagen werden. An Palmarsson lag es allerdings sowieso nie, dass es im entscheidenden Moment nicht ganz gereicht hat. Vor allem seine Mitspieler sind bis auf Linksaußen Gudjon Valur Sigurdsson (auch ein Ex-Kieler) in ihren Leistungen nicht konstant genug gewesen.

Auch wenn die Norweger nicht zu den Favoriten zählen, ist das Team nicht zu unterschätzen und hat neben dem bestens bekannten Kreisläufer Bjarte Myrhol in Sander Sagosen eines der absoluten Toptalente im Welthandball in seinen Reihen. Der 20-Jährige spielt auf der Mitteposition beim dänischen Spitzenverein Aalborg Handbold und ist bereits jetzt der Hoffnungsträger seiner Nation, die die WM 2015 verpasste und auch bei der letzten Europameisterschaft schon in der Vorrunde scheiterte. Ob der Druck, der auf Sagosen lastet, möglicherweise zu groß ist? Sein aktueller Vereinstrainer Jesper Jensen hält den Youngster für geerdet genug: „Sander hat auch die menschlichen Qualitäten, die es braucht, um erfolgreich zu sein. Er kann damit umgehen. Er ist bereits sehr gut in der Abwehr, kann durchbrechen und die anderen Rückraumspieler bedienen, oder auch selbst schießen." Lediglich körperlich muss sich der gebürtige Trondheimer noch entwickeln, um vor allem in der Abwehr auch auf Spitzenniveau ein Faktor zu sein.

Es gibt auf Welt-Niveau einige sehr gute Kreisläufer. Es gibt auch einige sehr, sehr gute Kreisläufer, die fast jeden Ball fangen und nur noch in Ausnahmefällen zu stoppen sind. Und es gibt ein paar wenige Kreisläufer wie Julen Aguinagalde, die man, sobald sie in Ballbesitz sind, ausschließlich durch ein Foul stoppen kann. Beim polnischen Spitzenklub KS Kielce aktiv, ist der 1,95m große und knapp 115 Kilogramm schwere Spanier auch mit 33 Jahren immer noch eine der größten Waffen, die sein Nationalteam zu bieten hat. Selbst wenn es einer gegnerischen Deckung einmal gelingt, ihn abzuschirmen und zu verhindern, dass er an den Ball kommt, benötigt es dafür mindestens zwei Abwehrspieler, sodass der Platz für die Rückraumspieler deutlich größer wird. Im Rückraum spielt bei den Spaniern mit Raul Entrerrios oder Joan Canellas dann auch keine Laufkundschaft, sodass Aguinagalde allein durch seinen Ruf und seine körperliche Präsenz seine Gegner schon vor extrem schwierige Aufgaben stellt. Die Spieler im Abwehrzentrum der DHB-Auswahl dürfen sich also für das Auftaktspiel in Gruppe C schon mal überlegen, wie sie diesen Koloss stoppen wollen.

Auch der zweite Gruppengegner der DHB-Auswahl hat einen Spieler in seinen Reihen, der mit zunehmendem Alter eher besser zu werden scheint: Torhüter Mattias Andersson. Der inzwischen 37 Jahre alte Keeper der SG Flensburg-Handewitt hat auf Vereinsebene mit den Flensburgern und zuvor dem THW Kiel so ziemlich jeden Titel geholt, den es zu gewinnen gibt. Mit den Schweden wurde er 2000 Europameister, seither wartet das Drei-Kronen-Land auf einen internationalen Titel. Für Andersson könnte das Turnier eine der letzten Gelegenheiten sein, noch einmal mit dem Nationalteam eine Trophäe zu gewinnen. Dementsprechend motiviert wird der Keeper sein. Andersson gilt als akribischer Arbeiter, der das Wurfbild jedes bevorstehenden Gegenspielers genau studiert und daher auch fast immer die richtige Ecke erahnt. Problematisch für das DHB-Team, das ansonsten wohl etwas besser besetzt sein sollte als die Schweden: Selbst bei einem der seltenen schlechten Tage Anderssons warten dahinter in Mikael Appelgren (Rhein-Neckar Löwen) und Johan Sjöstrand (MT Melsungen) zwei weitere Keeper der Extraklasse.

