Das DFB-Problem hinten rechts

Emre Can

Vor dem Länderspiel gegen Italien

Das DFB-Problem hinten rechts

Von Marcus Bark

Seit der WM in Brasilien sucht Bundestrainer Joachim Löw nach einer konstanten Größe auf der rechten Abwehrseite. Auch im Test gegen Italien wird diese Position im Fokus stehen.

Emre Can? Matthias Ginter? Dreierkette? Antonio Rüdiger?

Ein paar Fragen wären noch möglich, wenn es um eine der Problempositionen in der deutschen Nationalmannschaft geht. Bundestrainer Joachim Löw hat in den Monaten seit der Weltmeisterschaft 2014 einiges versucht auf der rechten Seite der Abwehrkette, egal ob aus drei oder vier Gliedern gebildet. Eine befriedigende Lösung, die den Ansprüchen eines Anwärters auf den Gewinn der Europameisterschaft im Sommer 2016 genügt, ist nicht in Sicht. Die beste Lösung ist gar nicht möglich, denn Philipp Lahm schloss aus, in die Nationalmannschaft zurückzukehren.

Mittelmäßig, durchwachsen, durchschnittlich

Am Samstag (26.03.16) durfte sich Emre Can als rechter Verteidiger versuchen. Er hatte beim 2:3 gegen England gute und schlechte Szenen. Er erledigte seine Sache mittelmäßig, oder auch durchwachsen, oder auch durchschnittlich. Halt so, wie es meistens auf dieser Position passiert.

Löw hatte schon vor dem Spiel im Berliner Olympiastadion angekündigt, dass im zweiten Test gegen Italien am Dienstag (29.03.16) mit einigen Änderungen zu rechnen sei. Das dürfte auch auf das rechte Glied in der Abwehrkette zutreffen.

Meiste Chancen für Rudy und Rüdiger

Joachim Löw (l.), Sebastian Rudy

Joachim Löw und Sebastian Rudy

In den 16 Spielen seit dem Gewinn der Weltmeisterschaft probierte er dort sechs Spieler aus. Die meisten Chancen mit vier Einsätzen in der Startelf erhielten Antonio Rüdiger, der gegen England als Innenverteidiger spielte, und Sebastian Rudy. Can kommt auf drei, Matthias Ginter und Shkodran Mustafi auf zwei. Als erster hatte sich Kevin Großkreutz versuchen dürfen. Damals, im September 2014 beim 2:4 gegen Argentinien, spielte Großkreutz noch für Borussia Dortmund. Heute ist er beim VfB Stuttgart unter Vertrag und verletzt. Großkreutz ist damit der einzige von den Probanden, die im aktuellen Kader fehlen.

Löws Versuche seit der WM 2014
AnlassGegnerErgebnisSystemrechtes Glied der Abwehrkette
TestEngland2:34-2-3-1Can
TestFrankreich0:23-4-3Rüdiger
EM-QualiGeorgien2:14-2-3-1Ginter
EM-QualiSchottland3:24-2-3-1Can
EM-QualiPolen3:14-2-3-1Can
EM-QualiGibraltar7:03-1-4-2Rudy
TestUSA1:24-2-3-1Rudy
EM-QualiGeorgien2:04-2-3-1Rudy
TestAustralien2:23-1-4-2Mustafi
TestSpanien1:03-2-4-1Rüdiger
EM-QualiGibraltar4:03-1-4-2Mustafi
EM-QualiIrland1:14-2-3-1Rüdiger
EM-QualiPolen0:24-2-3-1Rüdiger
EM-QualiSchottland2:14-2-3-1Rudy
TestArgentinien2:44-2-3-1Großkreutz

Der Test gegen Italien wird der letzte sein, bevor Löw Mitte Mai seinen vorläufigen Kader für die Europameisterschaft benennen wird. Es gibt einige Kandidaten für das rechte Glied in einer Dreier-, Vierer- oder (bei Ballbesitz des Gegners auch möglichen) Fünferkette, die sich Hoffnungen machen dürfen, obwohl sie für die ersten Testspiele des Jahres keine Berücksichtigung fanden.

Weitere Kandidaten in Sicht

Da wäre vor allem Joshua Kimmich vom FC Bayern, der dort zuletzt in der zentralen Abwehr auf gehobenem Niveau spielte. Erik Durm von Borussia Dortmund hätte den Vorteil, dass er auch links spielen könnte, er hat zudem wenig Probleme mit Löws Offensivanspruch, da er bis vor wenigen Jahren noch Stürmer spielte.

Sollte Mitchell Weiser in den kommenden Wochen bei Hertha BSC seine Form halten oder noch steigern, könnte auch er sich im Trainingslager der DFB-Auswahl im Tessin vom 23. Mai bis 3. Juni wiederfinden. Dort, so Löw, wird die "Feinjustierung" vorgenommen werden. Gerade rechts hinten ist das eine anspruchsvolle Arbeit.

Stand: 28.03.2016, 08:00

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