Stindl verhindert Niederlage gegen Frankreich

Deutschland - Frankreich 2:2 (0:1)

Stindl verhindert Niederlage gegen Frankreich

Von Jörg Strohschein

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich im Testspiel gegen Frankreich in letzter Sekunde ein Remis erkämpft. Dabei zeigte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw zwei unterschiedliche Gesichter.

Deutschlands Lars Stindl und Mario Götze (Nr. 19) bejubeln den späten Ausgleich

Deutschlands Lars Stindl und Mario Götze (Nr. 19) bejubeln den späten Ausgleich.

Nach einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte bleibt die deutsche Nationalmannschaft auch im 21. Länderspiel in Folge ungeschlagen. Das 2:2 (0:1) im Testspiel gegen Frankreich am Dienstagabend (14.11.2017) in Köln war am Ende leistungsgerecht, nachdem die Franzosen in der ersten Hälfte deutliche Vorteile hatten.

Löw wählte eine 4-2-3-1-Formation, in der Torhüter Kevin Trapp eine erneute Chance erhielt, sich zu präsentieren. Und in seinem erst zweiten Länderspiel machte der 27-Jährige seine Sache überzeugend und bot sich als echte Alternative auf seiner Position an.

"Ich bin froh, dass ich spielen durfte. Es ist nicht selbstverständlich, dass man nach so langer Zeit das Vertrauen bekommt. Ich wollte dem Bundestrainer das Vertrauen zurückzahlen", sagte Trapp.

Bundestrainer Löw nicht unzufrieden

Sami Khedira war insgesamt zufrieden. "In der ersten Hälfte hatten wir mehrfach Glück. Aber in der zweiten Halbzeit haben wir permanent Druck gemacht und verdient den Ausgleich gemacht", sagte der Mittelfedspieler.

Auch der Bundestrainer war nicht unzufrieden mit der Partie. "Insgesamt haben wir aus beiden Testspielen gute Erkenntnisse gezogen. In der zweiten Hälfte haben wir uns freigespielt. Wir waren in der Raumaufteilung besser und haben schneller nach vorne gespielt. Dann bekommt der Gegner Probleme. Aber eine Niederlage hätten wir auch akzeptieren müssen", sagte Löw.

Erste Chance für Frankreich

Die ersten Minuten gehörten der deutschen Elf, die zunächst Ball und Gegner beherrschte und druckvoll agierte. Allerdings gelang dem Löw-Team kein früher Treffer, auch weil der letzte Pass jeweils zu ungenau war. Dieser gute Eindruck und der deutsche Schwung sollten aber schnell wieder verfliegen.

Die erste große Chance hatten dann auch die Franzosen, die sich in der Anfangsphase erst ordnen mussten, um in ihr Spiel zu finden. Die Direktabnahme von Blaise Matuidi aus kurzer Distanz verfehlte das deutsche Tor nur knapp.

Schnelle Franzosen

In der Folge zeigte die "Equipe Tricolore", weshalb sie als einer der Titelfavoriten im Sommer 2018 zur WM nach Russland fahren wird. Die Franzosen wirkten technisch versiert und Pass-sicher. Vor allem aber zeichnete sich das Team durch seine überdurchschnittliche Schnelligkeit aus, die der deutschen Mannschaft sichtlich Probleme bereitete.

Sein hohes Tempo nutzte auch Angreifer Alexandre Lacazette bei seinem Alleingang sowie seinem Distanzschuss nach gut 20 Minuten, Trapp musste sein ganzes Können zeigen, um den Ball abwehren zu können. Während die Franzosen auf ihr schnelles Umschaltspiel setzten, fehlte es der deutschen Elf mit zunehmender Spieldauer an Dynamik und Tempo.

Große Probleme mit französischen Angreifern

Und immer dann, wenn die Franzosen kontern konnten, waren sie mit ihren schnellen Spitzen überaus gefährlich. Das deutsche Team hatte mehrfach Glück, dass Kylian Mbappé, Lacazette und Anthony Martial noch Probleme in der Feinabstimmung hatten, sonst hätten die Tormöglichkeiten noch deutlich größer ausfallen können. Trapp rettete mit sehenswerten Reflex auch gegen Mbappé, den die deutsche Abwehr kaum einmal in den Griff bekam.

Nach 33 Minuten war dann aber auch der deutsche Torhüter machtlos. Digne passte mit einer Direkabnahme in den Strafraum, wo Martial Niklas Süle austanzte und dann vor Trapp zu Lacazette querlegte, der nur noch zur verdienten Führung einschieben musste. Erst gegen Ende der ersten Hälfte kam vor allem Timo Werner zu gefährlicheren Aktionen, war aber mehrfach glücklos im Abschluss.

Lacazette schlägt erneut zu

Die deutsche Trägheit setzte sich zu Beginn der zweiten Hälfte nicht mehr fort. Die Löw-Elf zeigte mehr Leidenschaft und Engagement und versuchte die französische Abwehr zu knacken. Erst war es der eingewechselte Antonio Rüdiger, der mit seinem Schussversuch noch scheiterte. Nach 56 Minuten schloss dann Timo Werner nach Vorlage von Mesut Özil einen Konter zum 1:1 ab.

Die Franzosen hatten im zweiten Durchgang deutlich größere Probleme, sich durchzusetzen. Trapp musste zwischenzeitlich zwar gegen Mbappé retten, aber eigentlich diktierte die deutsche Elf die Partie. Und doch schlug Lacazette erneut zu. Nachdem Toni Kroos einen Freistoß gegen die Querlatte des französischen Tores gesetzt hatte, traf der Franzose nach einem Konter im direkten Gegenzug zum 2:1 (70.).

Die deutsche Mannschaft versuchte bis zum Schluss noch den Ausgleich zu erzielen, was sich auszahlte. Lars Stindl traf mit dem Schlusspfiff in der Nachspielzeit zum verdienten Ausgleich. "Wir versuchen immer alles reinzuhauen. Wir haben nie aufgesteckt, auch in schwierigen Momenten. Dafür haben wir uns belohnt", sagte Stindl.

Statistik

Fußball · Länderspiele Männer · 1. Spieltag 2017

Dienstag, 14.11.2017 | 20.45 Uhr

Deutschland

K. Trapp – E. Can (83. Stindl), Süle, M. Hummels (46. Rüdiger), Plattenhardt – S. Khedira (75. Rudy), Kroos – Gündogan (65. M. Götze), Özil, Draxler – Ti. Werner (85. S. Wagner)

2

Frankreich

Mandanda – Jallet (64. Pavard), Varane, Umtiti, Digne (82. Kurzawa) – Tolisso, Rabiot, Matuidi (64. N'Zonzi) – Mbappe, A. Lacazette (76. Griezmann), Martial

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 A. Lacazette (34.)
  • 1:1 Ti. Werner (56.)
  • 1:2 A. Lacazette (71.)
  • 2:2 Stindl (90.+3)

Strafen:

  • gelbe Karte S. Wagner (1 )

Zuschauer:

  • 36948

Schiedsrichter:

  • Cüneyt Cakir (Türkei)

Stand: Mittwoch, 15.11.2017, 00:22 Uhr

Stand: 14.11.2017, 22:40

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