Teamarzt sieht überlastete Handballer

Kurt Steuer

Nach Verletzungswelle im deutschen Team

Teamarzt sieht überlastete Handballer

Teamarzt Kurt Steuer hat angesichts der Verletztenmisere bei den deutschen Handballern Alarm geschlagen und die Überlastung der Spieler scharf kritisiert.

"Die Spieler, die Bundesliga, Champions League und Nationalmannschaft spielen und in diesem Jahr zusätzlich mit EM, Olympia-Qualifikation, WM-Quali und vielleicht Olympia mehrere große Aufgaben zu bewältigen haben, sind überspielt, massiv überlastet", sagte Steuer den Kieler Nachrichten: "Dann passieren solche Schäden."

Verletzungen waren "kalkulierbar"

Nach dem Spiel gegen Russland hatten sich Kapitän Steffen Weinhold (Muskelbündelriss im Oberschenkel) und Torjäger Christian Dissinger (Adduktorenverletzung) abgemeldet - insgesamt die Stammkräfte Nummer fünf und sechs. Schon vor der EM hatten Uwe Gensheimer (Achillessehnenreizung), Patrick Groetzki (Wadenbeinbruch), Patrick Wiencek (Kreuzbandriss) und Paul Drux (Schulter) abgesagt. "Die Namen sind sicher nur Variablen - aber der Kreuzbandriss von Wiencek oder auch die Verletzungen von Gensheimer oder Groetzki waren im Prinzip kalkulierbar", sagte Steuer, Chefarzt des Johanniter-Krankenhauses in Bonn. Man habe die "Überlastung der Spieler aus den Spitzenvereinen ganz deutlich gesehen", als die Akteure vor dem Turnier zur Nationalmannschaft angereist waren.

Großes Lob für Sigurdsson

Ein ausdrückliches Lob bekam Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Aus seiner Erfahrung in der Bundesliga wisse er genau, wie wichtig Regeneration ist. "Ich habe so etwas in über 20 Jahren als Teamarzt noch nicht erlebt: Dagur verlangt, dass seine Spieler pro Tag - sei es beim Training oder im Spiel - zwei Stunden lang 100 Prozent Leistung bringen", sagte Steuer: "22 Stunden lang bekommen sie jedoch Zeit, sich zu erholen. Sie schlafen, lenken sich ab, die Physiotherapeuten und Ärzte können intensiv an den Wehwehchen arbeiten, die Spieler gesund halten - ein Meilenstein."

Stand: 26.01.2016, 11:08

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