DHB-Auswahl "hungrig nach weiteren Siegen"

Jannik Kohlbacher

Auftakt der EM-Hauptrunde

DHB-Auswahl "hungrig nach weiteren Siegen"

Die deutschen Handballer gehen "hungrig nach weiteren Siegen" in die Hauptrunde der Europameisterschaft. Der erste Gegner Ungarn setzt auf einen aus der Bundesliga bestens bekannten Trainer.

Die kleine Feier in einem italienischen Restaurant nach dem Sieg gegen Slowenien fiel bescheiden aus, den Hunger auf weitere Erfolge stillten auch die Fleischberge und eine Portion Tiramisu zum Nachtisch nicht. "Wir wollen mehr", sagte Kreisläufer Jannik Kohlbacher (Foto), einer der deutschen Senkrechtstarter bei der EM in Breslau: "Die Mannschaft brennt und ist hungrig nach weiteren Siegen."

Nach dem eindrucksvollen, weil souveränen 25:21 gegen Slowenien hat die mit 14 EM-Debütanten gespickte Auswahl des DHB das Halbfinale ins Visier genommen - selbst der sonst eher zurückhaltende Bundestrainer Dagur Sigurdsson ließ sich vor der am Freitag (22.01.16) beginnenden Hauptrunde zu einer kleinen Kampfansage hinreißen. "Wir haben junge, frische Spieler. Sie regenerieren schneller als alte Leute", sagte der Isländer und blickte dabei kampfeslustig wie selten.

Selbst die Verbandsspitze legt ihre Zurückhaltung ab

Auch die Verbandsspitze legte ihre Zurückhaltung nach der erfreulichen Vorrunde (4:2-Punkte) ab. "Wenn die Mannschaft von innen heraus brennt und die nächsten beiden Spiele tatsächlich positiv gestaltet, dann wird vermutlich rein rechnerisch dieser ganz, ganz große Traum möglich sein", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Von den vielen Verletzten spricht im deutschen Lager schon längst keiner mehr.

Abwehr von Spiel zu Spiel besser

Vor allem in der Abwehr, jener Zone des Spielfeldes, wo bekanntlich große Spiele und später auch Meisterschaften gewonnen werden, präsentierte sich Deutschland von Spiel zu Spiel besser und zog den Gegnern dort mit großer Aggressivität und einem überragenden Abwehrchef Finn Lemke zuletzt zwei Mal den Zahn.

Gegen Ungarn kommt es zum Duell der beiden jüngsten Teams der EM. Die Ungarn sind im Schnitt 26,2 Jahre alt, Deutschland sogar nur 24,9. "Ungarn hat sich ein bisschen verändert mit Talant Dujschebajew. Er gibt neue Impulse", urteilte Sigurdsson über seinen Trainerkollegen. "Sie werden um jeden Zentimeter kämpfen", warnte Sigurdsson.

Angeberwissen über Ungarn

Noch nie verlor eine deutsche Männermannschaft ein EM-Spiel gegen Ungarn: Auf ein 24:24 in Spanien folgten 2004 (28:23 in Ljubljana) und 2008 (28:24 in Bergen) zwei Erfolge gegen die Magyaren, die zwar immer zum erweiterten Favoritenkreis bei Turnieren zählen, ihre einzige Medaille überhaupt aber 1986 mit WM-Silber feierten.

 Iman Jamali

Bester ungarischer Schütze: Iman Jamali

Bei Europameisterschaften war Rang sechs 1998 die bislang beste Platzierung, fünfmal (1936, 1980, 1988, 2004 und 2012) zogen die Ungarn in ein Olympisches Halbfinale ein, fünfmal wurden sie am Ende Vierter. Die letzten deutschen Spiele gegen den ersten EM-Hauptrundengegner waren zwei Tests im April 2014 in Oldenburg (28:24) und Lingen (31:24).

Seit Oktober 2014, nach dem Verpassen der Qualifikation für die WM in Katar, übernahm überraschend Talant Dujschebajew die Ungarn als Nationaltrainer und Nachfolger von Lajos Mocsai. Dujschebajew (zweifacher Welthandballer und früherer Bundesligaprofi) trainiert parallel auch den polnischen Spitzenverein aus Kielce - und trifft in Breslau auf seinen Sohn Alex, Mitglied der spanischen Mannschaft.

Große Namen fehlen

Vor der EM in Polen überraschte Dujschebajew mit der Maßnahme, viele arrivierte Spieler zuhause zu lassen und auf die Jugend zu setzen. Daher und aufgrund einiger Verletzungen fehlen große Namen wie Gabor Czaszar, Peter Gulyas oder Ferenc Ilyes im Kader der Ungarn, die noch um ein Ticket zur Olympia-Qualifikation kämpfen.

Star der Ungarn ist Linkshänder Laszlo Nagy, der nach zwölf Jahren in Barcelona 2012 nach Veszprem wechselte. Dort spielt auch der starke Torwart Roland Mikler, im Herbst wurde zudem der Iraner Iman Jamali eingebürgert, der aktuell bester ungarischer EM-Torschütze ist.

sid/dpa/red | Stand: 22.01.2016, 09:32

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