Pollersbeck, Toljan und Co. - die Gewinner der U21-EM

Julian Pollersbeck

Deutschland besiegt Spanien im Finale

Pollersbeck, Toljan und Co. - die Gewinner der U21-EM

Von Marco Schyns

Deutschland ist U21-Europameister. Viele Spieler dürfen sich Hoffnung auf eine Zukunft bei der A-Nationalmannschaft machen. Aber welche Akteure haben beim Turnier in Polen am meisten überzeugt?

Julian Pollersbeck

Julian Pollersbeck lieferte erneut den Beweis, dass sich Deutschland um seine Zukunft auf der Torhüter-Position keine Sorgen machen muss. Dabei war sein Name bis zum September des letzten Jahres wohl nur den eingefleischtesten Fans des 1. FC Kaiserslautern ein Begriff. Nachdem Stammtorhüter Andre Weis am vierten Spieltag der letzten Saison gegen Sandhausen die Rote Karte sah, kam Pollersbeck, bis dahin nur in der Regionalliga Südwest aktiv, zu seinem Profidebüt.

Seitdem hat der 22-Jährige kein Pflichtspiel mehr verpasst beim FCK - und kassierte nur insgesamt 30 Tore in 31 Spielen. 15 Mal hielt Pollersbeck seinen Kasten sauber. Die Belohnung: Nominierung für die U21-EM und der erste Profivertrag in der Bundesliga. Seit dem 1. Juli ist Pollersbeck offiziell Spieler des Hamburger SV - und soll dort René Adler ersetzen.

Dass er bei der EM von Nationaltrainer Stefan Kuntz als Stammtorhüter ausgewählt wurde, hatte im Vorfeld einige überrascht. Schließlich hatte Dresdens Marvin Schwäbe einige Partien in der EM-Qualifikation absolviert. Pollersbeck aber zahlte das Vertrauen des Trainers zurück, hielt in drei von fünf Spielen - darunter im Finale - seinen Kasten sauber und wurde von der UEFA in die "Mannschaft des Turniers" gewählt. Im Elfmeterschießen gegen England avancierte er zum Held, als er den entscheidenden Elfmeter von Nathan Redmond hielt.

Niklas Stark

Niklas Stark war der Abwehrchef der deutschen U21-Nationalmannschaft bei der EM in Polen. Der 1,90 Meter große Innenverteidiger hätte ohne die zwischenzeitliche Verletzung wohl nicht eine Minute Spielzeit verpasst. Im Halbfinale gegen England musste der Herthaner aber verletzungsbedingt passen.

Umso glücklicher war Kuntz, als sich Stark rechtzeitig für das Finale fit meldete. Beim 1:0-Sieg gegen Spanien wuchs der 22-Jährige noch einmal über sich hinaus und zeigte seine beste Turnierleistung. Auch deswegen wurde er von der UEFA, mit fünf weiteren DFB-Spielern, in die "Mannschaft des Turniers" gewählt.

Der ehemalige Nürnberger, bei denen Stark jede Jugendabteilung durchlaufen hatte, überzeugte nicht nur sportlich, sondern ging auch als Führungsspieler voran. Ein guter Test für die neue Saison: Denn nach dem Abgang von John Anthony Brooks dürfte die Rolle des Abwehrchefs in Berlin künftig Stark zuteil werden.

Jeremy Toljan

Gute Leistungen bei der U21-EM: Niklas Stark (l.) und Jeremy Toljan

Gute Leistungen bei der U21-EM: Niklas Stark (l.) und Jeremy Toljan

Obwohl seine vermeintlich stärkste Position die linke Abwehrseite ist, wird Jeremy Toljan häufig auf der rechten Seite eingesetzt. In elf seiner 20 Bundesliga-Auftritte vergangene Saison bei der TSG Hoffenheim schickte ihn Trainer Julian Nagelsmann als rechten Mittelfeldspieler aufs Feld. Kuntz vertraute dem 22-Jährigen bei der EM die Position des Rechtsveteidigers an - und Toljan lieferte.

