Deutsche Handballer bejubeln den EM-Titel

Deutschland jubelt als Europameister

Endspiel der Handball-EM

Deutsche Handballer bejubeln den EM-Titel

Die deutschen Handballer haben gegen Spanien das Wintermärchen 2016 perfekt gemacht und sind Europameister geworden. Sieben Tore Vorsprung waren es am Ende gegen den Favoriten - das Olympia-Ticket ist gelöst.

Deutschlands Handballer haben ihren sensationellen Auftritt bei der EM mit Gold gekrönt. Dank eines schier unüberwindbaren Torwarts Andreas Wolff sowie einer grandiosen kämpferischen und taktischen Leistung setzte sich die junge Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson mit 24:17 (10:6) gegen den zweimaligen Weltmeister Spanien durch.

Es ist der größte Erfolg für den Deutschen Handball-Bund seit dem WM-Titel 2007. Mit der Goldmedaille um den Hals und dem Direktticket für die Olympischen Spiele in Rio in der Tasche darf sich die DHB-Auswahl am Montag (01.02.2016) bei der Party in Berlin feiern lassen.

Gauck gratuliert

Einer der ersten Gratulanten war Bundespräsident Joachim Gauck: "Zum Gewinn der Europameisterschaft gratuliere ich Ihnen ganz herzlich. Als jüngstes Team des Turniers haben Sie Hervorragendes geleistet. Mit Ihnen freut sich ganz Deutschland über diesen beeindruckenden Erfolg", hieß es in einem Glückwunschschreiben an das Team und Bundestrainer Dagur Sigurdsson.

Er habe die meisten Spiele der deutschen Mannschaft verfolgt und "war begeistert von dem Mannschaftsgeist, der Sie zum Erfolg geführt hat. Sie können mit Recht stolz auf diese großartige Leistung sein." Gauck forderte die Handballer auf: "Feiern Sie diesen Sieg!"

"Überragendes Gefühl"

Dieser Wunsch wird der deutschen Mannschaft Befehl sein - das zeigte sich schon unmittelbar nach der Schlusssirene auf dem Parkett und in der Kabine.

Sigurdsson, der Architekt dieser Mannschaft, kommentierte für seine Verhältnisse fast schon überschwänglich: "Das ist ein überragendes Gefühl. Das war eine großartige Leistung der gesamten Mannschaft. Wir haben ein tolles Team. Das müssen wir jetzt einfach genießen."

Kein Gegentreffer nach sechs Minuten

In der Arena von Krakau herrschte von Beginn an Heimspiel-Atmosphäre. Als das deutsche Team den ersten Angriffsversuch der Spanier, die im ersten EM-Duell in Polen Deutschland noch 32:29 besiegt hatten, erfolgreich blockte und den Ball eroberte, brandete tosender Applaus unter den 15.000 Zuschauern aus. Erst recht beim 1:0 durch Linksaußen Rune Dahmke.

Worauf es ankam, um zum zweiten Mal nach 2004 den EM-Titel nach Deutschland zu holen, war klar. "Wir müssen eine sehr starke Abwehr haben", betonte Sigurdsson unmittelbar vor dem Anpfiff. Und seine Jungs, formiert in einer 6:0-Deckung, setzten das brillant um, erlaubten den Spaniern in den ersten sechs Minuten der Partie nicht mal einen einzigen Treffer. Erst per Siebenmeter überwanden die Iberer erstmals den überragenden Wolff.

"Andy-Wolff"-Sprechchöre

Die deutsche Mannschaft jubelt

Das Ding ist durch - die deutsche Mannschaft jubelt schon kurz vor dem Ende.

Unbeeindruckt setzte die deutsche Mannschaft auch Sigurdssons zweite Forderung um: Schnell Umschalten. Die Folge: eine 4:1-Führung in der neunten Minuten nach dem dritten Tor von Joker Kai Häfner. Der Nachrücker hatte schon den entscheidenden Treffer im Halbfinale zum 34:33 nach Verlängerung gegen Norwegen erzielt. Die Treffer zeigten Wirkung bei den Spaniern. Die Blicke wurden schon etwas verzweifelt. Egal, was sie versuchten, letztlich kamen sie entweder am deutschen Abwehrblock oder am grandios aufgelegten Torwart nicht vorbei.

Von den Rängen hallten bereits "Andy-Wolff"-Sprechchöre. Und der 24 Jahre alte Keeper von der HSG Wetzlar zeigte weiter, warum er wie Rechtsaußen Tobias Reichmann ins EM-Allstar-Team gewählt wurde. Nach gut elf Minuten gelang den Spaniern erst das erste Feldtor. Mickrige sechs Treffer ließen Wolff und seine Vorderleute den Spaniern bis zur Pause zu.

Deutsche Mauer

In einem EM-Finale gab es das aber noch nie. "Da steht eine deutsche Mauer", meinte Ex-Handballstar und TV-Experte Stefan Kretzschmar bei der ARD. Und sie bröckelte auch nach der Pause nicht. Wolff schraubte seine Paradenbilanz zwischenzeitig auf unfassbare 56 Prozent hoch. Selbst der zweite verworfene Siebenmeter von Reichmann kurz nach der Pause war zu verschmerzen. Denn auch die Spanier trafen nicht aus sieben Metern, Wolff schien sie regelrecht zermürbt zu haben: 15 Minuten vor Ende der Partie führte Deutschland mit sieben Toren (16:9). Auf den Rängen fieberten auch die verletzten Leistungsträger Steffen Weinhold, Kapitän des Teams, und Christian Dissinger mit. Doch selbst wenn die Spanier ihrerseits, meist durch Siebenmeter mal trafen: Die von Sigurdsson perfekt eingestellt Deutschen hatten stets die richtig Antwort.

Wie im Rausch

So wie Deutschlands erfolgreichster Werfer, Kai Häfner, als er mit seinem siebten Treffer wieder eine Sieben-Tore-Führung herstellte. Wie im Rausch setzten sie die Demütigung der hilflosen Spanier fort. Die Spieler hüpften schon vor dem Apfiff an der Seitenlinie, auf den Tribünen sangen sie: "Oh, wie ist das schön."

Statistik

Handball · Europameisterschaft · Finale

Sonntag, 31.01.2016 | 17.30 Uhr

Deutschland

Wolff, Lichtlein – Häfner (7), Fäth (3), Kühn (1), Lemke, Ernst, M. Strobel (1), Wiede, Pieczkowski – Dahmke (4), Reichmann (3), Sellin (1/1) – E. Schmidt (1), Kohlbacher (1), Pekeler (2)

24

Spanien

Sterbik Capar, Perez De Vargas Moreno – Gurbindo Martinez, Garcia Robledo (2), Morros de Argila, Canellas Reixach (1), Del Arco Perez, Dujshebaev Dobichevaeva (3), Maqueda Peno, R. Entrerrios Rodriguez (5) – Rivera Folch (1/1), Ugalde Garcia (1), Tomas Gonzalez (4/3) – Guardiola Villaplana, Aguinagalde Akizu, Baena Gonzalez

17

Fakten und Zahlen zum Spiel

DeutschlandSpanien
Siebenmeter3 Würfe, 1 Treffer6 Würfe, 4 Treffer
Strafminuten16 Min.8 Min.

Zuschauer:

  • 15000

Schiedsrichter:

  • Gjeding/Hansen (Dänemark/Dänemark)

Stand: 31.01.2016, 20:04

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