U21-EM - DFB-Team nach Krimi im Finale

U21-EM: England - Deutschland 5:6 n.E. (1:1, 2:2, 2:2)

U21-EM - DFB-Team nach Krimi im Finale

Von Christian Hornung

Elfmeterschießen bleibt einfach eine DFB-Domäne. Deutschland hat sich in einem Krimi bei der U21-Europameisterschaft gegen England durchgesetzt - und das Finale erreicht.

Torhüter Julian Pollersbeck parierte am Ende den Ball von Nathan Redmond und sicherte der Mannschaft von Stefan Kuntz damit das 6:5 (2:2, 1:1) nach Elfmeterschießen. Zuvor hatten Maximilian Arnold, Maximilian Philipp, Max Meyer und Nadiem Amiri getroffen. Und der Sieg war hochverdient.

Kuntz stolz auf seine Jungs

Während seine Spieler noch jubelten, sagte Kuntz mit Tränen in den Augen am ARD-Mikrofon: "Ich bin stolz auf die Jungs, das war Weltklasse, wie sie alle Schwierigkeiten weggesteckt haben. Wir hätten das Spiel vorher entscheiden können, ich bin einfach nur glücklich."

Torwart-Held Pollersbeck meinte cool: "Ich habe mich gefreut, als es ins Elfmeterschießen ging, ich finde sowas geil. Ich habe einfach nicht nachgedacht - für solche Momente spielt man Fußball."

Zwei Umstellungen und eine Verletzung

Kuntz hatte die komplette Vorrunde mit derselben Startelf bestritten, diesmal stellte er um: Für die Mittelfeldspieler Mo Dahoud und Mitchell Weiser brachte er das Freiburger Duo Jannik Haberer und Maximilian Philipp, der demnächst für Dortmund auf Torejagd geht.

Beim Warmlaufen verletzte sich dann auch der bisher überragende Innenverteidiger Niklas Stark, für ihr rückte kurzfristig Gideon Jung ins Team.

Elfmeter-Glück für Deutschland

Die Umstellungen machten sich in der Anfangsphase vor allem bei Standards bemerkbar, in denen die Engländer eindeutig die Kopfballhoheit hatten. In der achten Minute hatte das deutsche Team dann gleich zweimal Riesenglück. Erst rettete Julian Pollersbeck mit einem Super-Reflex gegen Lewis Baker, dann beging Jung nach einem Stockfehler ein klares Foul an Will Hughes - doch Schiedsrichter Gediminas Mažeika aus Litauen verweigerte den Engländern den fälligen Elfmeter.

Bei den Deutschen dauerte es bis zur 17. Minute, ehe es die erste Chance gab - aber die war hochkarätig. Maximilian Arnold hatte mit einem brillanten Lupfer die Abwehr der Three Lions ausgehebelt, doch Serge Gnabry köpfte völlig freistehend über Torwart Jordan Pickford, aber auch über das Tor hinweg.

Nächste Glanztat von Pollersbeck

Schlecht sortiert war Sekunden später auch einmal mehr die deutsche Deckung - Pollersbeck machte mit seiner nächsten Glanztat den Kollektivaussetzer gegen Tammy Abraham wieder wett.

Danach befreiten sich der DFB-Nachwuchs aber zunehmend vom Druck, spielte geordneter aus der eigenen Defensive heraus und kam zum ein oder anderen Abschluss. Ein Distanzschuss von jeremy Toljan war aber sichere Beute für Pickford, dann verzog Philipp aus bester Position weit am linken Winkel vorbei.

Toljan flankt auf Selke

Doch von den Löwen kam in dieser Phase nichts mehr, und deshalb ging die Führung in der 35. Minute auch in Ordnung. Max Meyer hatte Toljan auf der rechten Außenbahn steil geschickt, Davie Selke setzt sich nach hinten ab, rutschte noch kurz weg, war dann aber rechtzeitig wieder auf den Beinen, um die Flanke trocken ins rechte Eck zu köpfen.

Das DFB-Team hatte danach ein deutliches Übergewicht, machte aber nichts draus. Stattdessen hielt in der Defensive das kollektive Chaos bei Standards an: Nach 40 Minuten rutschte Yannik Gerhardt nach einer zu kurz abgewehrten Ecke wie so viele Deutsche an diesem Tag weg und ermöglichte dadurch Demarai Gray die freie Schussbahn zum 1:1.

Patzer von Gnabry, Gerhardt und Jung

Aus der Pause kamen die Engländer dann mit Oberwasser, und die Deutschen patzten erneut im Kollektiv: Serge Gnabry spielte nach einem Ballgewinn Hughes an, der schüttelte den zweikampfschwachen Gerhardt locker ab, passte in die Mitte, wo erneut Jung den entscheidenden Laufweg verpasste - Abraham brauchte die Kugel aus fünf Metern nur noch einzuschieben (50.).

Toljan hatte nach einer knapp einer Stunde die Chance zum Ausgleich, war aber am zweiten Pfosten offenbar zu überrascht, um den bis zu ihm durchrutschenden Ball über die Linie zu drücken.

Doppel-Debüt von Platte

Das gelang dann Felix Platte deutlich besser. Der Darmstädter kam in der 63. Minute für den verletzten Selke zu seinem ersten U-21-Länderspiel überhaupt - und sieben Minuten später folgte seine nächste Premiere: Nach der Ecke von Arnold wuchtete er den Ball per Kopf zum 2:2 ins Netz.

Jubel bei Deutschland

Jubel bei Deutschland - das Finale ist erreicht.

Und das DFB-Team blieb am Drücker. Philipp scheiterte zweimal aus der Distanz, Gnabry blieb nach einem Abwehrpatzer der Engländer an Pickford hängen. Auch Platte hätte beinahe nachgelegt, doch das Gespann pfiff sein Kopfballtor zwölf Minuten vor dem Ende wegen einer Abseitsstellung zurück - das war hauchdünn.

Amiri vergibt Matchball

In der Verlängerung hatten dann wiederum die Deutschen Vorteile, England igelte sich mit zwei Viererketten am eigenen Strafraum ein. Den klarsten Matchball hatte das DFB-Team: Der eingewechselte Nadiem Amiri trat frei am Fünfer nach einer Toljan-Hereingabe über den Ball.

Stand: 27.06.2017, 20:36

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