Deutsche Handballer nicht zu stoppen

Jubel beim deutschen Team

Deutschland - Russland 30:29

Deutsche Handballer nicht zu stoppen

Die furios aufspielenden deutschen Handballer sind bei der EM in Polen nicht zu stoppen. Das Halbfinale ist nach dem Sieg gegen Russland zum Greifen nah. Doch der Erfolg wurde bitter bezahlt.

Die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson besiegte Russland im zweiten Hauptrundenspiel nach einem Krimi mit 30:29 (17:16) und darf sich auf ein "Endspiel ums Halbfinale" am Mittwoch (27.01.16) gegen Dänemark freuen. Doch der Erfolg wurde überschattet von den Verletzungen von Christian Dissinger und Kapitän Steffen Weinhold. Es ist sehr fraglich, ob sie überhaupt bei dieser EM weiter spielen können.

Ins Spiel gekämpft

Der Kieler Dissinger war gegen Russland zuvor mit sieben Toren bester Werfer in der mit 14 EM-Debütanten angetretenen Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) gewesen. Im Gegensatz zur Gala zum Hauptrundenauftakt gegen den Olympia-Vierten Ungarn (29:19) erwischte der WM-Siebte aber einen schlechten Start. Nach einigen überhasteten Aktionen im Angriff und Unaufmerksamkeiten in der Abwehr lag die DHB-Auswahl schnell mit 0:3 (3. Minute) zurück. Doch die Siegesserie hat dem Europameister von 2004 viel Selbstvertrauen verliehen. "Kompliment an die Jungs. Wir haben es über die Bühne gebracht. Unglaublich", sagte Sigurdsson.

Das deutsche Team kämpfte sich vor 6.200 Zuschauern zurück ins Spiel und ließ sich auch von einer der zahlreichen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter nicht beirren. Beim Stand von 5:7 hatte ein Wurf von Rune Dahmke die Linie knapp überschritten, doch die schwachen Unparteiischen aus Portugal ließen weiterspielen.

Defensive mit Problemen

Das deutsche Angriffsspiel wurde aber variabler, die Anspiele auf Kreisläufer Erik Schmidt (6 Tore) funktionierten immer besser. Im Rückraum war auf die wurfgewaltigen Dissinger und Steffen Fäth Verlass. Schmidt sorgte beim 10:10 für den Ausgleich. Als Fäth eine Minute später die erste Führung erzielte, sprang die gesamte deutsche Bank jubelnd auf.

Wolff als Prophet in der Halbzeitpause

Die zuletzt so bärenstarke deutsche Defensive um Abwehrchef Finn Lemke hatte aber weiterhin einige Probleme mit den trickreichen und flinken Russen. Das Torhüter-Duo Andreas Wolff und Carsten Lichtlein entschärfte zwar einige große Möglichkeiten des Ex-Weltmeisters, doch die Partie blieb bis zur Pause ausgeglichen. "Wir haben nicht optimal gespielt und führen trotzdem. Jetzt kommen wir anders aus der Kabine raus und holen uns die zwei Punkte", versprach Torhüter Andreas Wolff zur Pause in der ARD kühn.

Vierter Sieg in Folge

Angesichts der 16 Gegentreffer stellte Sigurdsson seine Abwehr von einer 6:0- auf eine 5:1-Deckung um. Dahinter vertraute der Isländer Lichtlein, der in den vergangenen Spielen im Schatten von Wolff stand. Die Maßnahmen des Bundestrainers zahlten sich zunächst aus. Die Abwehr bekam nun einen besseren Zugriff, Lichtlein zeigte einige starke Paraden.

Im Angriff machte Dissinger sein bestes EM-Spiel. Nach zwei Toren des Rechtshänders und einem Gegenstoßtor von Dahmke zog das DHB-Team erstmals auf vier Tore davon 23:19 (40.). Doch auch eine 25:20-Führung (45.) bedeutete noch nicht die Entscheidung. Russland glich nach umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen zum 26:26 (52.) aus. "Da waren einige komische Entscheidungen dabei", sagte Sigurdsson nach der Partie.

Kühn und Häfner stehen bereit

Doch die unerfahrene deutsche Mannschaft behielt in der packenden Schlussphase die Nerven und träumt jetzt sogar vom ganz großen Wurf. Vier Erfolge in Serie - einen solchen Siegeszug hätte dem jüngsten aller 16 Teams vor Turnierbeginn kaum jemand zugetraut. Nun winkt der erste Halbfinaleinzug bei einem Großereignis seit 2008, sogar eine Medaille ist plötzlich in Reichweite.

Allerdings dürfte ein möglicher Ausfall von Dissinger und Weinhold die Chancen schmälern. Als Ersatz stehen Julius Kühn vom VfL Gummersbach und Kai Häfner vom TSV Hannover-Burgdorf bereit. Das ist zusätzlich bitter, weil das DHB-Team von einer Grippewelle heimgesucht worden war, die geheim gehalten wurde. "Das haben wir bewusst nicht gesagt", sagte Delegationsleiter Bob Hanning.

Statistik

Handball · Europameisterschaft · Hauptrunde Gruppe 2

Sonntag, 24.01.2016 | 18.15 Uhr

Deutschland

Wolff, Lichtlein – Weinhold (4), Dissinger (7), Fäth (4), Lemke, Ernst, M. Strobel, Wiede (1), Pieczkowski – Dahmke (2), Reichmann (5/2), Sellin – E. Schmidt (6), Kohlbacher (1), Pekeler

30

Russland

Kireev, Bogdanov – Shelmenko (1), Buzmakov (1), Gorbok (3), Atman (3), Zhitnikov (4) – Soroka, Dashko, Kovalev (2), Shishkarev (1), Dibirov (7/4) – Tcelishchev, Chernoivanov (2), Chipurin (5), Kalarash

29

Fakten und Zahlen zum Spiel

DeutschlandRussland
Siebenmeter2 Würfe, 2 Treffer5 Würfe, 4 Treffer
Strafminuten10 Min.2 Min.

Zuschauer:

  • 6593

Schiedsrichter:

  • Santos/Fonseca (Portugal/Portugal)

Stand: 24.01.2016, 21:50

Darstellung: