Deutsche Handballer wild entschlossen

Bundestrainer Sigurdsson (l.) und seine Spieler jubeln

EM-Spiel gegen Dänemark

Deutsche Handballer wild entschlossen

Keine 24 Stunden nach dem doppelten Verletzungsschock schalteten die deutschen Handballer in den Angriffsmodus. Die Auswahl des Deutschen-Handball-Bundes (DHB) präsentierte sich vor dem Showdown gegen Top-Favorit Dänemark voll fokussiert und wild entschlossen - und selbst Bundestrainer Dagur Sigurdsson fand seinen Optimismus wieder.

"Es könnte ein Vorteil für uns sein, dass wir ein bisschen länger Pause haben als die Dänen", sagte Sigurdsson mit Blick auf die Partie am Mittwoch (27.01.16, 18.15 Uhr/live im Ersten und bei sportschau.de). Eine Pause, die sein Team nach den Ausfällen von Kapitän Steffen Weinhold und Torjäger Christian Dissinger allerdings auch "gut brauchen" könne. Während Dänemark am Abend noch gegen Schweden auflaufen musste und nur ein Remis errang, nutzte der Isländer jede Minute des spielfreien Dienstags, um die Nachnominierten Kai Häfner und Julius Kühn bestmöglich in die Mannschaft zu integrieren. Mit einer "Mischung aus Taktik und Regeneration" stimmte Sigurdsson seine Rasselbande auf das wichtigste Handballspiel einer deutschen Nationalmannschaft seit Jahren ein.

"Waffe" Häfner und "Shooter" Kühn (O-Ton Sigurdsson) brauchten nur wenige Stunden im Kreise der Mannschaft, um die neue deutsche Handball-Philosophie mit Haut und Haar zu verinnerlichen. "Der Zusammenhalt hier ist überragend, die Team-Chemie stimmt einfach nur", sagte Dissinger-Ersatz Kühn: "Dänemark ist zwar ein unglaublich großer Brocken, aber in einem Do-or-Die-Spiel kann alles passieren. Wir werden alles geben, und dann wird schon etwas Positives bei herausspringen."

Julius Kühn hatte nach dem Lehrgang nicht einmal seine Sporttasche ausgepackt. "Ich hatte sie einfach nur erstmal in die Ecke gestellt", erzählte der Gummersbacher. So war sein Zeitmanagement viel entspannter, als zwischen dem unerwarteten Anruf am Sonntagabend und der Abreise am Montagmorgen zu vermuten gewesen wäre. Nun ist er gleich gefordert - wie Häfner.

Megamäßige Freude

Der hünenhafte Julius Kühn

Der hünenhafte Julius Kühn

Der Gummersbacher Rückraum-Hüne soll für einfache Tore aus der zweiten Reihe sorgen, Häfner als bester Feldtorschütze der Bundesliga auch spielerische Akzente setzen. "Wir freuen uns megamäßig auf dieses Spiel", sagte Häfner mit leuchtenden Augen: "In so einem Spiel ist alles möglich. Warum sollten wir nicht gewinnen?" Verbandsvize Bob Hanning nahm die frech-furchtlose Art der beiden Neuankömmlinge wohlwollend zur Kenntnis. "Ich bin zuversichtlich", sagte Hanning. Die Spieler hätten "vor nichts Angst. Das ist das große Plus dieser Mannschaft". Die Debatte um die vielen Verletzten erklärte Hanning gleichzeitig für beendet. "So lange wir sechs Spieler auf die Platte bringen, haben wir alle Chancen, jede Mannschaft in diesem Turnier zu schlagen", so der 47-Jährige.

Auf die Defensive kommt es an

Entscheidende Bedeutung dürfte am Mittwoch der deutschen Defensive zukommen. "Wenn sie eine Chance haben wollen, müssen die Deutschen gut in der Abwehr stehen, und Carsten Lichtlein und Andreas Wolff müssen das Torwartduell gegen Niklas Landin und Kevin Møller gewinnen", sagte die dänische Handball-Ikone Nicolaj Jacobsen, Trainer des Bundesliga-Tabellenführers Rhein-Neckar Löwen. Dänemark habe allerdings "mehr Qualität" vor allem in der Breite des Kaders.

Solche Sprüche stacheln die deutschen Spieler an. Respekt ja, aber Angst vor den großen Namen beim Gegner? "Auf gar keinen Fall", sagt Keeper Wolff. Der Senkrechtstarter verspricht ein "sehr interessantes Spiel für die Zuschauer, dass wir natürlich gewinnen werden".

Ein Sieg muss her

Für den erstmaligen Halbfinal-Einzug bei einem großen Turnier seit 2008 benötigt die mit inzwischen 16 (!) EM-Debütanten gespickte DHB-Auswahl gegen das skandinavische Starensemble um Superstar Mikkel Hansen einen Sieg – dann wäre der Schritt aus eigener Kraft geschafft. Bei einem Remis gegen die Dänen müsste Russland im letzten Gruppenspiel Spanien bezwingen.

sid,dpa,red | Stand: 27.01.2016, 08:15

Darstellung: