Warnsignale für deutschen Nachwuchs

Lewis Holtby (v.li.), Tony Jantschke, Emre Can

Schwache Bilanz der U-Mannschaften

Warnsignale für deutschen Nachwuchs

Von Marcus Bark

U17, U19, U21 - vor vier Jahren holten die deutschen Nachwuchsfußballer drei EM-Titel. Derzeit ist die Bilanz schwach.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat unter dem damaligen Sportdirektor Matthias Sammer in das Konzept seiner "Talent- und Eliteförderung" drei Ziele festgeschrieben. Das wichtigste lautet: "Spitzenposition im Weltfußball". Zur Erklärung ist angefügt: "Vordere Platzierungen und Titelgewinne bei EM, WM und Olympia."

Unter dem Satz zeigt die Internetseite des DFB ein Foto, das im Juni 2009 entstand. Sami Khedira und Andreas Beck halten den Pokal fest, den der U21-Europameister bekommt. Der Titel, gewonnen unter dem Trainer Horst Hrubesch durch einen 4:0-Sieg gegen England, ist der Höhepunkt einer glänzenden, bislang besten Saison für die deutschen U-Mannschaften. Ende Juli 2008 gewinnt die U19 die EM, im Mai 2009 zieht die U17 nach, es folgt noch die U21.

Häufiges Scheitern in der Qualifikation

Dank des Titels qualifiziert sich die U19 für die U20-WM. Dabei scheitert Deutschland im Viertelfinale gegen Brasilien. Zwei Jahre später fehlt der DFB bei der WM, und wenn das nächste Weltturnier in jener Altersklasse am 21. Juni 2013 in der Türkei beginnt, wird der deutsche Fußball auch nur Scouts schicken.

Eine große Delegation ist derzeit in Israel. Sie weiß aber auch schon, dass es nach der Vorrunde wieder nach Hause gehen wird. Nach zwei Niederlagen gegen die Niederlande und Spanien ist die U21 bei der EM vorzeitig ausgeschieden. Damit ist das "Ziel 1" der Konzeption, das auch für das Turnier in Israel galt, deutlich verfehlt worden.

Hoffnung bei der U19 geplatzt

Christopher Lenz (re.), Kristis Andreou

Die U19 bei der Eliterunde in Norwegen.

Verfehlt hat auch die deutsche U19 eine ganz große Hoffnung - sich mit Trainer Christian Ziege für die kommende Europameisterschaft in Litauen vom 20. Juli bis 1. August 2013 zu qualifizieren. Bei der sogenannten Eliterunde in Norwegen verlor das Team am Montagabend (10.06.13) mit 0:1 gegen die Niederlande und hat damit die Teilnahme verpasst. Dieses Aus ist keine Besonderheit: Seit dem Titelgewinn 2008 erreichte die U19 keine einzige der jährlich ausgetragenen Endrunden.

Die U17 erreicht 2011 und 2012 jeweils das EM-Finale, verliert aber dann jeweils gegen die Niederlande. In diesem Jahr haben sie aus der Entfernung miterlebt, wie Russland gegen Italien den Titel gewinnt. Trotz des Heimvorteils hat die deutsche U17 in der Eliterunde die Qualifikation verpasst.

Löw führt Talente schnell an die A-Mannschaft heran

Im Einzelfall wird es immer stichhaltige Gründe geben, warum das oberste Ziel verfehlt worden ist. Der DFB liefert in seiner Konzeption sogar selbst ein Argument. Bundestrainer Joachim Löw hat Julian Draxler mit auf die bedeutungslose USA-Reise mitgenommen statt ihn an die U21 zu geben, weil er ihn schon früh an die A-Nationalmannschaft gewöhnen will. Auch Mario Götze, Toni Kroos und Ilkay Gündogan, längst etabliert bei Löw, wären theoretisch für die Mannschaft von Rainer Adrion spielberechtigt gewesen.

Dennoch sind die Ergebnisse der U-Mannschaften in den vergangenen Jahren als Warnsignale zu erkennen. Eventuell ist der deutsche Nachwuchsfußball doch nicht so gut, wie er innen und außen gesehen wird. Wie der Verantwortliche beim DFB die Lage einschätzt, wäre eine gute Frage. Doch: Robin Dutt, Sammers Nachfolger auf der Sportdirektor-Position, hat den Verband Richtung Bremen schon wieder verlassen. Der DFB sucht schon wieder nach einem Nachfolger, mit dem Titel gewonnen werden können.

Stand: 10.06.2013, 20:09