Der Hoffenheimer verpasste keine Minute und bereitete insgesamt drei Treffer vor, darunter das entscheidende 1:0 im Finale für Mitchell Weiser. Auch die Vorarbeit zu Davie Selkes Führungstreffer im Halbfinale gegen England ging auf das Konto des schnellen Toljan. Diese Leistungen finden Beachtung: Toljan wurde von der UEFA ebenfalls in die "Mannschaft des Turniers" gewählt und soll außerdem das Interesse von Premier-League-Meister FC Chelsea geweckt haben.

Yannick Gerhardt

Es war keine leichte Saison für Yannick Gerhardt. Statt um die Qualifikation für europäische Wettbewerbe ging es für Gerhardt und den VfL Wolfsburg in der Bundesliga gegen den Abstieg. Dabei war der 23-Jährige, der im Sommer 2016 für rund 13 Millionen Euro aus Köln kam, noch einer der Lichtblicke bei den "Wölfen".

Auch deshalb setzte Kuntz bei der U21-EM auf den erfahrenen Gerhardt (über 70 Bundesliga-Spiele). Vor allem seine "neue" Rolle zeigt, wie wohl sich Gerhardt im Umkreis der U21-Nationalmannschaft fühlt. Schließlich war es Kuntz' Vorgänger Horst Hrubesch, der Gerhardts Talent für die linke Abwehrposition entdeckte. Zu jener Zeit spielte dieser beim 1. FC Köln noch im zentralen Mittelfeld.

Inzwischen aber hat er sich auf seiner neuen Position festgespielt - und wurde für seine Leistungen in Polen zurecht von der UEFA in die "Mannschaft des Turniers" gewählt.

Max Meyer

23 Spiele hat Max Meyer bereits für die U21-Nationalmannschaft absolviert, fünf davon bei der U21-EM. Der 21-Jährige von Schalke 04 erzielte gegen Tschechien den ersten Turniertreffer für die DFB-Junioren und steuerte im zweiten Gruppenspiel gegen Dänemark außerdem eine Torvorlage bei.

Einzig bei der 0:1-Niederlage gegen Italien konnte Meyer, wie auch einige seiner Teamkollegen, nicht überzeugen. Ansonsten zog er, gemeinsam mit Kapitän Maximilian Arnold, die Fäden im zentralen Mittelfeld und suchte auch selbst immer wieder den Abschluss. Im Finale gegen Spanien verhinderte der Pfosten seinen zweiten Turniertreffer. Für die "Mannschaft des Turniers" hat es trotzdem gereicht.

Davie Selke

Im Vorfeld der U21-EM wurde über kaum einen deutschen Spieler häufiger geredet, als über Davie Selke. Der 1,92 Meter große Mittelstürmer hatte RB Leipzig nach einer glücklosen Saison mit wenig Einsatzzeit verlassen und sich Hertha BSC angeschlossen.

Für Kuntz stand Selke trotz der oftmals fehlenden Spielpraxis nie zur Debatte. Der 22-Jährige sollte Stürmer Nummer eins sein. Das er das kann, hatte Selke bei seinen bisherigen Auftritten in der U21-Nationalmannschaft (insgesamt 15 Spiele, neun Tore) auch schon unter Beweis gestellt.

Nach schwachem Start zum Auftakt gegen Tschechien platzte im zweiten Spiel gegen Dänemark der Knoten: Tor und Vorlage beim 3:0-Sieg. Außerdem gelang Selke der wichtige Führungstreffer im Halbfinale gegen England. Beim Endspiel gegen Spanien fehlte der Neu-Berliner verletzt - und schaffte es womöglich auch deswegen nicht in die "Mannschaft des Turniers".

Stand: 01.07.2017, 14:30

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