Gnabry überragt gegen San Marino

Serge Gnabry bejubelt sein Tor gegen San Marino

San Marino - Deutschland 0:8

Gnabry überragt gegen San Marino

Von Christian Hornung

Mit Serge Gnabry und Benjamin Henrichs feierten zwei Nationalspieler ihr Debüt beim WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino. Vor allem Gnabry trug zum Sieg bei - der beinahe zweistellig ausgefallen wäre.

Mit 8:0 (3:0) bezwang die Mannschaft von Joachim Löw den designierten Letzten der Gruppe C. Der extrem quirlige, unternehmungslustige und im Abschluss überragende Gnabry war der mit Abstand beste Mann auf dem Platz - und stellte mit seinen drei Treffern im ersten Länderspiel einen 40 Jahre alten Rekord von Dieter Müller ein.

"War eine schwere Zeit"

"Mit so etwas war natürlich nicht zu rechnen, aber es freut mich natürlich sehr", kommentierte der Außenstürmer seinen beeindruckenden Auftritt. Über seine zwei Jahre als Ersatzspieler beim FC Arsenal meinte er: "Das war eine schwere Zeit. Aber jetzt in Bremen habe ich mein Selbstvertrauen wiedergefunden - jetzt hoffe ich mal, dass es so weitergeht."

Löw zeigte sich zufrieden, ohne übermäßig begeistert zu wirken: "Die Mannschaft hat versucht, Tore zu erzielen - das war auch so in Ordnung. Aber man darf das alles nicht überbewerten, das war natürlich kein Gegner, der uns gefordert hat." Über Gnabrys Auftritt meinte er: "Er hat schon in Bremen gezeigt, dass er schnell ist und einen guten Abschluss hat. Die Treffer hat er sehr gut gemacht." Jonas Hector fasste die Partie so zusammen: "Es war nicht einfach, aber es kam uns entgegen, dass wir früh zwei Tore gemacht haben. Am Ende haben wir dann noch ein sehr gutes Ergebnis nach Hause gebracht."

Klose auf der Trainerbank

Einen Einstand gab es auch auf der Trainerbank. Weltmeister Miroslav Klose verstärkt ab sofort die Crew von Löw auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2018. Besonders den Stürmern soll der Torjäger im Ruhestand wertvolle Tipps geben – gegen San Marino standen die nominellen Angreifer aber nur ganz selten im Vordergrund. Ganz anders die Debütanten.

Henrichs brauchte nur knapp zwei Minuten, um erstmals auf sich aufmerksam zu machen. Aus halbrechter Position kam der Leverkusener gefährlich zum Abschluss – sein Versuch strich aber knapp am linken Pfosten vorbei. Den zweiten Torschuss der Deutschen übernahm der andere Neue: Gnabry traf den Ball aus kurzer Distanz aber nicht voll.

Gündogan auf Khedira

Die Etablierten machten es kurz danach besser: Ilkay Gündogan lupfte den Ball gefühlvoll in den Lauf von Sami Khedira, der vor dem Tor die Ruhe behielt und die Kugel aus kurzer Distanz einschob (7.). Zwei Zeigerumdrehungen später feierte dann Gnabry sein Tordebüt: Nach einem Querschläger von Davide Simoncini schlenzte der Bremer den Ball gefühlvoll ins rechte Eck.

In einer Phase, in der das DFB-Team das Tempo drosselte, kamen dann sogar die Gastgeber zu zwei aussichtsreichen Szenen. Doch zweimal hatte der Weltmeister Glück: Nach einem Aussetzer von Henrichs als letzter Mann entschied Schiedsrichter Artjom Kutschin fälschlicherweise nicht auf Freistoß für San Marino, sondern ließ einfach weiterlaufen. Kurz danach fiel nach einer Ecke Luca Tosi der Ball am deutschen Fünfmeterraum auf den Kopf – doch der war zu irritiert, um ihn zu verwerten.

Hector trifft, Gomez scheitert

Mit dem 3:0 durch Jonas Hector nach einer gelungenen Kombination über Gündogan und Mario Götze waren die Kräfteverhältnisse dann aber wieder hergestellt. Und kurz vor der Halbzeit hatten die Deutschen Pech: Einen wunderbar herausgespielten Treffer von Mario Gomez erkannte das Gespann aus Kasachstan ab, weil es Passgeber Thomas Müller zu Unrecht im Abseits wähnte. Sekunden später traf Gomez erneut nach einer schönen Volleyabnahme - diesmal kam der Abseitspfiff allerdings zu Recht.

Im zweiten Durchgang trauten sich die Gastgeber bei strömendem Regen so gut wie gar nicht mehr aus der eigenen Hälfte. Phasenweise zogen sie sich sogar mit allen zehn Feldspielern in und an ihren eigenen Strafraum zurück - entsprechend schwer war es für die DFB-Akteure, Lücken zu finden. Eine davon fand Gnabry nach knapp eine Stunde mit einer schönen Direktbnahme nach Flanke von Joshua Kimmich. Dieses 4:0 hätte allerdings wegen einer Abseitsposition nicht zählen dürfen.

Götze als Vorbereiter

Der bis dahin sehr dezent agierende Götze hatte nach 66 Minuten seine beste Szene: Mit einem sehenswerten Dribbling im Strafraum ließ er zwei Abwehrspieler und Torwart Aldo Simoncini aussteigen, setzte Hector in Szene, der den Ball dann mit der Pike ins Tor spitzelte - auch der Kölner feierte damit einen Doppelpack. Der Sekunden zuvor eingewechselte Max Meyer hätte dann beinahe das halbe Dutzend vollgemacht. Doch die Hereingabe von Gnabry setzte der Schalker an den linken Pfosten.

Statt als Vorbereiter trat der Werderaner eben wieder als Vollstrecker in Erscheinung: Eine Flanke von Thomas Müller nagelte er volley von halblinks ins rechte Eck - die Krönung eines trotz des völlig überforderten Gegners hervorragenden Debütauftritts. Der eingewechselte Kevin Volland sicherte sich danach noch einen Assist und einen Treffer: Erst verleitete er mit einer harten Hereingabe Mattia Stefanelli zun einem Eigentor, dann verwertete er ein Müller-Zuspiel zum 8:0.

Die diesmal torlosen Gomez, Müller und Götze können es am kommenden Dienstag (15.11.16) gegen Italien (20.45, live-ticker bei sportschau.de) besser machen. Bis dahin haben sie auch noch ein paar Trainingseinheiten Zeit, sich von Miroslav Klose wertvolle Tipps zu holen.

Statistik

Fußball · Qualifikation zur Weltmeisterschaft · 4. Spieltag 2018

Freitag, 11.11.2016 | 20.45 Uhr

San Marino

A. Simoncini – Palazzi, Cesarini, D. Simoncini, F. Vitaioli (90. Hirsch) – F. Berardi, Zafferani (83. Brolli), Gasperoni, Tosi (58. Domeniconi), M. Vitaioli – Stefanelli

0

Deutschland

ter Stegen – Henrichs, Kimmich, M. Hummels, J. Hector – S. Khedira (77. Goretzka), Gündogan – T. Müller, M. Götze (71. Meyer), Gnabry – Gomez (71. K. Volland)

8

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 S. Khedira (7.)
  • 0:2 Gnabry (9.)
  • 0:3 J. Hector (32.)
  • 0:4 Gnabry (58.)
  • 0:5 J. Hector (65.)
  • 0:6 Gnabry (76.)
  • 0:7 Stefanelli (82./Eigentor)
  • 0:8 K. Volland (85.)

Strafen:

  • gelbe Karte M. Vitaioli (1 )

Zuschauer:

  • 3851

Schiedsrichter:

  • Artjom Kutschin (Kasachstan)

Stand: Freitag, 11.11.2016, 22:57 Uhr

Stand: 11.11.2016, 23:16

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