Grindel als Präsident wiedergewählt

DFB-Präsident Reinhard Grindel spricht beim DFB-Bundestag

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Grindel als Präsident wiedergewählt

Reinhard Grindel ist ohne Gegenstimme als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes wiedergewählt worden. Der 55-Jährige wurde am Freitag (04.11.16) in Erfurt von allen 258 anwesenden Delegierten des DFB-Bundestages bis 2019 im Amt bestätigt.

"Das ist ein großer Rückenwind für die Aufgaben der kommenden drei Jahre", sagte Grindel, der zuvor die Amtszeit des zurückgetretenen Wolfgang Niersbach beendet hatte. "Es ist schön, nun ein richtiger Präsident zu sein und nicht mehr nur auf Bewährung."

Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete führt den DFB seit dem 15. April 2016, als er zum Nachfolger des durch die WM-Mauscheleien belasteten Wolfgang Niersbach gekürt wurde. Zusammen mit Grindel wurden auch alle weiteren Präsidiumsmitglieder im Amt bestätigt, darunter auch Generalsekretär Friedrich Curtius.

Grindels Wiederwahl war längst beschlossene Sache und erfolgte sogar einstimmig. "Er hat bewiesen, dass er dieses Amt ausfüllen kann und dabei die Interessen des gesamten deutschen Fußballs im Auge hat", sagte Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL).

Im Schatten der WM-Affäre

In der thüringischen Landeshauptstadt ging es auch um die weitere Aufarbeitung der WM-Affäre, die Grindels Vorgänger Niersbach den Job gekostet hatte. Künftig wird der frühere Bundesaußenminister Klaus Kinkel eine unabhängige, fünfköpfige Ethikkommission leiten, die auf eigene Faust ermitteln soll - in Fällen "illegaler oder unethischer Verhaltensweisen". Das neue Gremium "wird uns helfen, weitere Konsequenzen aus den Vorfällen rund um die WM 2006 zu ziehen", sagte Grindel.

Das alte Präsidium wurde auf dem Bundestag nicht komplett entlastet - die Fälle Niersbach und der von Ex-Generalsekretär Helmut Sandrock wurden "zurückgestellt". Grund dafür sind die noch laufenden Ermittlungsverfahren in Deutschland und der Schweiz, durch die sich mögliche Forderungen des DFB an die frühere Führungsriege ergeben könnten. Grindels Name wiederum wird rückblickend mit dem Weg aus der Krise nach dem unsäglichen Skandal um die WM 2006 verbunden werden - der aber noch lange nicht zu Ende ist. Kritiker bemängeln weiterhin die eher zurückhaltende Aufklärung des vermeintlichen Reformers an der Spitze. Vom "Verwalter" ist die Rede. Zu Gute kam Grindel, dass nach den Enthüllungen im Zuge der WM-Affäre plötzlich jemand gesucht wurde, der mit den Schatten der Vergangenheit möglichst wenig zu tun hat. Im Januar wird das wieder Thema sein, Grindel soll vor dem Sportausschuss des Bundestages zur Vergabe der WM 2006 aussagen - also vor dem Gremium, in dem er während seiner Berliner Zeit selber viele Debatten führte.

Grindel umarmt Amateurfußball

Zudem wurde ein DFB-Ethikcode verabschiedet, ein "Compliance-Management-System" soll aufgebaut werden. Auf jedem Platz der Messehalle hatte die Organisatoren die "10 Compliance-Regeln" des DFB ausgelegt. "Nur wenn unmissverständlich klar ist, wofür wir stehen, kann eine neue Sensibilität für unsere Werte und Regeln durchgesetzt werden", sagte Grindel, der sich während seiner Rede sehr um den Applaus aus dem Amateurfußball bemühte und erneut die Bedeutung der "Leuchtturmprojekte" DFB-Akademie und EURO 2024 in Deutschland betonte. Zuletzt hatte es gerade aus dem Amateurlager Kritik am DFB gegeben, die Vereine an der Basis bemängeln mangelnde Förderung durch den Verband und ausbleibende Kommunikation. Grindel hielt dagegen: "Noch nie ist der Amateurfußball so gefördert worden wie durch das aktuelle Präsidium. Die Einheit des Fußballs macht uns stark - und dabei soll es bleiben."

Reizthema DFB-Akademie

Im Anschluss wurde der bereits unterzeichnete Grundlagenvertrag mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) abgesegnet, der dem DFB bis 2023 25 DFL-Millionen garantiert. Viel mehr Geld kosten wird dagegen die geplante DFB-Zentrale in Frankfurt/Main. Statt 109 Millionen kostet die "Akademie" mindestens 125 Millionen Euro, weshalb im kommenden Jahr ein Außerordentlicher Bundestag einberufen werden muss. Grindel und Co. wollen sich den Segen der Basis für die Kostenexplosion holen. Die DFB-Rücklagen betragen aktuell 124 Millionen Euro, in den Jahre 2018 und 2019 werden weitere, deutliche Überschüsse erwartet.

Auf der Tagesordnung des DFB-Bundestages stand auch der gut vorbereitete Antrag zur Änderung von Paragraph 33 der Verbandssatzung. Künftig dürften auch die Mitglieder des Präsidiums "ehren-, neben- oder hauptamtlich tätig" sein. Bis dato bekommt Grindel eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 7200 Euro, zusätzlich erhält er maximal die gleiche Summe als Ausgleich für den Verdienstausfall, weil Grindel nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag weiter beurlaubter Angestellter des ZDF ist. Von 1999 bis 2002 war er beim öffentlich-rechtlichen Sender Leiter des Studios in Brüssel. Grindel hatte vor dem Bundestag betont, dass "ein hauptamtlicher DFB-Präsident kein Thema" sei, sich aber zugleich mehrdeutig geäußert: "Ich würde aufgrund der Aufgaben und Vergütung aber auch nicht von einem Ehrenamt, sondern von einem Wahlamt sprechen."

red/dpa/sid | Stand: 04.11.2016, 13:03

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