U21 - Deutschland feiert den EM-Titel

U21-EM-Finale: Deutschland - Spanien 1:0 (1:0)

U21 - Deutschland feiert den EM-Titel

Von Christian Hornung

Kollektiv schlägt individuelle Klasse: Die deutsche U21 hat sich gegen die hochgelobten Spanier mit einer taktisch und kämpferisch überragenden Vorstellung den Europameistertitel gesichert. Ein Herthaner wurde in Krakau zum Matchwinner.

Mitchell Weiser erzielte in der 40. Minute das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg, das dem DFB am Freitagabend (30.06.2017) den zweiten U21-EM-Titel nach 2009 sicherte. Und das war gegen die Jungsstars der "Furia Roja" hochverdient.

Weiser: "Einfach nur glücklich" - Neuer Vertrag für Kuntz

Deutschland jubelt über den U21-EM-Titel

Weiser jubelte kurz nach dem Schlusspfiff mit Tränen in den Augen: "Ich bin einfach nur glücklich für die Mannschaft, mir fehlen die Worte. Es war erst das zweite Kopfballtor in meiner Karriere - aber manchmal treffe ich den Ball eben auch mal ganz gut."

Trainer Stefan Kuntz gab zu: "Mir fehlen fast die Worte, es ist überwältigend. Wir haben total verdient gewonnten, weil wir die Spanier weitgehend aus dem Spiel genommen haben. Es war unglaublich diszipliniert von meinen Jungs, Riesen-Kompliment für diese Leistung."

Noch in der Nacht des Triumphs stellte DFB-Präsident Reinhard Grindel dem Trainer, der das Amt erst vor zehn Monaten übernommen hatte, einen neuen Vertrag bis 2020 in Aussicht.

Philipp für Selke in die Spitze

Einen kleinen Rückschlag musste das deutsche Team nur vor dem Anpfiff verkraften. Die medizinische Abteilung hatte den angeschlagenen Angreifer Davie Selke nicht wieder fit bekommen. Dafür stellte Kuntz Maximilian Philipp in die Spitze und holte den zuletzt gegen England geschonten Weiser zurück in die Startelf.

Die Spanier begannen die Partie dominant und gaben den Deutschen durch ihr schnelles Kurzpassspiel zunächst kaum Gelegenheit, an den Ball oder in die Zweikämpfe zu kommen. Doch diese Phase ließ das DFB-Team einigermaßen gelassen über sich ergehen und kam dann zügig selbst zu Chancen.

Pollersbeck: "Auf jeden Fall feiern"

Sportschau | 30.06.2017 | 01:30 Min.

Kempff und Stark souverän

In der siebten Minute fehlten sogar nur Zentimeter zur Führung, als der Schalker Spielmacher Max Meyer einen Kopfball aus zwölf Metern Entfernung ansetzte - und den Pfosten traf. Spaniens Keeper Kepa Arrizabalaga wäre an die Kugel ebenso wenig herangekommen wie kurz danach an den Distanzschuss von Maximilian Arnold, der aber knapp am linken Winkel vorbeistrich.

Danach stabilisierten sich die DFB-Junioren auch im Mittelfeld, kamen durch Serge Gnabry und Yannick Haberer zu weiteren gefährlichen Abschlüssen. Gefährlich wurde es nur nach zwei leichtfertigen Fehlpässen von Jeremy Toljan im Aufbau, doch das souveräne Innenverteidiger-Duo Marc-Oliver Kempf und Niklas Stark verhinderten Schlimmeres.

Superstars abgemeldet

Dass es Toljan deutlich besser kann, zeigte er fünf Minuten vor der Pause. Der Hoffenheimer setzte sich auf der rechten Außenbahn vehement durch, schlug eine perfekte Flanke, die im Zentrum Weiser erreichte. Dem Berliner gelang eine Kopfball-Bogenlampe über den verdutzten Kepa hinweg ins lange Eck - und damit die zu diesem Zeitpunkt völlig verdiente 1:0-Führung.

Das ließ die klar favorisierten Spanier einigermaßen ratlos zurück, ebenso wie die Tatsache, dass die im bisherigen Turnierverlauf überragenden Saul Niguez, Marco Asensio oder Dani Ceballos überhaupt nicht ins Spiel fanden.

Rettungstat von Pollersbeck

Das änderte sich in der zweiten Halbzeit, in der das DFB-Team zunächst kaum noch für Entlastung sorgen konnte. Nach knapp einer Stunde zog Saul Niguez gefährlich aus 20 Metern ab, doch Torhüter Julian Pollersbeck lenkte den Ball um den Pfosten.

Das war aber ein Weckruf für die Deutschen, auch wieder selbst mehr nach vorne zu versuchen. Einen Flachschuss von Gnabry nach Meyer-Zuspiel konnte Kepa so gerade noch mit dem Fuß abwehren, und nach einer Stunde verpasste Kempf per Kopf nur knapp das 2:0.

Große Mentalität

Spanien ließ merklich nach und raffte sich erst in der Schlussviertelstunde noch einmal auf. Dani Ceballos verfehlte aus 18 Metern knapp das Tor, ebenso wie kurz danach Gerard Deulofeu, dessen Versuch Stark so gerade noch neben das eigene Tor abfälschte.

Danach schlugen die Spanier aber fast nur noch lange Bälle in die Spitze, die die deutsche Deckung inclusive Pollersbeck nicht mehr vor nachhaltige Probleme stellte. Auch vier Minuten Nachspielzeit reichten den Iberern am Ende nicht mehr - das DFB-Team, das vor diesem Turnier acht Spieler an das A-Team beim Confed Cup hatte abgeben müssen, rettete den Triumph mit großer Mentalität über die Zeit.

Stand: 30.06.2017, 22:48

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