U21 - Nach der Quali ist vor Olympia

Horst Hrubesch

EM-Qualifikation

U21 - Nach der Quali ist vor Olympia

Gegen die Färöer und Russland spielen U21-Coach Horst Hrubesch und sein Team um die Qualifikation zur EM 2017 in Polen. Andererseits geht die Kandidatensuche für die Olympischen Spiele in Rio weiter.

Horst Hrubesch ist nicht als übermäßig sentimental bekannt. Von Wehmut ist bei ihm anlässlich seines letzten Heimspiels als Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft daher auch nichts zu spüren. "Abschiedstournee? Das ist keine Abschiedstournee", sagt er bestimmt.

Hrubesch steht kurz vor dem Ende seiner Tätigkeit als Junioren-Trainer beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) - nach den Olympischen Spielen ist Schluss. Zum Abschluss steht ihm ein schwieriger Spagat bevor. Der 64-Jährige will einerseits die makellose Bilanz der deutschen U21 in der Qualifikation für die EM 2017 wahren.

Mit Siegen gegen die Färöer in Frankfurt/Main (Donnerstag, 20 Uhr) und Russland in Rostow (Montag, 19 Uhr) will er in der Qualifikation eine saubere Übergabe an Nachfolger Marcus Sorg hinbekommen. Die ersten fünf Spiele haben die DFB-Junioren gewonnen und führen die Gruppe 7 an, was die direkte EM-Teilnahme bedeuten würde.

Keine Weltmeister in Rio

Andererseits muss Hrubesch für den Saisonhöhepunkt – die Olympischen Spiele in Rio - unter komplexen Rahmenbedingungen die Suche nach den Kandidaten fortsetzen. Vor diesem Hintergrund machte der einstige Top-Stürmer klar, dass es keine Olympia-Tickets für deutsche Weltmeister geben werde.

"Ich fände es den jungen Spielern, die die Qualifikation nach Rio erst erreicht haben, gegenüber nicht fair, wenn sie nicht die Belohnung erhalten würden, dort auch mitzuspielen", sagte er. Arsenal-Star Mesut Özil, der mit Deutschland 2014 den WM-Titel geholt hatte, hatte daraufhin Interesse bekundet, in Rio zu spielen. "Wir hatten dieses große Ziel vor Augen und haben das gemeinsam geschafft, jetzt jemanden anderen mitzunehmen wäre unglaubwürdig", sagte Hrubesch.

Erste Olympia-Teilnahme seit 1988

Die DFB-Junioren hatten bei der EM 2015 in Tschechien erstmals seit 1988 eine deutsche Olympia-Teilnahme perfekt gemacht. "Die Jungs, die das geschafft haben, werden wir fragen. Diesen Kader ergänzen wir dann mit aktuellen Spielern", sagt Hrubesch. Hoffnungen auf eine Olympia-Teilnahme dürfen sich daher auch Spieler wie Johannes Geis (Schalke 04), Timo Horn, Dominique Heintz, Leonardo Bittencourt (alle 1. FC Köln) oder Philipp Hofmann (FC Brentford) machen.

Hrubesch darf zudem drei ältere Profis mit nach Rio nehmen. Der DFB-Trainer wird auch hier ehemalige, inzwischen aber zu alte U21-Spieler wählen, etwa Ex-Kapitän Kevin Volland (1899 Hoffenheim). Auch die ehemaligen U21-Torhüter Marc-Andre ter Stegen (FC Barcelona) oder Bernd Leno (Bayer Leverkusen) sind Kandidaten für eines der drei "Oldie-Tickets".

Fokus auf die Färöer

Die Situation ist alles andere als einfach: Für die Zusammenstellung des Olympia-Aufgebots muss Hrubesch daher bis zur Frist am 31. Mai viele Interessen berücksichtigen. Seit dem 25. Januar liegt dem IOC eine Liste von rund 40 Kandidaten vor, die sich seitdem den Anti-Doping-Regularien unterwerfen. Mit den Bundesliga-Clubs stehen der Coach und DFB-Sportdirektor Hansi Flick in Kontakt. Maßgabe sind nicht mehr als zwei Spieler pro Verein. Und Bundestrainer Joachim Löw hat für die EM in Frankreich das Vorgriffsrecht.

Aber zu sehr verrückt machen lassen will sich Hrubesch von all diesen Gedankenspielen auch nicht - erstmal kommen nun die Färöer.  "Die können ja eigentlich nicht verlieren - sie können bei einem Spiel gegen uns nur gewinnen. Das ist die Gefahr. Aber meine Jungs werden von Anfang an volle Pulle gehen", sagt Hrubesch. "Der Fokus gilt jetzt der EM-Qualifikation. Wir wollen eine weiße Weste behalten und uns als erste Mannschaft direkt für Polen 2017 qualifizieren." Und mit der Qualifikation in der Tasche lässt es sich sicher noch entspannter nach Rio reisen.

sid/dpa | Stand: 24.03.2016, 11:01

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