Fußball-Europa am Tag nach dem "Super-GAU"
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Reaktionen und Forderungen nach Bekanntwerden des Wettskandals
Fußball-Europa am Tag nach dem "Super-GAU"
Wie können sich der Fußball und andere Sportarten aus den Fängen der organisierten Kriminalität befreien? Am Tag nach dem Bekanntwerden des größten Fußball-Wettskandals debattieren Sport und Politik: Was sind die richtigen Mittel im Kampf gegen Manipulation? sportschau.de präsentiert eine Essenz der Reaktionen.
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Die deutschen Nationalspieler hatten offenbar nicht mit diesem Ausmaß an Betrugsfällen gerechnet. "Das war auch für uns überraschend, davon geht man natürlich nicht aus. So etwas ist natürlich schlecht. Jeder Fan, der ins Stadion geht, erwartet, dass zwei Mannschaften aueinanfertreffen, die alles tun, um zu gewinnen", sagte Kapitän Philipp Lahm am Dienstag.
Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge
Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge fordert eine lückenlose Aufklärung der Europol-Ergebnisse. Zugleich plädiert der 57-Jährige für eine "harte Bestrafung" überführter Betrüger. "Es geht um die Glaubwürdigkeit des Fußballs. Das ist das höchste Gut, glaube ich, dass wir zu verteidigen haben", sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München.
Bobic: "Bundesliga wirtschaftlich zu gut aufgestellt"
Fredi Bobic, Manager des VfB Stuttgart, glaubt dass die Bundesliga nicht betroffen ist: "Dafür sind wir wirtschaftlich viel zu gut aufgestellt. Aber natürlich kann man nicht von vornherein für jeden die Hand ins Feuer legen", sagte er den "Stuttgarter Nachrichten".
Ähnlich wie Bobic geht auch der Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VdV, Ulf Baranowsky, davon aus, dass die 1. und 2. Bundesliga nicht oder nur in Ausnahmefällen betroffen sein könnten. "Schwarze Schafe" seien indes nicht auszuschließen.
Kritik an UEFA und FIFA-Chef Blatter
Sylvia Schenk
Die Korruptions-Expertin Sylvia Schenk, Vorstandsmitglied von Transparency International Deutschland, sieht den deutschen Profifußball ebenfalls nur bedingt gefährdet. "Wo Spieler sehr gut bezahlt werden, ist es sehr viel schwieriger sie zu bestechen, als dort, wo Spieler - gerade in osteuropäischen Ländern - sehr schlecht oder manchmal gar nicht bezahlt werden, weil der Verein das Geld nicht hat. Und insofern ist es bei uns eher in den unteren Ligen ein Problem", sagte Schenk HR-Info.
Sie kritisierte vor allem die FIFA- und UEFA-Bosse: "Joseph Blatter und Michel Platini tun mit Sicherheit nicht genug gegen dieses Problem." Bei der FIFA sei es zuviel Show, bei der UEFA müsste einzelnen Landesverbänden stärker auf die Füße getreten werden. Schenk: "Die Zeit der Tagungen ist vorbei."
Noch einen Schritt weiter geht die Grünen-Politikerin Viola von Cramon. Für sie ist der neue Skandal nur die "Spitze des Eisbergs". Als "heuchlerisch" verurteilte die sportpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion die Blatter-Ankündigung, er wolle scharf gegen Korruption vorgehen. "Warum fängt er nicht bei sich selbst an?" Und weiter: "Die FIFA muss den Kampf gegen Korruption und Sportwettenbetrug intensivieren, damit sie nicht jegliche Autorität verliert."
Merk fordert eigenständigen Straftatbestand gegen Manipulation
Auch Wolfgang Bosbach, der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages, sieht neben den Strafverfolgungsbehörden die Verbände in der Pflicht. Sie müssen nach Ansicht des CDU-Politikers ihre Werkzeuge gegen Manipulationen auf den Prüfstand stellen. "Wir müssen dringend überprüfen, ob die von den Verbänden bisher installierten nationalen und internationalen Frühwarnsysteme tatsächlich effektiv sind", sagte der 60-Jährige der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) fordert gar einen eigenständigen Straftatbestand gegen Manipulation im Sport. "Die Entwicklungen zeigen, dass wir dringend über ein umfassendes Gesetz zum Schutz des Sports nachdenken müssen. Chancengleichheit und Fairness im Sport werden nicht nur durch Doping gefährdet. Auch die Bestechungsskandale der letzten Jahre erschüttern die Glaubwürdigkeit."
Markige Worte und Relativierendes aus Frankreich
Mit markigen Worten hat ein Großteil der europäischen Presselandschaft auf den Wettskandal reagiert. "Europas Fußball droht der Super-GAU!", schreib die österreichische "Kronen Zeitung" am Dienstag. Die "Times" machte "einen traurigen Tag für den europäischen Fußball" aus.
Relativierende Stimmen sind dagegen vor allem aus Frankreich zu vernehmen. "Ist das nicht viel Lärm um nichts?", fragt "Le Point". Der Schaden sei "sehr bescheiden, wenn man die kolossalen Geldmengen betrachtet, die rund um den Fußball bewegt werden. Vor allem, weil die überwältigende Mehrheit der betroffenen Spiele nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hat."
dpa/sid | Stand: 05.02.2013, 17:31