Podolski verabschiedet sich mit Traumtor gegen England

Länderspiel in Dortmund: Deutschland - England 1:0 (0:0)

Podolski verabschiedet sich mit Traumtor gegen England

Ein Abschiedsspiel wie gemalt: Mit einem Traumtor aus 20 Metern in den Winkel schießt Lukas Podolski die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zum Sieg gegen England.

Ausgerechnet Lukas Podolski ist bei seinem letzten Auftritt im DFB-Dress der Mann des Tages: Dank seines sehenswerten Treffers gewinnt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen England (69. Minute).

"Fast zu kitschig"

"Wenn ich der Regisseur gewesen wäre, hätte ich so ein Drehbuch nicht verfasst - das wäre mir zu kitschig gewesen", sagte Thomas Müller nach der Partie am Sportschau-Mikrofon lachend. "Dass er das Ding so in den Winkel haut, ist natürlich Wahnsinn. Er ist schon ein spezieller Typ, der uns bei den nächsten großen Turnieren sehr fehlen wird."

Toni Kroos kommentierte etwas ernsthafter: "Das war ja kein Tor, dann man ihm bei einem Abschiedsspiel geschenkt hätte. Er wollte den genau so machen und entscheidet damit dann auch noch diese Partie."

"Linker Fuß vom lieben Gott"

Podolski selbst kommentierte in der ARD: "Das ist ein geiler Film: Wir gewinnen 1:0, und ich mache das Ding. Ich weiß ja auch, dass ich einen linken Fuß habe, den mir der liebe Gott oder sonstwer gegeben hat. Ich bin stolz auf die vergangenen 13 Jahre."

Bundestrainer Joachim Löw war begeistert: "Das Tor war ein typischer Poldi. Aber besondere Spieler verdienen auch einen besonderen Abschied wie diesen. Das ist toll für ihn. Wir hatten überlegt, ihn früher herunter zu nehmen, aber er hat in der Pause gesagt, dass er länger spielen möchte, und da haben wir mal geschaut, wie das Spiel läuft - und es war ja auch gut, dass er noch da war."

Große Probleme in der Offensive

Zuvor hatte die DFB-Elf allerdings lange Zeit Mühe, gelungene Offensivaktionen zustande zu bringen. Vor dem eigenen Tor musste KeeperMarc-André ter Stegen einige Male klären. Erst nach dem Wechsel kam ein bisschen Schwung ins deutsche Spiel.

Unter tosendem Applaus der 60.901 Zuschauer in Dortmund beendete die Kölner Frohnatur am Mittwochabend 15 Minuten später seine Länderspiellaufbahn mit der schwarz-rot-goldenen Kapitänsbinde am Arm, ging grinsend vom Feld und herzte nach seiner Auswechslung Bundestrainer Joachim Löw.

England klar besser

Das perfekte Drehbuch für den Lieblingsschüler von Löw war lange in Gefahr. England war gegen die ohne mehrere Stammkräfte angetretene DFB-Elf das klar besser Team mit den deutlich besseren Chancen.

Am Ende stand aber nicht nur der erste Heimsieg gegen die Three Lions seit 30 Jahren, sondern auch ein Rekord in der Länderspielgeschichte. Seit 648 Minuten ist Deutschland nun ohne Gegentor. Ohne Podolski reist die DFB-Auswahl am Freitag nach Aserbaidschan, wo am Sonntag die Qualifikation für die WM 2018 fortgesetzt wird.

Abstimmung fehlte

Gegen das ungewohnte 5-2-2-1-System der disziplinierten Three Lions tat sich die deutsche Vierer-Offensive lange schwer. Bei nur einer Trainingseinheit fehlte die Abstimmung, im Mittelfeld machte sich das verletzungsbedingte Fehlen mehrerer Stammkräfte wie Mesut Özil, Julian Draxler und Sami Khedira bemerkbar.

Beim Blick zu seinen Nebenleuten Leroy Sané (21), Julian Brandt (20) und Werner (21) erkannte auch Podolski, dass der Umbruch im Team des Weltmeisters weit fortgeschritten ist. Neben dem Ur-Kölner, der im Sommer von Galatasaray Istanbul nach Japan zu Vissel Kobe wechselt, standen in Mats Hummels und Toni Kroos nur zwei Titelhelden von Rio in der Anfangsformation. Als Abwehrchef agierte der Römer Antonio Rüdiger bei seinem ersten DFB-Auftritt seit einem Kreuzbandriss zwar umsichtig - mehrfach stimmten jedoch Abstand und Abstimmung in der deutschen Defensive nicht.

Ter Stegen mit einigen Paraden

Zunächst hatte Manuel Neuers Vertreter Marc-André ter Stegen bei seinem Einsatz gegen Jamie Vardy Glück, keinen Elfmeterpfiff zu hören (6.) Nach einem Fehler von Bayerns Joshua Kimmich und eigenem Solo traf Adam Lallana nur den Pfosten (31.), im Eins-gegen-Eins-Duell mit Dele Alli rettete Manuel Neuers Vertreter ter Stegen das schmeichelhafte Remis (41.).

Kurz nach der Pause kam der Weltmeister besser ins Spiel. Der eifrige Brandt vergab die bis dahin beste Gelegenheit für das Heimteam, nach einer abgewehrten Ecke verzog der Leverkusener nur knapp. Doch auch wenn die deutsche Mannschaft den Rekord aus dem Jahr 1966 von 604 Minuten in Serie ohne Länderspiel-Gegentor überbot, blieb der Strafraum von ter Stegen Gefahrenzone. Der Barça-Schlussmann präsentierte sich aber umsichtig.

Erster Heimsieg gegen England seit 1987

Dank des Treffers von Podolski gelang doch noch der erste Heimsieg über England seit dem 3:1 in Düsseldorf 1987.

Für die Engländer war das Sportliche aber schon vor dem Anpfiff in den Hintergrund gerückt. Es sei "relativ schnell" klar gewesen, dass bei dem Doppelanschlag von London keine Angehörigen betroffen gewesen seien, berichtete Southgate. "Wir sind in Gedanken bei den Familien, die Angehörige verloren haben. Da wird Fußball natürlich zur Nebensache."

red/dpa/sid | Stand: 22.03.2017, 22:45

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