Warnungen nach dem 3:1 in Nordirland

Joachim Löws Botschaft in Belfast

Marcus Bark (Belfast)

Es ist die Jahrhundertaufgabe im deutschen Fußball, den WM-Titel zu verteidigen. Und es ist schwieriger, als manche glauben. Diese Botschaft überbrachte der Bundestrainer seinen Spielern sofort, nachdem die Qualifikation geschafft worden war.

Streng genommen fiel tatsächlich noch eine Entscheidung, als Schiedsrichter Danny Makkelie aus den Niederlanden das Spiel zwischen Nordirland und Deutschland abpfiff. Der Weltmeister war nach dem 3:1-Sieg in Belfast nun auch offiziell dazu berechtigt, den Titel im Sommer 2018 zu verteidigen.

Andere Entscheidungen waren schon längst gefallen, ohne dass sie offiziell verkündet worden waren. Etwa die, dass die Eliteauswahl des Deutschen Fußball-Bundes ihr Trainingslager vor der WM wieder in Südtirol beziehen wird, wie schon drei Mal zuvor.

Auch der Test gegen England, der am 10. November im Wembley-Stadion ansteht, war lange vereinbart. Das Spiel gegen Frankreich vier Tage später in Köln steht immer noch unter Vorbehalt, denn die Franzosen können noch Gruppenzweite werden und damit in die Play-offs müssen.

WM-Quali - "Souveräner Sieg" | Sportschau | 06.10.2017 | 01:57 Min. | Verfügbar bis 06.10.2018 | Das Erste

Michael O'Neill klärt die Favoritenfrage

Die Favoritenfrage für die Weltmeisterschaft war auch schnell geklärt. "Deutschland ist die Mannschaft, die geschlagen werden muss", sagte Nordirlands Trainer Michael O’Neill, "sie haben einen fantastischen Kader, der noch besser ist als der bei der WM 2014."

Das war also auch geklärt. Allerdings hatte O’Neill die Aussagen seines Kollegen vermutlich verpasst. Der Bundestrainer meldete Zweifel an, dass tatsächlich alles so rosarot erscheint, wie es einige Fragen suggerierten.

"Nur Kimmich auf gehobenem internationalen Niveau"

"Es gibt auf jeden Fall noch Problempositionen", sagte der Bundestrainer. Joachim Löw führte aus, dass er lediglich Joshua Kimmich als Außenverteidiger auf einem gehobenen internationalen Niveau sah. Andere müssten noch reifen, und es sei noch eine Wunschvorstellung, dass die beiden Positionen einer Viererkette jeweils doppelt mit Spielern der Kragenweite Kimmich besetzt seien.

Wagner, Kimmich, Sane, Stindl, Can (v.l.) | Bildquelle: ap/Morrison

Diese Feststellung kam in der Sache weniger überraschend, denn wer bleibt denn noch für die rechte Seite? Benedikt Höwedes? Emre Can? Lukas Klostermann? Links ist Jonas Hector die feste Größe. Doch der Kölner fällt länger wegen einer Verletzung aus, und außerdem muss er ja noch reifen, um von einem sehr soliden deutschen Nationalspieler in die gehobene Klasse zu gelangen.

Blick nach Argentinien

Auch vorne im Sturmzentrum, in dem Sandro Wagner in Nordirland überzeugte und ein Tor schoss, in dem Lars Stindl beim Confederations Cup beeindruckte, in dem Timo Werner wegen einer Verletzung fehlte, sah Löw Defizite. Er ging den argentinischen Kader durch mit Gonzalo Higuain, Sergio Agüero und etwa auch Paulo Dybala.

Das sei doch nochmal eine andere Qualität ließ Löw durchblicken, obwohl Argentinien große Probleme hat, sich für die WM zu qualifizieren, während Deutschland 27 von 27 möglichen Punkten holte und die restlichen drei am Sonntag (08.10.2017) in Kaiserslautern gegen Aserbaidschan vermutlich auch mühelos holen wird.

"Gegen die müssen wir auch ganz anders verteidigen"

Der Weltmeister war in der Qualifikation unterfordert, das dürften auch die Spieler erkannt haben. Zur Sicherheit aber schob der Bundestrainer direkt nach dem Abpfiff im Windsor Park ein paar Warnungen hinterher. "Bei allem Respekt vor Nordirland", so der Bundestrainer, bei der WM würden andere Gegner auf die deutsche Mannschaft warten, "gegen die müssen wir auch ganz anders verteidigen".

Der Abpfiff, der die endgültige Entscheidung brachte, war kaum ertönt, als Joachim Löw die Sinne seiner Spieler schärfte. Den Titel zu verteidigen, das wird die Jahrhundertaufgabe des deutschen Fußballs, lautete die Botschaft des Bundestrainers. Sie wird von Löw seit Monaten verkündet, in Belfast wurde er besonders laut.