So funktioniert die neue Nations League

 Emre Can (r.) und Anthony Martial beim Länderspiel zwischen Deutschland und Frankreich

Auslosung der Gruppen

So funktioniert die neue Nations League

Von Frank van der Velden

In Lausanne werden am Mittwoch die Gruppen für die neue UEFA Nations League ausgelost. Sportschau.de stellt den Modus und die potenziellen deutschen Gegner vor und erklärt, warum sich  über das Turnier ein "Fußballzwerg" für die EM 2020 qualifizieren kann.

Am 2. Juni tritt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Wien zu einem Freundschaftsspiel in Österreich an. Geht es nach der UEFA, dann ist dies für die DFB-Elf die letzte Testpartie. Kurz danach beginnt die WM in Russland, und wenn die vorbei ist, dann startet ein Konstrukt, dessen Modus hoch kompliziert und dessen Sinn sehr fraglich ist - die UEFA Nations League. Vor allem in Sachen Terminplanung für die EM 2020 geht es drunter und drüber.

Wer ist dabei?

Alle 55 Mitglieder der Europäischen Fußball-Union UEFA machen mit. Die Teams werden in vier Ligen aufgeteilt.  Ausschlaggebend ist die UEFA-Koeffizienten-Rangliste. In den Ligen A und B spielen je zwölf Mannschaften, in der Liga C sind 15 und in der Liga D 16 Mannschaften mit dabei.

Alles Wissenswerte zur UEFA Nations League

Morgenecho | 24.01.2018 | 03:52 Min.

Wer spielt in welcher Liga?

In der Liga A (vier Gruppen mit je drei Teams) spielen Deutschland, Portugal, Belgien, Spanien, Frankreich, England, Schweiz, Italien, Polen, Island, Kroatien und die Niederlande. In der Liga B (vier Gruppen mit je drei Teams) treten Österreich, Wales, Russland, die Slowakei, Schweden, Ukraine, Irland, Bosnien-Herzegowina, Nordirland, Dänemark, Tschechien und die Türkei an.

Die Liga C (drei Gruppen mit je vier Teams sowie eine Gruppe mit drei Teams) bilden Ungarn, Rumänien, Schottland, Slowenien, Griechenland, Serbien, Albanien, Norwegen, Montenegro, Israel, Bulgarien, Finnland, Zypern, Estland und Litauen. In der Liga D (vier Gruppen mit je vier Teams) sind Aserbaidschan, Mazedonien, Weißrussland, Georgien, Armenien, Lettland, die Färöer, Luxemburg, Kasachstan, Moldawien, Liechtenstein, Malta, Andorra, der Kosovo, San Marino und Gibraltar mit dabei.

Wie läuft die Auslosung?

Gelost wird am 24. Januar in Lausanne. Deutschland ist in der Liga A als einer von vier Gruppenköpfen gesetzt - genau wie Portugal, Belgien und Spanien. Mögliche Gegner für die  Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw sind aus Topf 2 Frankreich, England, Italien und die Schweiz sowie aus Topf 3 Polen, Island, Kroatien und die Niederlande.

Wann geht es los?

Die Gruppenphase beginnt im September 2018 und endet im November. Das Finalturnier steigt im Juni 2019. Alle zwei Jahre soll es die Nations League geben. Das bedeutet, dass die EM-Qualifikation künftig nicht mehr im September im Anschluss an die WM- beziehungsweise die EM-Endrunde startet, sondern im darauf folgenden März - in diesem Fall im März 2019. Sie endet aber dennoch wie üblich im November.

Wer hat sich das ausgedacht und was soll das?

Die Nations League ersetzt die "normalen" Test-Länderspiele. Von dem neuen Format versprechen sich die Macher mehr Spannung, schließlich geht es in den Gruppenspielen um Punkte und am Ende gibt es einen Gesamtsieger, der sogar einen Pokal bekommt, sowie Auf- und Abstieg. Sie war Vorschlag und Herzenswunsch des ehemaligen UEFA-Präsidenten Michel Platini.

Wie genau ist der Modus?

