Frankreichs Handballer - die ewigen Titelfavoriten

Die Franzosen feiern den Titelgewinn 2015

Handball-EM in Polen

Frankreichs Handballer - die ewigen Titelfavoriten

Von Robin Tillenburg

Die Franzosen sind das Nonplusultra im Welthandball. Das Team von Claude Onesta geht auch bei der EM als Topfavorit ins Rennen - aber was macht den Titelverteidiger eigentlich so stark?

"Die Dänen muss man immer auf dem Zettel haben." "Die Polen sind im eigenen Land sicher schwer zu schlagen." "Die Kroaten und die Spanier bringen eine ganze Menge Erfahrung und Klasse mit." "Eine Überraschungsmannschaft wird es wohl auch noch geben." All das sind Prognosen und Feststellungen, die für den Kampf um den Titel bei der Handball-EM durchaus zutreffend sein dürften. Doch wie in den vergangenen Jahren eigentlich immer, ist der Topfavorit ein anderer. Der Weg zum Titel geht erneut nur über die Franzosen.

Karabatic geht voran

Sucht man das Gesicht dieser goldenen Generation, die drei der vergangenen vier Weltmeisterschaften, drei der vergangenen fünf Europameisterschaften und die vergangenen beiden Olympischen Goldmedaillen gewann und in all diesen Wettbewerben auch amtierender Titelträger ist, bleibt man bei einem Mann hängen, der gar nicht in Frankreich geboren wurde: Nikola Karabatic.

Der 31-Jährige, der im ehemaligen Jugoslawien zur Welt kam, war bei all den Titelgewinnen der Equipe Tricolore dabei und hat auch im Vereinshandball längst jeden Titel mehrmals gewonnen. Mit seiner Spielweise verkörpert der Welthandballer von 2014 all das, wofür die französische Mannschaft steht: individuelle Extraklasse, Kampfkraft, Nervenstärke an der Grenze zur Eiseskälte und einen leichten Hauch Arroganz.

"Sieger-Gen" auf vielen Schultern

Die Franzosen spielen nicht den attraktivsten Handball und sind auf dem Feld auch nicht unbedingt dafür bekannt, unbeschwerte und uneitle Zeitgenossen zu sein, doch in engen Spielen ordnen sie dem Erfolg dann doch ihre persönlichen Befindlichkeiten unter und bringen individuell Top-Leistungen.

Luc Abalo beim Sprungwurf

Pure Athletik: Luc Abalo

Da ist der Torwart Thierry „Titi“ Omeyer, der inzwischen 39 ist. Der ehemalige Kieler mit der nicht minder eindrucksvollen Titelsammlung ist immer noch ein Keeper mit besonderen Fähigkeiten und wurde beim Weltmeistertitel 2015 sogar zum MVP gewählt. Es gibt Tage, an denen sieht man ihn im Tor kaum - da scheint es, als wolle ihm nichts gelingen und man wundert sich, weshalb sein Trainer Claude Onesta ihn auf dem Feld lässt. Und dann, in den Schlussminuten, ist das Tor plötzlich vernagelt. Omeyer hält Bälle, die unhaltbar scheinen und mit einer Selbstverständlichkeit, die die Schützen verunsichert.

Da ist auf Rechtsaußen Luc Abalo, der mit seiner Sprungkraft, seinem enormen Antritt und seinem Wurfrepertoire jederzeit zu einer gefährlichen Waffe werden kann. Dazu kommen wurfgewaltige und athletische Rückraumspieler wie Olivier Nyokas, der ehemalige Welthandballer Daniel Narcisse, echte Kampfmaschinen am Kreis wie Cedric Sorhaindo und Luka Karabatic sowie spielstarke, junge, freche Spieler wie Kentin Mahé auf Linksaußen.

Kaum Schwächen

Die französische Mannschaft hat kaum eine Schwäche, und so sind sich auch die anderen Trainer wie Michael Biegler, Übungsleiter der Polen, sich größtenteils einig: „Die Franzosen liegen vorn.“

Was spricht also überhaupt gegen die Franzosen? Sie haben eine schwierige Gruppe. Gastgeber Polen, Favoritenschreck Mazedonien und Serbien, immerhin Silbermedaillengewinner 2012, sind Gegner, gegen die Frankreich an einem schlechten Tag Probleme bekommen könnte. Und in der Hauptrunde würden wohl in Kroatien und Island zwei weitere Hochkaräter hinzukommen. Spielen die Männer von Onesta dann vielleicht doch einmal zu überheblich, könnte es zwei knappe Niederlagen geben, die den Einzug ins Halbfinale gefährden.

Eigentlich hat das Team jedoch so viel vom "Sieger-Gen" und ist so zu erfahren, um sich einen solchen Fauxpas zu leisten. Die Erfahrung der Mannschaft könnte aber eventuell auch zu einem kleinen Problem werden: Die großen Leistungsträger sind alle über 30 und die Konkurrenz hofft ein wenig, dass bei ihnen nach und nach die Physis schwindet. Diese Hoffnung gab es jedoch bereits vor den Turnieren 2014 und 2015 - und es sieht auch diesmal nicht danach aus, als würden die Franzosen ihren Konkurrenten diesen Gefallen (schon) tun wollen.

Stand: 15.01.2016, 08:30

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