Beim dritten Gruppengegner Slowenien lauert die Gefahr vor allem auf Rechtsaußen und vom Siebenmeterpunkt. Denn von diesen beiden Positionen verwandelt Dragan Gajic seit vielen Jahren mit traumwandlerischer Sicherheit seine Würfe. Der Torschützenkönig der WM 2015 spielt für Montpellier HB in Frankreich und ist seit Jahren eine Institution im slowenischen Handball. Weit über 600 Tore hat der 31-Jährige für sein Land erzielt und wies beim Turnier 2015, als die Slowenen im Spiel um Platz 7 knapp der DHB-Auswahl unterlagen, eine überragende Wurfquote von über 76 Prozent auf. Ihm gilt es, nicht zu viel Platz zu geben und möglichst wenige Strafwürfe zuzulassen, denn von dort ist Gajic, auch wenn der deutsche Keeper Carsten Lichtlein ein echter „Siebenmeterkiller“ ist, beinahe fehlerlos.

Bei Europameisterschaften mischen die Dänen im Titelrennen immer munter mit: Die Silbermedaille 2014, der Europameistertitel 2012 und 2008 und dazwischen der etwas enttäuschende fünfte Platz 2010. Dass die Dänen auch in diesem Jahr mit Frankreich und Spanien zu den Topfavoriten gehören, liegt an vielen Spielern. Torhüter Niklas Landin, Lasse Svan und Linksaußen Anders Eggert sind einige davon, doch der wohl schillerndste und wichtigste ist Rückraumspieler Mikkel Hansen. Der Wurf des 28-Jährigen ist so hart und präzise wie kaum ein anderer in der Handballwelt - auch direkt ausgeführte Freiwürfe nach abgelaufener Spielzeit gehören zu seinem großen Repertoire im Abschluss. Den Welthandballer von 2011 aber auf seinen Wurf und seine Athletik zu reduzieren, wäre falsch: Bei der WM 2015 gab kein eingesetzter Feldspieler mehr Vorlagen als Hansen, der seit 2012 beim französischen Topverein Paris Saint-Germain aktiv ist. Das Gesamtpaket Mikkel Hansen dürfte auch diesmal der wichtigste Trumpf der Dänen sein.

Talant Dujshebaev war schon als Spieler ein herausragender Taktiker und Torschütze, zog bei BM Ciudad Real sowie bei der GWD Minden die Fäden und wurde zweimal zum Welthandballer gewählt. Inzwischen ist der 47-Jährige Trainer. Mit Ciudad Real gewann er die Champions League und die Meisterschaft, und auch bei seinem aktuellen Verein KS Kielce läuft es rund: Seit seinem Amtsantritt 2014 gelang gleich zweimal das Double aus Pokalsieg und Meisterschaft. Seit dem Oktober 2010 ist der menschlich nicht unumstrittene und mehrfach gesperrte Dujshebaev auch Ungarns Nationaltrainer. Bei seinem ersten großen Turnier mit der Mannschaft, die sich als eine der ersten für die EM qualifizieren konnte, sind die Erwartungen an ihn und das Team um Superstar Laszlo Nagy hoch. Die Magyaren wollen für eine Überraschung sorgen und die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio schaffen. Dafür muss die Mannschaft voraussichtlich zu den besten beiden Teams gehören, die sich noch nicht für die Spiele qualifiziert haben - also erwartungsgemäß mindestens Fünfter werden. Eine Platzierung, die die beste in der Geschichte der Ungarn bei Europameisterschaften wäre. Kleine Brötchen backt ein Talant Dujshebaev aber ohnehin nicht.

Stand: 14.01.2016, 08:30 Uhr

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