U21 - Saúl Ñíguez schockte schon die Bayern

Saul Niguez

Spaniens Star der U21-Europameisterschaft

U21 - Saúl Ñíguez schockte schon die Bayern

Von Christian Hornung

Im Halbfinale der U21-EM trifft Spanien heute auf Italien. Top-Star der kleinen "Furia Roja" ist Saúl Ñíguez, der vor einem Jahr bereits Manuel Neuer und weitere fünf Bayern zur Verzweiflung brachte. Und das mit Schmerzen und Nieren-Katheder.

Das Solo beginnt kurz hinter der Mittellinie, es ist der 27. April 2016, 20.56 Uhr. Erst wird Thiago abgeschüttelt. Dann ein kleiner Hüftwackler, und Juan Bernat ist aus dem Spiel. Xabi Alonso versucht noch, Schlimmeres zu verhindern, kommt aber zu spät. Drittletzte Instanz ist David Alaba, doch sein halbherziger Blockversuch ist kein wirkliches Hindernis. Die Grätsche von Arturo Vidal im Strafraum ist ebenso riskant wie vergeblich, also bleibt Neuer als letzte Hoffnung. Der Welttorhüter macht sich lang, taucht ins linke Eck - doch der Schlenzer von Saúl Ñíguez ist unhaltbar.

Kämpfer wird Künstler

Es ist das 1:0 im Halbfinale der Champions League für Atlético Madrid, die Bayern erholen sich davon letztlich nicht mehr und scheiden aus. Es ist bis heute das berühmteste Tor des Kämpfers, der erst danach auch als Künstler wahrgenommen wird.

Sicher noch viel lieber hätte Saúl Ñíguez dieses Tor einen Monat später geschossen. Im Finale von Mailand trifft er zwar auch im Elfmeterschießen, doch am Ende behält Real Madrid die Oberhand. Ausgerechnet Real Madrid. Da hat der Junge aus Elche als Elfjähriger gespielt und später berichtet, er sei gemobbt worden.

Vorwürfe gegen Real Madrid

Der Zeitung "El Mundo" erzählte Saúl Ñíguez über sein Jahr bei Real: "Es war schwierig, weil viele unsportliche Geschichten geschehen sind. Sie klauten mir die Fußballschuhe, meine Mahlzeiten. Sie beschuldigten mich für Dinge, die ich nicht begangen habe. Sie überreichten dem Manager einen Brief, behaupteten er sei von mir, was er nicht war." Er schaffte schnell den Absprung - und ist seitdem bei Atlético.

Wie lange noch, ist die Frage. Sein Marktwert wird aktuell mit 40 Millionen Euro taxiert, damit ist er auf dem Papier der wertvollste Spieler dieser U21-Europameisterschaft. Sein Vertrag läuft bis 2020, Trainer und Mentor Diego Simeone hat angekündigt, "um ihn zu kämpfen". Manchester United soll ein Angebot vorbereiten, auch der FC Barcelona sei laut "Sport" in das Rennen um den rechten Außenbahnspieler eingestiegen.

Über 100 Spiele mit Katheder und Schmerzen

Man schätzt an dem 22-Jährigen seine überragende Laufstärke, seine Torgefahr und sein Auge für den Nebenmann: In 148 Pflichtspielen für Atlético traf er 22 Mal und legte zehn Treffer auf. Und seine Leidensfähigkeit, die er nach eigenen Schilderungen aber lange Zeit gefährlich übertrieben hat.

Im Februar 2015 erlitt Saúl Ñíguez im Champions-League-Achtelfinale gegen Leverkusen nach einem Zusammenprall mit Kyriakos Papadopoulos eine Nierenverletzung samt Bluterguss. Eine Behandlung war angeblich wegen der Einblutung schwer, er bekam einen Katheder, stieg sechs Wochen später wieder ins Training ein und bestritt zwei Jahre lang über 100 Pflichtspiele mit diesem Handicap.

"Angst um meinen Platz im Kader"

Saúl Ñíguez erzählte dem spanischen Fernsehsender "Mega", dass er "in jedem Training und in jedem Spiel zum Teil schlimme Schmerzen und immer wieder Blut im Urin" gehabt habe. Seine Motivation, all das zu ertragen, sei sein Vater gewesen: "Dank ihm bin ich Profi geworden. Als er von meiner Verletzung erfuhr und bitterlich weinte, war für mich klar, dass ich weiterspielen musste. Ich hatte Angst um meinen Platz im Kader und sprach mit fast niemandem darüber."

Heute geht es ihm besser, bei der U21-EM kommt er hervorragend mit dem Druck klar, neben seinem Kollegen Marco Asensio zu den Stars des Turniers zu gehören. Im wichtigen Gruppenspiel gegen Portugal leitete Saúl Ñíguez mit seinem Führungstor den 3:1-Erfolg ein, auch dank ihm gehen die Spanier in das Halbfinale gegen Italien als Favorit.

Stand: 26.06.2017, 17:19

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