Der gefährliche Volltreffer gegen Weinhold

Jorge Maqueda trifft Steffen Weinhold

Platzverweis im Spiel Spanien - Deutschland

Der gefährliche Volltreffer gegen Weinhold

Von Volker Schulte (Breslau)

Das tat schon weh beim Zuschauen: Deutschlands Steffen Weinhold bekam einen Freiwurf voll ins Gesicht, der Spanier Jorge Maqueda sah dafür Rot. Eine korrekte, mutige Entscheidung, sagt ARD-Kommentator Florian Naß. Ein Erklärstück.

War das etwa Absicht? Wollte Jorge Maqueda beim 32:29-Sieg seiner Spanier gegen Deutschland am Samstag (16.01.16) Steffen Weinhold treffen? Immerhin können Profihandballer von Maquedas Klasse enorm präzise werfen.

Das Regelwerk sagt dazu Folgendes: Eine Disqualifikation ist zu ahnden, "wenn der Werfer eines Freiwurfs den Abwehrspieler am Kopf trifft und dieser nicht seinen Kopf Richtung Ball bewegt". Das hat Deutschlands Kapitän Weinhold nicht getan, er stand still in der Mauer. Die französischen Schiedsrichter Stevann Pichon und Laurent Reveret schickten Maqueda also mit Rot vom Feld. Ganz so folgenreich wie beispielsweise im Fußball ist die Strafe allerdings nicht. Spanien musste nur zwei Minuten in Unterzahl spielen und Maqueda erhält keine Sperre.

"Billigend in Kauf genommen"

Florian Naß, der für die ARD die EM-Spiele der deutschen Mannschaft kommentiert, lobt die Schiedsrichter für diese Entscheidung. "Solchen Mut vermisse ich oft, wenn Torhüter getroffen werden." Dann ist die Situation aber meist auch schwieriger zu bewerten, denn Torhüter bewegen sich üblicherweise bei ihren Paraden - und dann ist dem Werfer bei einem Kopftreffer nichts vorzuwerfen.

Und Maqueda? Naß hält sich mit Vorwürfen zurück. "Ich würde sagen, es war keine Absicht. Aber er hat den Kopftreffer billigend in Kauf genommen. Ich vermute, dass er Weinhold, einem der kleinsten Spieler in der Mauer, durch die Arme schießen wollte."

Stück Zahn verloren

Weinhold bekam das geschätzt 100 km/h schnelle Geschoss auf die rechte Gesichtshälfte, knapp unter dem Auge. "Richtig gefährlich wird so etwas, wenn ein Spieler unvorbereitet getroffen wird", sagt Naß. Aber in einer Mauer bauten die Spieler eine schützende Körperspannung auf. So konnte Weinhold nach einer kurzen Behandlung weiterspielen. Ganz unbeschadet kam er allerdings nicht davon. Am Sonntag verriet er, dass er ein Stück Zahn verloren hat, Teamarzt Kurt Steuer sprach gegenüber der ARD zudem von einer leichten Gehirnerschütterung. Gegen Schweden werde Weinhold am Montag (ab 20.15 Uhr live im Ersten) trotzdem auflaufen.

Weinhold selbst nahm den Vorfall nach dem Spiel gelassen. "Ich denke, er hat es nicht absichtlich gemacht. Er hat sich nach dem Spiel auch entschuldigt und damit ist die Sache dann auch gegessen."

Stand: 17.01.2016, 15:45

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