Nächste Bewährungschance für Gündogan

Ilkay Gündogan im Kreis der DFB-Teamkollegen

Pressekonferenz vor dem Kasachstan-Spiel

Nächste Bewährungschance für Gündogan

Ilkay Gündogan wird in der WM-Qualifikation gegen Kasachstan den gesperrten Bastian Schweinsteiger ersetzen und bekommt die nächste Chance, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Der Bundestrainer lässt sich vor Länderspielen eigentlich nur ungern in die Karten gucken. Doch vor dem WM-Qualikationsspiel gegen Kasachstan machte Joachim Löw eine Ausnahme. Wobei die Nachricht, wen Löw anstelle des gesperrten Bastian Schweinsteiger im defensiven Mittelfeld aufbieten wird, wiederum die Wenigsten überraschte: "Ilkay wird spielen, das ist klar", sagte Löw auf der Pressekonferenz am Dienstag (25.03.13) in Nürnberg und bestätigte damit, dass Dortmunds Ilkay Gündogan an alter Wirkungsstätte von Beginn an auflaufen wird.

"Besserer Schweini?"

Der langjährige Nürnberger hatte sich zuvor nur vorsichtig optimistisch geäußert. "Natürlich ist es etwas Besonderes. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich spielen würde. Hier bin ich sportlich groß geworden. Ich habe der Stadt und dem Verein viel zu verdanken." Für Gündogan schließt sich mit dem "Heimspiel" am Valznerweiher ein kleiner Karrierekreis. Beim 1. FC Nürnberg legte er den Grundstein für seinen Aufstieg zum Nationalspieler.

Noch bei der EM 2012 war Gündogan nur Turniertourist ohne Einsatzminute. Löw vertraute lieber einem angeschlagenen Schweinsteiger. Dies würde er heute womöglich anders lösen. Mit viel gelobten Leistungen in den Testspielen gegen die Niederlande (0:0) und Frankreich (2:1) hat der bislang sechsmalige Nationalspieler seinen Reifeprozess dokumentiert. Für manche Experten ist er sogar schon "der bessere Schweini" - dies darf Gündogan nun gegen Kasachstan unter Beweis stellen.

"Riesensprung nach der EM"

"Er hat einen Riesensprung gemacht nach der EM. Er hat einige Spiele gemacht, wo ich absolut zufrieden war. Er ist auf einem internationalen Topniveau, und seine Entwicklung wird weitergehen. Er hat alle Voraussetzungen, ein Weltklassespieler zu werden", sagte der Bundestrainer. Dortmunds Marco Reus freute sich über die erneute Chance für den Teamkollegen, seine Stärke auch im DFB-Trikot unter Beweis zu stellen:" Er ist so eine Art Kopf für uns in Dortmund. Er kann auch hier in nächster Zeit eine tragende Rolle spielen." Auch Teammanager Oliver Bierhoff lobte die "gute Entwicklung" von Gündogan, der in der teaminternen Hierarchie für die Backup-Rolle des immer noch gesetzten Duos Khedira/Schweinsteiger derzeit vor den Konkurrenten wie den Bender-Zwillingen oder Toni Kroos liegt.

Löw genervt von Stürmer-Debatte

Beim zweiten Duell innerhalb von fünf Tagen gegen Kasachstan sind drei Punkte fest eingeplant. "Ich erwarte, dass wir mit der gleichen Vehemenz wie in der ersten Halbzeit beim 3:0 in Kasachstan spielen, ein frühes Tor vorlegen, nachlegen, das Tempo hochhalten, um dem Gegner die Freude und Luft zu nehmen", forderte der Bundestrainer. Einen Motivationsknick nach dem Abenteuertrip nach Astana erwartet er nicht. "Die Spieler haben sich von den Strapazen erholt. Wir werden konzentriert und seriös ins Spiel gehen.

Zugleich zeigte sich der Bundestrainer, der zuletzt dreimal in Folge ohne einen nominellen Mittelstürmer spielen ließ, genervt von den anhaltenden Diskussionen um die Offensiv-Taktik. Auch in Nürnberg werden die 43.500 Zuschauer wohl die spanische Variante mit Mario Götze in vorderster Front bewundern können - zumal der Einsatz von Mario Gomez wegen einer leichten Zerrung weiterhin fraglich ist. Die Diskussionen über eine weitere Option im deutschen Spiel gingen aber "komplett in die falsche Richtung", so Löw. "Natürlich brauchen wir weiter Spieler, die ganz vorne spielen". Irgendwann habe es schon geheißen, "Löw will die deutschen Tugenden abschaffen oder Löw will die Zweikämpfe abschaffen. Jetzt sind es die Stürmer", ergänzte er mit Ironie. "Man muss den Entwicklungen Rechnung tragen."

sid/dpa | Stand: 25.03.2013, 09:45