Ohne Gensheimer zur WM

Uwe Gensheimer

Handballer in Frankreich

Ohne Gensheimer zur WM

Der Platz von Uwe Gensheimer im Teambus der deutschen Handballer blieb - wie befürchtet - leer. Ohne ihren Kapitän begab sich die Nationalmannschaft am Mittwochmittag (11.01.17) auf den Weg zur Weltmeisterschaft nach Rouen.

Der Weltklasse-Linksaußen droht damit am Freitag (17.45 Uhr) im WM-Auftaktspiel des Europameisters gegen Ungarn auszufallen. Nach dem unerwarteten Tod seines Vaters weilt Gensheimer weiter bei seiner Familie in Mannheim. "Wir stehen in engem Kontakt mit ihm, aber er entscheidet ganz allein", sagte Teammanager Oliver Roggisch.

Alle anderen Spieler traten die rund 600 Kilometer lange Busreise vom Trainingslager in Kamen "gesund und munter" an, berichtete Roggisch. Am Abend erreichte die deutsche Mannschaft ihr Team-Quartier in der nordfranzösischen Stadt. Dort sind Chile, Saudi-Arabien, Weißrussland und Kroatien die weiteren Vorrundengegner der DHB-Auswahl.

Gleicher Fall wie bei Glandorf 2008

Gensheimer hatte die Nachricht vom Tod seines Vaters am Wochenende zuvor erhalten und war sofort aus dem deutschen Vorbereitungscamp in der Sportschule Kamen-Kaiserau abgereist. "Das war ein Schock für uns alle", hatte Bundestrainer Dagur Sigurdsson erklärt. "Unsere Gedanken sind bei ihm und seiner Familie. Er kommt zurück, wenn er sich so fühlt." Ob Gensheimer rechtzeitig zur Ungarn-Partie einfliegt, ist nicht absehbar.

Kaum jemand kann beurteilen, wie der junge Familienvater mit dem schweren Schicksalsschlag umgeht. "Das kommt auf den Einzelfall an, da ist jeder anders gestrickt", sagte Ex-Bundestrainer Heiner Brand. "Ich kann mir da kein Urteil anmaßen." Er selbst hatte 2008 einen ähnlichen Fall als Trainer zu händeln, nachdem der Vater von Holger Glandorf kurz vor der EM plötzlich verstorben war. Brand stellte dem Rückraum-Ass von der SG Flensburg-Handewitt, der bei dieser WM als Joker auf Abruf steht, die EM-Teilnahme frei. Glandorf entschied sich zu spielen. "Dass ich dabei bin, ist im Sinne meines Vaters", begründete er damals seine Entscheidung.

EM-Triumph wegen einer Verletzung verpasst

Sollte Gensheimer einen anderen Weg der Trauerarbeit wählen, würde ihm dies niemand verübeln. Im Falle einer Absage würde der Frankreich-Legionär von Paris Saint-Germain, der schon am Montag beim 33:16-Sieg der DHB-Auswahl im letzten WM-Test gegen Österreich fehlte, sein drittes großes Turnier verpassen. 2013 musste er bei der WM wegen eines Achillessehnenrisses passen, im Vorjahr konnte er den EM-Triumph wegen einer Wadenverletzung nur als Zuschauer verfolgen.

dpa | Stand: 11.01.2017, 16:49

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