Russland vor Augen, Halbfinale im Sinn

Dagur Sigurdsson

Die deutschen Handballer begeistern bei der EM

Russland vor Augen, Halbfinale im Sinn

Die deutschen Handballer rocken weiter die EM. Nach ihrer besten Turnierleistung gegen Ungarn nimmt der Traum vom Halbfinale Konturen an. Für Bundestrainer Dagur Sigurdsson ist das Spiel gegen Russland ein "Endspiel".

Die Abwehrkanten Finn Lemke und Hendrik Pekeler zockten eine Runde Siedler von Catan, Bundestrainer Dagur Sigurdsson studierte stundenlang den nächsten Gegner: Die deutschen Handballer hatten ihren imposanten 29:19-Kantersieg gegen Ungarn schnell abgehakt und nahmen auf dem Weg ins Halbfinale das nächste Ziel ins Visier - das Motto vor dem Russland-Spiel: Verlieren verboten, Träumen erlaubt.

"Für mich ein Endspiel"

"Die Jungs können träumen, wie sie wollen", sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson: "Das heißt aber trotzdem, dass wir gegen Russland unser bestes Spiel machen müssen. Für mich ist das ein Endspiel." Der Isländer forderte von sich und seinen Spielern die volle Konzentration. "Man kann nicht einfach auf Autopilot drücken. Es läuft nicht von allein", so Sigurdsson.

Sigurdsson spürt, dass der Weg seiner Jungspunde bei dieser EM noch lange nicht zu Ende ist. Bei einem weiteren Sieg am Sonntag (24.01.16 / 18.15 live im Ersten und bei Sportschau.de) gegen die Russen winkt am Mittwoch ein Showdown gegen Vize-Europameister Dänemark um einen Platz im Halbfinale. "Die Dramaturgie ist jetzt wie für uns gemacht", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Wolff spricht vom Titel

Fabian Wiede

Steigert sich von Spiel zu Spiel: Fabian Wiede

Mit jeder Minute und jedem Sieg wächst das Selbstvertrauen im deutschen Lager. "Ganz klar, das Ziel jeder Mannschaft muss der Titel sein", sagte Shootingstar Andreas Wolff forsch. Wenn die Mannschaft sich weiter von Spiel zu Spiel konzentriere, "dann können wir vielleicht sogar diese Reise antreten", so der Torhüter, der mit 41 Prozent gehaltener Bälle gegen Ungarn erneut einen Sahnetag erwischte.

Und auch Kreisläufer Pekeler unterstrich: "Unser Ziel ist jetzt ganz klar das Halbfinale. Dem gilt es alles unterzuordnen." Bei einem Sieg dagegen, auch das unterstrich Reichmann, "ist alles möglich". Hinten knüppelhart und gewohnt bärenstark, vorne erstaunlich abgezockt: Beim dritten Sieg in Folge zeigte die deutsche Mannschaft ihre beste Turnierleistung - und wirkte dabei fast ein bisschen unterfordert. Besonders zu bestaunen ist das gestiegene Selbstvertrauen auch an Fabian Wiede, der zu Turnierbeginn noch gehemmt wirkte, dann aber gegen die Ungarn mit sechs Treffern bester deutscher Schütze war.

Nicht mal alles abgerufen

Ihr volles Leistungsvermögen scheint die mit 14 EM-Debütanten gespickte DHB-Auswahl beim dritthöchsten Sieg der deutschen EM-Geschichte noch nicht einmal abgerufen zu haben. "Das ist im Moment nicht absehbar", erklärte Kreisläufer Erik Schmidt mit entschlossenem Gesichtsausdruck: "Wir wollen alle ins Halbfinale, ganz klar. Es wäre gelogen, wenn jemand etwas anderes behauptet."

Erfüllen sich Schmidt und Co. diesen Traum, wäre es der erste Halbfinaleinzug einer deutschen Nationalmannschaft bei einem internationalen Großereignis seit Platz vier bei der EM 2008. Bei den Russen, die sich in Polen mit einer guten Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen Profis noch die Teilnahme an einem Olympia-Qualifikationsturnier sichern möchten, ist der Respekt groß.

Russland mit Respekt

"Diese deutsche Mannschaft ist hungrig und will der ganzen Welt zeigen, was sie kann", sagte Trainer Dimitri Torgowanow, der in seiner aktiven Zeit jahrelang in der Bundesliga spielte. Mit seiner Analyse trifft es Torgowanow auf den Punkt, die deutschen Handballer sind in der Tat hungrig und noch lange nicht satt.

"Wir hoffen, dass das Ungarn-Spiel nicht unser bestes Spiel bei dieser EM bleibt", sagte Keeper Wolff. Es klang wie eine Drohung. Sein Bauchgefühl für den weiteren Turnierverlauf? "Dass wir alles gewinnen."

sid/red | Stand: 23.01.2016, 20:38

Darstellung: