Kleines Handball-Lexikon

Handball-EM in Polen

Kleines Handball-Lexikon

Von Frank van der Velden

Passives Spiel, Kempa-Trick, schnelle Mitte, Freiwurf, Time-Out, Siebenmeter - sportschau.de erklärt die wichtigsten Regeln und Begriffe im Handball.

Der Torraum

Das Spielfeld hat eine Besonderheit - und das ist der Torraum. Das ist ein halbkreisförmiger Raum von sechs Metern Radius. Im Abstand von drei Metern zur Torraumlinie verläuft die gestrichelte Freiwurflinie. Nur der Torwart darf den Torraum betreten - alle anderen nicht. Springt also ein Angreifer mit dem Ball in der Hand in den Torraum, so muss er den Ball abwerfen, bevor seine Füße wieder den Boden berühren.

Time-Out

Ein Spiel dauert zwei Mal 30 Minuten, und es soll so viel Handball gespielt werden wie möglich. Deshalb können die Schiedsrichter die Uhr anhalten lassen. Das tun sie beispielsweise dann, wenn ein Spieler nach einem schweren Foul hinaus gestellt wird oder wenn ein Akteur verletzt ist. Aber auch wenn sich die Schiedsrichter absprechen wollen oder wenn der Boden gewischt werden muss.

Team-Time-Out

Immer griffbereit: Die grüne Karte

Immer griffbereit: Die grüne Karte

In der regulären Spielzeit hat jede Mannschaft pro Spiel Anspruch auf drei Team-Time-Out s, allerdings nur zwei pro Halbzeit. Dazu muss ein Offizieller eine grüne Karte auf den Tisch des Zeitnehmers legen. Nur wer im Ballbesitz ist, kann ein solches Time-Out beantragen. Der Zeitnehmer unterbricht das Spiel und stoppt die Uhr. Der Trainer hat dann eine Minute Zeit, um seine Mannschaft neu einzustellen und zu instruieren. Trainer nehmen das Time-Out meist zum Ende des Spiels oder wenn ein Team mehrere Gegentore in Serie einstecken musste. Wer ein Time-Out nimmt, ist hinterher natürlich wieder in Ballbesitz.

Schnelle Mitte

Erzielt ein Team ein Tor, gibt es Anwurf für den Gegner - und zwar vom Mittelkreis aus. Dank der schnellen Mitte kann die Mannschaft, die gerade den Treffer kassiert hat, sofort wieder zum Angriff übergehen. Denn anders als beispielsweise beim Fußball muss das gegnerische Team beim Anwurf nach einem Treffer nicht in seine Hälfte zurückgekehrt sein. Konkret sieht das so aus, dass der Torwart den Ball schnell Richtung Mittelkreis wirft, wo schon zwei Mitspieler stehen, die den Anwurf dann sofort ausführen können. Eine schnelle Mitte kann dann also zum Tempogegenstoß werden, weil die gegnerische Abwehr noch unsortiert ist. Ziel dieser Regel ist es, das Spiel schneller zu machen. Die Spieler des angreifenden Teams dürfen bei einer schnellen Mitte allerdings nicht in der gegnerischen Hälfte stehen.

Kempa-Trick

Gelungener Kempa-Trick

Gelungener Kempa-Trick

Der Kempa-Trick ist wohl der spektakulärste Spielzug, den der Handball zu bieten hat. Ein Angreifer springt in voller Fahrt in den Wurfkreis bekommt den Ball zugepasst, fängt ihn in der Luft und wirft ihn dann aufs Tor, bevor er mit den Füßen wieder den Boden berührt hat. Benannt wurde der Trick nach dem deutschen Handballer Bernhard Kempa. Das Ganze ist sowohl für den Anspieler als auch für den Werfer technisch höchst anspruchsvoll. Deshalb funktioniert es auch nur selten.

