Suppenkasper und Stadionflucht - Berühmte Rauswürfe aus der Nationalelf

Suppenkasper und Stadionflucht - Berühmte Rauswürfe aus der Nationalelf

Max Kruse ist nicht der erste berühmte Rausgeworfene aus der DFB-Elf - prominente Fußballer wie Stefan Effenberg, "Toni" Schumacher oder Uli Stein sind seine Ahnen. Eine Auswahl.

Sigmund Haringer

Als erster Rauswurf in der Geschichte der Nationalmannschaft gilt der Fall von Sigmund Haringer. Der Stürmer von Bayern München isst nach dem 5:2 über Belgien im Achtelfinale der WM 1934 in Italien auf dem Bahnsteig eine Apfelsine. Dumm nur, dass Reichstrainer Otto Nerz das Essen von Apfelsinen verboten hatte, weil das die Leistung mindere. Haringer darf unverzüglich nach Hause reisen.

Als erster Rauswurf in der Geschichte der Nationalmannschaft gilt der Fall von Sigmund Haringer. Der Stürmer von Bayern München isst nach dem 5:2 über Belgien im Achtelfinale der WM 1934 in Italien auf dem Bahnsteig eine Apfelsine. Dumm nur, dass Reichstrainer Otto Nerz das Essen von Apfelsinen verboten hatte, weil das die Leistung mindere. Haringer darf unverzüglich nach Hause reisen.

Anfang der 1980er Jahre gibt es wohl keinen begabteren Fußballer in Deutschland als Bernd Schuster. 1980 hatte er die DFB-Elf zum EM-Titel geführt. Dass seine Karriere auf DFB-Ebene keine nennenswerte Fortsetzung fand, liegt vor allem an einem verpassten Saufgelage. Nach einem Länderspiel 1981 bleibt der "blonde Engel" dem gemütlichen Beisammensein (Nationaltrainer Jupp Derwall: "Es gab viel Obst und Getreide in flüssiger Form") fern. Derwall missfällt das. Ebenso erzürnt wie angeheitert teilt er Schusters Frau Gaby am Telefon mit, dass ihr Mann dann ja zum nächsten Länderspiel auch gar nicht kommen brauche. Gesagt, getan.

"Hmm, schmeckt prima", sagte Franz Beckenbauer in den 1970ern mit sehr weichem "p" in einer bekannten Fernsehwerbung für einen Tütensuppenhersteller. Daran erinnert sich Keeper Uli Stein bei der WM 1986 in Mexiko, als er seinen Nationaltrainer als "Suppenkasper" bezeichnet. Der Hamburger Torhüter glaubt, er sei deutlich besser als Toni Schumacher und daher unberechtigterweise nur die Nummer zwei. Abreisen muss er schließlich wegen eines überzogenen Zapfenstreichs - im Gegensatz zu den Kollegen Ditmar Jakobs und Dieter Hoeneß.

Ein Jahr darauf erwischt es auch seinen großen Kontrahenten. Harald "Toni" Schumacher schreibt in seinem Buch "Anpfiff" über nächtlichen Zocker-Runden von Mitspielern und Doping-Praktiken im Fußball. Bei seinem Verein 1. FC Köln fliegt er ebenso raus wie bei der Nationalelf. Dabei gelangen dem gebürtigen Dürener in "Anpfiff" Passagen von entwaffnender Klarheit und präziser Tragikomik. "Jetzt holst du dir deine Beute, egal was kommt. Den Ball kriegst du. Den schnappst du dir! Flanke. Ich schieße vor. Nach dem ersten Schritt weiß ich es: Den kriegst du nicht."

Nach der schwachen Leistung der DFB-Elf im WM-Vorrundenspiel 1994 gegen Südkorea pfeifen die Fans. Ein Stefan Effenberg lässt sich so etwas nicht bieten - und streckt ihnen den Mittelfinger entgegen. Der "Tiger" stellt die Geste später nochmal extra für die Kameras nach. Mit Folgen: Bundestrainer Berti Vogts und DFB-Präsident Egidius Braun schmeißen ihn aus dem Kader. "Solange ich Bundestrainer bin, spielt er nie wieder", erklärt Vogts.

Lothar Matthäus veröffentlicht 1996 via Bild-Zeitung "Tagebücher" mit allerlei Interna aus den Teams. Da er dabei vor allem Vogts' Lieblingsspieler Jürgen Klinsmann attackiert, gewinnt dieser den Machtkampf und Matthäus darf nicht zur EM 1996 - bei der Deutschland den Titel holt. "Lothar wählt den Weg über die Medien - jetzt habe ich geantwortet", so Vogts lakonisch.

Nach einem schwachen Auftritt gegen die Niederlande im November 1998 berücksichtigt Teamchef Erich Ribbeck Mittelfeldspieler Mario Basler im nächsten Jahr zunächst nicht. Der fordert öffentlich ein Vier-Augen-Gespräch. Worauf Ribbeck nicht eingeht: "Ich lasse mich nicht erpressen. Ich entscheide, mit wem ich spreche, wann und wie lange ich mit ihm spreche." Basler kehrt nicht mehr zurück in die DFB-Elf und bezeichnet Ribbeck später als "Versager".

Beim WM-Qualifikationsspiel 2008 gegen Russland gehört Kevin Kuranyi zum Aufgebot, nicht aber zum Kader beim Spiel. Auf der Tribüne in Dortmund muss der Schalker Stürmer sich offenbar einige Sprüche anhören. "Schon auf dem Weg zu meinem Sitzplatz wurde ich mit Bierbechern, Papierkugeln und Feuerzeugen beworfen und auf das Übelste beschimpft. Und in den ersten 45 Minuten blieb das so", erklärt er später. Zur Halbzeit fährt er kurzerhand einfach nach Hause. Bundestrainer Joachim Löw nominiert ihn nie wieder.

Es gibt indes auch den anderen Fall: Spieler, die trotz Fehlverhaltens nicht aus der Nationalelf geworfen wurden. Jerome Boateng vergnügte sich mit einem B-Promi um drei Uhr morgens wenige Tage vor der EM 2012 in Polen und der Ukraine - bei der EM ist er dabei. Auch Kevin Großkreutz darf nach der "Dönerwurf-Affäre" mit zur WM nach Brasilien reisen, und Marco Reus hat seine jahrelangen Fahrten ohne Führerschein nicht mit Nationalmannschaftsenzug bezahlen müssen. Womöglich kam dem Dortmunder zu Gute, dass Joachim Löw mehr Verständnis für Sünder wie ihn hat - der Bundestrainer musste einst selbst seinen Führerschein abgeben.

Stand: 22.03.2016, 13:45 Uhr

Darstellung: