Spanien zu stark für die deutschen Handballer

Christian Dissinger wird von zwei Spaniern gestoppt

29:32-Niederlage zum EM-Auftakt

Spanien zu stark für die deutschen Handballer

Aufgrund einer Schwächephase in der ersten Halbzeit haben die deutschen Handballer zum EM-Auftakt gegen den Favoriten aus Spanien eine mögliche Überraschung verpasst.

Die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson unterlag dem Weltmeister von 2013 am Samstag (16.01.2016) in Breslau trotz einer über weite Strecken guten Leistung mit 29:32 und muss um den Einzug in die Hauptrunde bangen. Bester Werfer in einer tapfer kämpfenden Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) war Christian Dissinger mit sechs Toren.

Niederlagen zum EM-Start haben für deutsche Handballer fast schon Tradition. Der einzige Auftaktsieg in der Geschichte von Europameisterschaften gelang 2008 gegen Weißrussland. Durch die Niederlage in Breslau steht der ersatzgeschwächte WM-Siebte in den weiteren Gruppenspielen am Montag (20.30 Uhr) gegen Rekord-Europameister Schweden und am Mittwoch (17.15 Uhr) gegen Slowenien unter Druck. Die ersten drei Teams der ausgeglichenen Gruppe C qualifizieren sich für die Hauptrunde.

Starke Anfangsphase des DHB-Teams

Die unerfahrene deutsche Mannschaft begann mit ihren 14 EM-Debütanten vor 5.000 Zuschauern ohne Nervosität. Die von Sigurdsson geforderten schnellen Abschlüsse, bevor sich die spanische Deckung formiert hat, setzte die DHB-Auswahl in der Anfangsphase perfekt um. Der Lohn war eine 6:4-Führung nach sechs Minuten, auf die der spanische Trainer Manuel Cadenas mit einer frühen Auszeit reagierte.

Danach kam der Favorit besser ins Spiel, bei der deutschen "Rasselbande" schlichen sich nach dem 9:7 (12.) immer mehr Fehler ein. Riskante Anspiele an den Kreis führten immer wieder zu Ballverlusten, die von den Iberern mit ihrem perfekten Gegenstoßspiel gnadenlos bestraft wurden.

Turbulente Szenen vor der Pause

Sigurdsson nahm nach dem 10:13 (17.) eine Auszeit und wechselte seine Torhüter. Andreas Wolff ersetzte Routinier Carsten Lichtlein, den letzten verbliebenen Weltmeister von 2007. Der Wetzlarer Wolff bekam zunächst aber ebenso wie Lichtlein kaum einen Ball zu fassen, zudem offenbarte die deutsche Abwehr große Abstimmungsprobleme. Beim 11:18 (23.) sah es nach einem Debakel aus.

In einer hektischen Schlussphase der ersten Halbzeit kämpfte sich die DHB-Auswahl mit vier Toren in Folge zurück - das blieb bei den Spaniern nicht ohne Wirkung. Jorge Maqueda warf bei der letzten Aktion des ersten Durchgangs Kapitän Steffen Weinhold den Ball bei einem Freiwurf aus kurzer Distanz mitten ins Gesicht und sah von den französischen Schiedsrichtern die Rote Karte. Eine Rudelbildung auf dem Feld war die Folge.

Wolff mit starken Paraden - Spanien routiniert

In der Pause beruhigten sich die Gemüter wieder, nach der Roten Karte und weiteren Zeitstrafen gegen Ende der ersten Halbzeit agierte die DHB-Auswahl zu Beginn des zweiten Durchgangs für kurze Zeit in dreifacher Überzahl - doch dem zweimaligen Weltmeister Spanien gelang das erste Tor zum 15:19 (32.). Doch das DHB-Team war, lautstark unterstützt von den deutschen Fans, nun wieder in der Partie, Torhüter Wolff steigerte sich von Minute zu Minute und zeigte starke Paraden.

Auf der anderen Seite wurde aber auch Spaniens Weltklassetorhüter Arpad Sterbik besser, so schaffte es der Außenseiter nicht, den Rückstand entscheidend zu verkürzen. Spanien spielte seine Routine aus und gewann.

Sigurdsson sauer auf Schiedsrichter: "Spanien-Bonus"

"Ich ärgere mich über die Niederlage", sagte Bundestrainer Sigurdsson. "Wir hätten vielleicht etwas holen können, aber es war nicht unser Tag. Wir haben gut gekämpft, gut gespielt. Es fehlten Kleinigkeiten." Dazu zählte der Isländer auch die Schiedsrichter, die dem deutschen Team seiner Meinung nach den Rest gaben: "Wenn man sieht wie Entscheidungen oder Nicht-Entscheidungen getroffen wurden, dann muss man sagen, dass Spanien einen kleinen Bonus hatte."

Auch der verletzte Kapitän Uwe Gensheimer, zur Unterstützung mit nach Breslau gereist, ärgerte sich, dass sich das Team nicht für seinen couragierte Auftritt belohnte : "Wir waren nahe dran, einen haushohen Favoriten auf den EM-Titel zu schlagen. Wir haben die Leistung leider nicht konstant über 60 Minuten abgerufen."

Statistik

Handball · Europameisterschaft · Vorrunde Gruppe C

Samstag, 16.01.2016 | 18.30 Uhr

Spanien

Sterbik Capar, Perez De Vargas Moreno – Dujshebaev Dobichevaeva, Garcia Robledo (1), Morros de Argila (1), Canellas Reixach (3), Del Arco Perez (3), Mindegia Elizaga, Gurbindo Martinez (2), Maqueda Peno (3), R. Entrerrios Rodriguez (1) – Rivera Folch (7/3), Ugalde Garcia (1), Tomas Gonzalez (6) – Guardiola Villaplana (3), Aguinagalde Akizu (1)

32

Deutschland

Wolff, Lichtlein – Weinhold (3), Dissinger (6), Fäth (4), Lemke (1), Ernst, M. Strobel, Wiede (1), Pieczkowski (2) – Dahmke (1), Reichmann (5/3), Sellin – E. Schmidt (4), Kohlbacher, Pekeler (2)

29

Fakten und Zahlen zum Spiel

SpanienDeutschland
Siebenmeter5 Würfe, 3 Treffer3 Würfe, 3 Treffer
Strafminuten12 Min.14 Min.

Zuschauer:

  • 6500

Schiedsrichter:

  • Pichon/Reveret (Frankreich/Frankreich)

red/dpa/sid | Stand: 16.01.2016, 22:45

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