Die Teams jeder Gruppe treten in Hin- und Rückspiel gegeneinander an. Deutschland hat also vier Gruppenspiele. Die Sieger der Gruppen in der Liga A sind für das Finalturnier im Juni 2019 qualifiziert. Bei dem werden dann die Halbfinals und das Finale gespielt. Gastgeber wird eine der vier qualifizierten Nationen sein. Die vier Gruppenletzten steigen ab und müssen beim Turnier 2020/21 in der Liga B spielen.  Die Gruppensieger der Liga B steigen auf. Auch für die Ligen C und D gibt es diese Auf- und Abstiegsregelung.

Was hat das mir der Qualifikation für die EM 2020 zu tun?

Die Qualifikation für das Turnier 2020 mit 24 Teams sieht so aus: Es wird zehn Fünfer- beziehungsweise Sechser-Gruppen geben. Der Sieger und der Zweite einer jeden Gruppe fährt zur EM - also 20 Teams. Da es 13 Gastgebernationen gibt, ist keine Mannschaft automatisch qualifiziert. Vier Plätze bleiben also frei, und die werden über die Nations League vergeben. Und zwar an Teams, die in der "normalen" Qualifikation gescheitert sind.

Das passiert in Play-off-Spielen im März 2020, an denen die 16 Gruppensieger teilnehmen. Jede Liga hat ihren eigenen Play-off-Weg mit je vier Teams. Die Mannschaften einer jeden Liga bleiben also unter sich. Es wird zwei Halbfinals und ein Finale geben. Die Sieger der vier Play-off-Wege  haben ihr EM-Ticket sicher.  Das bedeutet, dass sich auch aus der schwachen Liga D mit Teams wie Aserbaidschan, Luxemburg, Liechtenstein, Andorra, San Marino und Gibraltar auf jeden Fall ein Land für die EM 2020 qualifizieren wird.

Sollte sich ein Gruppensieger zuvor schon über den "normalen" Weg qualifiziert haben, dann übernimmt der Zweite seinen Platz in den Play-offs oder auch der Dritte. Falls sich in der Liga A am Ende nur drei Play-off-Teilnehmer finden - und das ist in dieser starken Liga ja durchaus möglich -  dann geht der freie Play-off-Platz an ein Team der Liga B.

Was ändert sich noch?

Die Gruppenauslosung für die EM kann erst nach den Play-offs der Nations League im März 2020 erfolgen - und damit weniger als drei Monate vor Turnierbeginn und rund fünf Monate später als bisher. Das erschwert die Planungen und die Vorbereitung auf die Gegner.

Was ist noch geplant?

Die Nations League hat noch gar nicht begonnen, da plant die UEFA schon deren Ausweitung mit einer "Mini-WM" als Endrunde. So soll das Turnier in Zukunft weltweit ausgetragen werden, und Deutschland könnte dann auch auf Teams wie Brasilien, Argentinien und die USA treffen. Eine Entscheidung ist aber nicht gefallen, zudem will die UEFA der FIFA-WM keine Konkurrenz machen. Fraglich ist allerdings, was dann aus dem Confed Cup wird.

Wie sagen eigentlich der DFB und die Klubs dazu?

Die Nations League sei "für viele kleine und mittlere Länder die große Chance, regelmäßig Spielbetrieb zu haben und nicht auf Freundschaftsspiele angewiesen zu sein", erklärte DFB-Chef Reinhard Grindel. Oliver Bierhoff, Teammanager der Nationalmannschaft, sieht das anders. "Man hat am Ende das Gefühl, die UEFA muss noch mal Geld erwirtschaften und macht deshalb den Wettbewerb", sagte er. Auch Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge kann der Nations League nichts abgewinnen. "Die braucht keiner", sagte er. Und Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erklärte im Hinblick auf eine Ausweitung zur "Mini-WM" sarkastisch: "Ja! Wir brauchen noch zwei oder drei Wettbewerbe mehr!"

Gibt es die Spiele im TV zu sehen?

Alle deutschen Partien werden in der ARD oder im ZDF live übertragen. Die ARD sicherte sich zudem die Rechte für die Radioberichterstattung. Auch das Finale gibt es live zu sehen, selbst wenn Deutschland nicht dabei ist.

Stand: 22.01.2018, 08:00

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