Passives Spiel

Bei einem so rasanten Sport wie Handball werden Spielverzögerungen nicht geduldet. So soll zum Beispiel das in Führung liegende Team keine Möglichkeit haben, "auf Zeit" zu spielen oder das Ergebnis zu halten. Es muss ein "Zug zum Tor" erkennbar sein und der Wille, einen Treffer zu erzielen. Wenn die Schiedsrichter glauben, die angreifende Mannschaft spiele ein wenig zu langsam und zu behäbig, können sie auf Passives Spiel entscheiden. Durch ein Handzeichen wird das Team zunächst verwarnt. Wenn es dann immer noch nicht zum Abschluss kommt, gibt es für die gegnerische Mannschaft einen Freiwurf, und zwar an der Stelle, an der das Spiel unterbrochen wurde.

Fouls

Schweres Foul beim Handball

Schweres Foul beim Handball

Handball ist ein körperbetontes Spiel, und manchmal fragt sich der Zuschauer, warum genau der Schiedsrichter jetzt gepfiffen hat. Verboten ist es, dem Gegenspieler den Ball aus der Hand zu reißen oder zu schlagen, ihn zu sperren, wegzudrängen oder wegzustoßen, ihn festzuhalten oder in ihn hinein zu rennen oder ihn anzuspringen. Auf der anderen Seite ist Körperkontakt durchaus erlaubt.

Freiwurf

Selten gefährlich: der Freiwurf

Selten gefährlich: der Freiwurf

Bei einem Foul oder einer Regelwidrigkeit entscheiden die Schiedsrichter auf Freiwurf. Einen solchen Freiwurf für den Gegner kann die Abwehr durchaus als Erfolg verbuchen. Denn wenn das Foul näher als neun Meter vor dem Tor passiert ist, dann gibt es den Freiwurf an der gestrichelten Neun-Meter-Linie und der Werfer und seine Mitspieler müssen alle außerhalb des Neun-Meter-Raumes stehen. Ein Foul muss dem Angreifer also nicht unbedingt einen Vorteil bringen. Eine solch gelungene Abwehraktion nennt man "Festmachen". Der Freiwurf bringt in der Regel nämlich nichts ein.

Siebenmeter

Anders sieht es aus, wenn der Abwehrspieler den Angreifer um eine klare Torchance bringt. Wenn der ungehindert zum Wurf kommt und dann gefoult wird, gibt es Siebenmeter. Oftmals gibt es dann Diskussionen. Denn was genau eine klare Torchance ist und was nicht, liegt oft auch im Ermessen der Schiedsrichter. Siebenmeter gibt es auch, wenn ein Abwehrspieler durch den eigenen Torraum läuft, um eine Chance des Angreifers zu vereiteln.

Persönliche Strafen

Die Schiedsrichter zeigen die Rote Karte

Die Schiedsrichter zeigen die Rote Karte.

Auch wenn es nur einen Freiwurf gibt, so hat der Abwehrspieler doch ein Foul begangen. Und wenn die Aktion dabei nicht dem Ball, sondern nur dem Gegenspieler gegolten hat, gibt es auch eine persönliche Strafe. Beim ersten Foul gibt es eine Verwarnung (Gelbe Karte), dann eine Zwei-Minuten-Strafe und danach dann eine Disqualifikation (Rote Karte). Das nennt sich "progressives Strafsystem". Besonderheit: Ein Team kann nur drei gelbe Karten kassieren, beim vierten Foul gibt es eine Zeitstrafe, auch wenn der betreffende Spieler selbst noch nicht verwarnt wurde. Bei schweren Fouls kann es auch direkt eine Zeitstrafe geben. Hat ein Spieler zwei Zeitstrafen kassiert, so bekommt er bei der dritten eine Rote Karte, wird also hinaus gestellt. Bei sehr schweren Fouls können die Schiedsrichter natürlich auch sofort Rot zücken. Anders als im Fußball spielt das Team dann nicht den Rest der Partie in Unterzahl, sondern darf nach zwei Minuten einen anderen Spieler aufs Feld schicken.

Stand: 13.01.2016, 08:30

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