Wolff hält deutschen Sieg gegen Schweden fest

Andreas Wolff

Handball-EM in Polen

Wolff hält deutschen Sieg gegen Schweden fest

Stresstest bestanden, den Rekord-Europameister niedergekämpft: Die deutschen Handballer haben bei der EM in Polen nach einem Krimi Kurs auf die Hauptrunde genommen.

Die junge Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson bezwang in ihrem zweiten Gruppenspiel Schweden in Breslau dank eines überragenden Torhüters Andreas Wolff mit 27:26 (13:17) und hielt dem Druck nach der Auftaktniederlage gegen Spanien (29:32) stand.

Wolff, der das Spiel erneut von der Bank aus begonnen hatte, war hinterher zufrieden: "Was man in solchen Spielen braucht, sind Emotionen. Ich habe versucht, Signale von hinten zu senden, das ist mir auch gelungen. In der zweiten Halbzeit waren wir viel aggressiver. Die Freude ist jetzt riesengroß."Am Mittwoch (20.01.16) genügt gegen den WM-Achten Slowenien schon ein Punkt, um die zweite Turnierphase zu erreichen. Bester Werfer der mit 14 EM-Debütanten angetretenen Auswahl des Deutschen Handballbundes war Rechtsaußen Tobias Reichmann mit neun Toren.

"Den Druck gespürt"

"Das war ein heißes Spiel. Wir wussten, dass es bis zur letzten Sekunde eng wird. So ist es auch gekommen, wir haben den Druck gespürt", sagte Sigurdsson in der ARD. Und er gab zu: "Meine Co-Trainer haben in der Halbzeit gesagt, dass wir offensiver spielen sollen. Das hat uns viel gebracht." Schon bei Spielbeginn hatte Sigurdsson seine gegen die Spanier nicht überzeugende Abwehrformation geändert. Der Isländer ließ statt einer 6:0- zunächst eine 5:1-Deckung spielen. Die taktische Maßnahme zahlte sich vor 6.000 Zuschauern allerdings überhaupt nicht aus.

Die deutsche Abwehr hatte erneut große Probleme und bekam besonders Johan Jakobsson von der SG Flensburg-Handewitt in der ersten Hälfte überhaupt nicht in den Griff. Torhüter Carsten Lichtlein war ebenfalls kein Faktor, im Angriff agierte die DHB-Auswahl zudem viel zu hektisch und lud die abwehrstarken Schweden durch Fehlwürfe und technische Fehler immer wieder zu Tempogegenstößen ein. Nach dem 6:9 (11. Minute) reagierte Sigurdsson.

Wichtiger Wechsel im Tor

Der Bundestrainer brachte Wolff für Lichtlein und stellte wieder auf eine 6:0-Abwehr um. Kurzzeitig wurde das deutsche Spiel gegen die mit acht Bundesliga-Legionären angetretenen Schweden besser. Steffen Fäth glich mit seinem ersten Tor zum 10:10 (18.) aus, doch ein Wechselfehler und unnötige Zeitstrafen warfen die unerfahrene deutsche Mannschaft wieder zurück (10:14/23.). "Wir brauchen mehr Ruhe", forderte Sigurdsson in einer Auszeit. Der Flensburger Mattias Andersson wurde im Tor der Schweden von Minute zu Minute aber immer stärker. Der erste verworfene Siebenmeter von Reichmann in der letzten Aktion der ersten Halbzeit passte ins Bild.

"Es sind viele Sachen, an denen wir arbeiten müssen", sagte Roggisch in der Halbzeitpause. Und das ersatzgeschwächte deutsche Team kam wie verwandelt aus der Kabine. Die Abwehr agierte nun deutlich aggressiver, im Angriff wurden die Fehler minimiert und die Chancen besser verwertet. Torhüter Wolff trieb die Schweden zudem zur Verzweiflung. Reichmann gelang nach längerer Zeit mal wieder der Ausgleich (18:18/36.).

Weinholds großer Auftritt

Es folgte der große Auftritt von Steffen Weinhold. Der Kapitän sorgte mit zwei Treffern für die erste Führung der DHB-Auswahl. Nach dem 23:20 in Unterzahl durch Jannik Kohlbacher ließ Sigurdsson an der Seitenlinie seinen Gefühlen freien Lauf und brüllte seine Freude lautstark heraus. Doch das Wechselbad der Gefühle ging weiter. Nach einer 26:22-Führung (48.) ließen die Deutschen Schweden wieder bis auf ein Tor herankommen (27:26/56.). Doch Wolff hielt den Sieg in einer hektischen Schlussphase fest, und als der zu Kiel wechselnde Lukas Nilsson Sekunden vor Schluss den letzten Wurf über das deutsche Tor jagte, war der Jubel riesig.

Statistik

Handball · Europameisterschaft · Vorrunde Gruppe C

Montag, 18.01.2016 | 20.30 Uhr

Deutschland

Wolff, Lichtlein – Weinhold (5), Dissinger (1), Fäth (3), Lemke (1), Ernst, M. Strobel, Wiede (2), Pieczkowski – Dahmke (4), Reichmann (9/5), Sellin – E. Schmidt, Kohlbacher (1), Pekeler (1)

27

Schweden

Appelgren, M. Andersson – J. Jakobsson (8), Östlund (2), Stenmalm, Konradsson (1), M. Olsson, Cederholm, L. Nilsson (5) – Petersen (1/1), Ekberg (4), Zachrisson, Källman (2) – T. Karlsson, Nielsen, A. Nilsson (3)

26

Fakten und Zahlen zum Spiel

DeutschlandSchweden
Siebenmeter6 Würfe, 5 Treffer2 Würfe, 1 Treffer
Strafminuten12 Min.6 Min.

Zuschauer:

  • 6500

Schiedsrichter:

  • Gubica/Milosevic (Kroatien/Kroatien)

red/dpa/sid | Stand: 18.01.2016, 23:52

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