U21-EM - Deutschland übt keine Elfmeter

Julian Pollersbeck wechselt zum Hamburger SV

Halbfinale gegen England

U21-EM - Deutschland übt keine Elfmeter

Die englische U21 hat im Gegensatz zum deutschen Team vor dem EM-Halbfinale Elfmeterschießen trainiert. Trainer Stefan Kuntz hält davon nichts, dafür soll gemeinsam gesungen werden.

Läuft alles nach Plan, wird es am Dienstag (27.06.17, live im Ersten und bei sportschau.de) in der Kabine der deutschen U21-Fußballer wieder laut. Weil der Finaleinzug gefeiert, vor allem aber, weil ein Lied angestimmt wird. "Gemeinsam singen ist heutzutage nicht mehr üblich. Ich kenne das noch von früher von Oma und Opa. Das stärkt den Teamgedanken", sagt Kuntz vor dem EM-Halbfinale gegen England.

Spiele mit Pokalcharakter

Welches Lied genau die deutsche Kabine in den letzten Tagen erobert hat, wird nicht verraten. Nur so viel: Den kompletten Text kennt kaum jemand, und zuletzt machte sogar Horst Hrubesch mit. Der DFB-Sportdirektor also, der 2009 als Trainer durch ein 4:0 gegen England den bislang einzigen U21-EM-Titel geholt hatte und in dessen Fußstapfen Kuntz nun treten will. Zwei Siege fehlen noch. "Ab jetzt haben die Spiele Pokalcharakter. Es heißt Hop oder Top", sagt Kuntz.

Die Zitterpartie gegen Italien am Samstag (0:1) ist abgehakt, zumindest sagen das alle. "Ab jetzt ist alles egal, was war. Ab jetzt beginnt eine neue Zeitrechnung. Und wenn der Gegner ein Tor schießt, schießen wir eben zwei", sagt der künftige HSV-Torhüter Julian Pollersbeck (1. FC Kaiserslautern).

Arnold hat keine Angst

Allerdings muss dafür eine deutliche Leistungssteigerung her. Wie die robusten Engländer zu knacken sind, zeigte die Kuntz-Elf erst vor drei Monaten: Am 24. März gewann die deutsche U21 einen Test gegen den Mitfavoriten von der Insel in Wiesbaden mit 1:0, Torschütze war Nadiem Amiri.

"Ich gehe nicht ängstlich in die Begegnung, selbst wenn es ein Halbfinale gegen England ist. Respekt ja, aber Angst habe ich im Fußball nie", sagt Kapitän Maximilian Arnold (VfL Wolfsburg).

Pollersbeck ohne Elfmeter-Erfahrung

England trainierte derweil am Montag Elfmeter - anders als die deutsche Mannschaft. "Die Geschichte zeigt, dass Deutschland das nicht muss. Wir schon", sagte Englands Trainer Adrian Boothroyd. Sein Gegenüber Kuntz war der Ansicht, "die Umstände, der Druck" seien nicht zu simulieren.

Torhüter Pollersbeck gab zu, praktisch keine mit der besonderen Situation nach 120 Minuten zu haben: "Mein letztes Elfmeterschießen war in der Jugend beim Hallenfußball."

England hat mehr Regenerationszeit

Als Nachteil könnte sich für die deutsche Mannschaft der enge Spielplan erweisen. Die Engländer hatten zwei Tage mehr Zeit zur Regeneration, Kuntz wird daher seine Startelf möglicherweise erstmals ändern. Wechsel könnten "wegen des Gegners" Sinn machen, aber auch, "weil wir die Möglichkeit sehen, dass wir selbst besser werden", so Kuntz.

Auf sein Startelf-Debüt hoffen darf Maximilian Philipp, der kurz vor der EM für angeblich 20 Millionen Euro aus Freiburg zu Borussia Dortmund gewechselt war.

"Auch ein Mitfavorit"

Gewarnt ist die deutsche Auswahl ohnehin. "England ist eine schwierige Mannschaft, auch ein Mitfavorit bei dem Turnier", sagt Max Meyer von Schalke 04. Zumal Englands Junioren-Fußball gerade eine Art Sommermärchen erlebt.

Am 11. Juni wurde die U20 der "Young Lions" in Südkorea Weltmeister, für das Mutterland des Fußballs war es der erste WM-Titel seit 1966. Im Mai war bereits die U17 ins EM-Finale eingezogen und verlor dort erst gegen Spanien - im Elfmeterschießen.

Stand: 26.06.2017, 20:49

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