Deutschland sensationell im EM-Halbfinale

Deutsche Handballer nach der Schlusssirene

Handball-EM in Polen

Deutschland sensationell im EM-Halbfinale

Handballer im Höhenrausch, die Underdogs blasen zum Gipfelsturm: Die stark ersatzgeschwächte Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson ist bei der EM in Polen nach einer leidenschaftlichen Vorstellung sensationell ins Halbfinale eingezogen.

Das jüngste aller EM-Teams bezwang den zweimaligen Europameister Dänemark zum Abschluss der Hauptrunde nach großem Kampf mit 25:23 (12:13) und spielt am Freitag (29.01.16, 18.30 Uhr) gegen Norwegen um den ersten Finaleinzug bei einem Großereignis seit 2007. Bester Werfer beim fünften Sieg der Auswahl des Deutschen Handballbundes in Folge war Steffen Fäth mit sechs Toren.

"Wir haben unser Ding durchgezogen", erklärte Sigurdsson nach der Partie, "ich hatte manchmal Bedenken, dass wir alle taktischen Herausforderungen meistern und nicht irgendwann zu viel im Kopf haben. Aber die Jungs haben das überragend gelöst und immer dran geglaubt." Tobias Reichmann jubelte: "Wir können jetzt ohne jeden Druck aufspielen. Die neuen Jungs sind super reingekommen, wir haben eine unglaubliche Stärke in der Breite."

Einziger EM-Titel: 2004

Die mit insgesamt 16 EM-Debütanten angetretene deutsche Mannschaft träumt nach dem ersten Einzug in ein EM-Halbfinale seit acht Jahren sogar vom ganz großen Wurf. Den einzigen EM-Titel hatte es 2004 unter Coach Heiner Brand gegeben.

Nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Kapitän Steffen Weinhold und Christian Dissinger musste Sigurdsson auf insgesamt sechs Stammspieler verzichten. Nach anfänglichen Problemen und einem 2:4-Rückstand kam die DHB-Auswahl aber von Minute zu Minute besser ins Spiel. Die Deckung um Abwehrchef Finn Lemke stellte sich dem dänischen Angriff mit Superstar Mikkel Hansen entschlossen entgegen und variierte immer wieder zwischen einer 6:0- und einer offensiven 4:2-Variante. Der deutsche Angriff legte die anfängliche Nervosität schnell ab und kam durch Kreisläufer Erik Schmidt zum Ausgleich (5:5/12.).

Weinhold und Dissinger jubeln mit

Die hinter der Ersatzbank sitzenden Weinhold und Dissinger sprangen in ihren Deutschland-Trikots auf und jubelten lautstark. Nach der ersten Führung beim 6:5 (13.) nach einem Tempogegenstoß von Youngster Rune Dahmke machten sich auch die zahlreichen deutschen Fans bemerkbar. "Jetzt geht's los", hallte es durch die ausverkaufte Jahrhunderthalle. Durch Hansen und den Magdeburger Michael Damgaard hielten die mit neun Bundesliga-Legionären angetretenen Dänen dagegen, doch dem Sigurdsson-Team war das große Selbstvertrauen und der absolute Siegeswille anzumerken.

Als Kai Häfner, der ebenso wie Julius Kühn kurzfristig nachnominiert worden war, zum 10:8 (22.) traf, hielt es auch DHB-Präsident Andreas Michelmann nicht mehr auf seinem Sitz. Mit vier Toren in Folge schlugen die Dänen zurück, aber der überragende Fäth hielt die deutsche Auswahl im Spiel. Mit seinem fünften Treffer beim fünften Wurfversuch stellte der Wetzlarer den 12:13-Halbzeitstand her.

Echte Abwehrschlacht

"Die Jungs machen es bisher sehr gut. Jetzt müssen wir noch etwas aggressiver werden, dann klappt es auch", sagte Torhüter Carsten Lichtlein nach den ersten 30 Minuten in der ARD. Mit zwei schnellen Toren zur Führung untermauerte Tobias Reichmann die Worte Lichtleins. Die Partie blieb ausgeglichen, die Spannung steigerte sich minütlich. Es entwickelte sich eine echte Abwehrschlacht, beide Teams mussten für ihre Tore hart kämpfen, da auch die Torhüter Andreas Wolff und Niklas Landin bei den Dänen immer besser ins Spiel kamen.

In einer dramatischen Schlussphase lag die DHB-Auswahl zunächst mit 21:23 zurück (53.). Doch das deutsche Team gab nicht auf und kam durch Martin Strobel wieder zum Ausgleich (23:23/57.). Reichmann sorgte per Siebenmeter 2:37 Minuten vor dem Ende für die Führung, Anders Eggert von der SG Flensburg-Handewitt scheiterte im Gegenzug am Innenpfosten des deutschen Tores. Fabian Wiede sorgte mit dem 25:23 eine Minute vor dem Ende für die Entscheidung.

Statistik

Handball · Europameisterschaft · Hauptrunde Gruppe 2

Mittwoch, 27.01.2016 | 18.15 Uhr

Deutschland

Wolff, Lichtlein – Häfner (3), Fäth (6), Kühn (1), Lemke, Ernst, M. Strobel (1), Wiede (5), Pieczkowski (1) – Dahmke (2), Reichmann (4/3), Sellin – E. Schmidt (1), Kohlbacher (1), Pekeler

25

Dänemark

Möller, Landin Jacobsen – M. Christiansen (1), Damgaard Nielsen (3), M. Hansen (7), Möllgaard Jensen, Larsen (2), Balling Christensen, Lauge Schmidt – Eggert Magnussen (6/3), C. U. Mortensen, Lindberg (2), Svan Hansen (2) – H. Toft Hansen, Lynggaard, Nöddesbo

23

Fakten und Zahlen zum Spiel

DeutschlandDänemark
Siebenmeter3 Würfe, 3 Treffer3 Würfe, 3 Treffer
Strafminuten8 Min.8 Min.

Zuschauer:

  • 6500

Schiedsrichter:

  • Horacek/Novotny (Tschechien/Tschechien)

sid,dpa,red | Stand: 27.01.2016, 22:09

Darstellung: