DFB-Elf siegt glücklich in Österreich

Mesut Özil bejubelt seinen Treffer

WM-Qualifikationsspiel in Wien

DFB-Elf siegt glücklich in Österreich

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat ihre historische Serie in der WM-Qualifikation fortgesetzt und trotz einer über weite Strecken schwachen Leistung einen im Ergebnis perfekten Start in Richtung Brasilien hingelegt.

Vier Tage nach dem 3:0 gegen die Färöer feierte das Team von Bundestrainer Joachim Löw im brisanten Prestigeduell beim Nachbarn Österreich einen glücklichen 2:1 (1:0)-Erfolg und hat damit den ersten größeren Schritt zur WM 2014 erfolgreich geschafft. Der Fußballer des Jahres, Marco Reus, leitete in Wien mit seinem dritten Länderspieltreffer nach einer schönen Einzelleistung in der 44. Minute den achten Sieg in Folge gegen die Österreicher ein. Nach einem verwandelten Foulelfmeter von Mesut Özil in der 52. Minute machte der Bremer Zlatko Junuzovic die Begegnung mit seinem Anschlusstreffer noch einmal spannend (57.).

Philipp Lahm Play-Icon

Reaktionen zum Sieg der DFB-Elf | 06:16 min | 11.09.2012 | Sportschau live | Das Erste

Löw: "Haben uns selbst in Bedrängnis gebracht"

"Wir hatten die Voraussetzungen geschaffen, das Spiel in Ruhe zu beenden. Durch unsere Fehler haben wir uns selber in Bedrängnis gebracht", sagte Löw, während Kapitän Philipp Lahm erklärte: "Wir haben sechs Punkte aus zwei Spielen. Das ist ein sehr guter Start. Mit dem Spiel können wir nicht zufrieden sein. Besonders mit dem Anfang und dem Ende nicht."

Durch den Sieg bleibt der dreimalige Welt- und Europameister seit 1934 damit auch im 37. Auswärtsspiel in der WM-Qualifikation ungeschlagen.

Zwei Veränderungen in der Startformation

Im Gegensatz zum Erfolg gegen die Färöer nahm Löw zwei Veränderungen in der Startformation vor. Der Dortmunder Marcel Schmelzer und der Münchner Toni Kroos ersetzten nach ihren überstandenen Blessuren Per Mertesacker und Mario Götze. Damit war die Grundausrichtung der Gäste etwas defensiver als beim Pflichterfolg am vergangenen Freitag.

Vor 47.000 Zuschauern im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion bot sich aber den mit neun Bundesliga-Legionären beginnenden Österreichern (im DFB-Team spielten acht Bundesliga-Profis) die erste große Möglichkeit zur Führung. Nach einem katastrophalen Fehlpass des Dortmunders Mats Hummels tauchte der von Julian Baumgartlinger in Szene gesetzte Martin Harnik frei vor dem Tor von Manuel Neuer auf. Doch Holger Badstuber lenkte den Schuss des Stuttgarters im letzten Moment über das Tor.

DFB-Team defensiv äußerst unsicher

Es entwickelte sich eine temporeiche Begegnung, beide Mannschaften verzichteten auf taktische Spielereien. Das in der Defensive äußerst unsicher wirkende DFB-Team kam durch Thomas Müller zur ersten Chance. Der Münchner scheiterte in der zehnten Minute aber freistehend an Schlussmann Robert Almer.

Die Gäste, die lange Zeit zu wenig Laufbereitschaft zeigten, taten sich weiterhin schwer und leisteten sich gegen aggressive und mit großer Leidenschaft agierende Österreicher zahlreiche Ballverluste im Spielaufbau. Harnik (12.) und Andreas Ivanschitz (15.) nutzten diese Fehler zu Ballgewinnen, verfehlten mit ihren Schüssen das deutsche Tor aber knapp. Löw diskutierte in der Anfangsphase aufgrund der österreichischen Möglichkeiten und der Unordnung auf dem Rasen permanent mit seinem Co-Trainer Hansi Flick.

Das DFB-Team in der Einzelkritik

Die Leistung des DFB-Teams in der WM-Qualifikation gegen Österreich in der Einzelkritik.

Manuel Neuer

Manuel Neuer: Gewohnt umsichtig, stark im Rauslaufen, etwa in der 24. Minute gegen Ivanschitz. Ließ sich aber auch von der Leistung seiner Vorderleute anstecken, als er in der 35. Minute unbedrängt Harnik anschoss. Rettete in der 72. Minute gegen Burgstaller die deutsche Führung.

Manuel Neuer: Gewohnt umsichtig, stark im Rauslaufen, etwa in der 24. Minute gegen Ivanschitz. Ließ sich aber auch von der Leistung seiner Vorderleute anstecken, als er in der 35. Minute unbedrängt Harnik anschoss. Rettete in der 72. Minute gegen Burgstaller die deutsche Führung.

Philipp Lahm: Achterbahnfahrt des deutschen Kapitäns. Analogie zum schwachen Auftakt gegen die Färöer. Sein Fehlpass in der ersten Minute ließ Böses ahnen. Steigerte sich aber ebenso wie in der vergangenen Partie und ließ über seine Seite kaum noch eine Chancen zu. Leitete mit seinem unterirdischen Rückpass in der 72. Minute fast den Ausgleich ein, um dann in der 87. Minute kurz vor der Linie zu klären.

Mats Hummels: Längst nicht so souverän und abgeklärt wie in den vergangenen Partien. Leitete mit einem Fehlpass auf Baumgartinger die erste Riesenchance für die Gastgeber ein.

Holger Badstuber: Seine Rettungstat in der vierten Minute gegen Harnik war enorm wichtig für die Partie. Leistete sich dafür in der 30. Minute einen groben Schnitzer. Im Spiel nach vorne so gut wie nicht existent.

Marcel Schmelzer: Wirkte sichtlich überfordert, nicht nur, weil er sich vor dem Anschlusstreffer von Arnautovic vernaschen ließ. Sehr unsicher und in dieser Form keine Alternative auf der linken Seite.

Sami Khedira: Einziger deutscher Feldspieler, der teilweise annähernd Normalform erreichte. Nicht umsonst war er der Ausgangspunkt zur 1:0-Führung durch Reus. Hatte aber Mühe, das deutsche Spiel zu ordnen. Strahlte wenig Souveränität aus.

Thomas Müller: Sehr engagiert und um Impulse im Angriff bemüht. Tauchte aber wie seine Nebenleute häufig unter. Holte gegen Kavlak den Elfmeter raus, den Özil zum 2:0 verwandelte.

Toni Kroos: Der Unauffälligste der Unauffälligen im deutschen Mittelfeld.

Mesut Özil: Übernahm Verantwortung und zeigte Nervenstärke, als er den Strafstoß kurz nach dem Wiederanpfiff lässig zur 2:0-Führung verwandelte. Konnte aber erneut nicht sein Riesenpotenzial abrufen.

Marco Reus: Zeigte seinen Wert für das Team nur durch sein Tor. Existierte in den ersten zwanzig Minuten quasi nicht und später nur in Ansätzen. Brachte dann mit seiner schönen Aktion das Löw-Team auf die Siegerstraße. Wegen einer Prellung zur Halbzeit ausgewechselt.

Miroslav Klose: Wie gewohnt vor allem eifrig. Aber ebenso wie gegen die Färöer ohne jegliche Torgefahr. Zu Recht in der 75. Minute ausgewechselt.

Mario Götze: Für den verletzten Reus nach der Pause eingewechselt. Im Gegensatz zu den Färöern setzte er dieses Mal keine Impulse.

Lukas Podolski: In der 75. Minute für Klose eingewechselt. Fügte sich nahtlos in die Reihe der deutschen Untertaucher ein.

Nach rund 20 Minuten bekamen die Gäste etwas mehr Zugriff auf die Begegnung. Bei einem Kopfball von Müller und einen Distanzschuss von Kroos reagierte der Düsseldorfer Almer aber gut. Diese kleine Drangphase ging aber schnell vorüber. Spielmacher Özil blieb zunächst wirkungslos. Miroslav Klose hing als einzige Sturmspitze in der Luft. Von der allgemeinen Verunsicherung ließ sich kurzzeitig auch Neuer anstecken. Der Münchner Schlussmann schoss unbedrängt Harnik an, der Ball ging aber vorbei (36.).

Bilder vom Spiel Österreich - Deutschland

Das erste Auswärtsspiel in der WM-Qualifikation führt die DFB-Auswahl nach Wien.

Marco Reus bewingt Torhüter Almer.

Die einzige bemerkenswerte Aktion von Marco Reus in diesem Spiel. Die hat es aber in sich. Nach einem schönen Solo verwandelt er gegen Torhüter Almer kurz vor Ende der ersten Hälfte zur überraschenden 1:0-Führung.

Die einzige bemerkenswerte Aktion von Marco Reus in diesem Spiel. Die hat es aber in sich. Nach einem schönen Solo verwandelt er gegen Torhüter Almer kurz vor Ende der ersten Hälfte zur überraschenden 1:0-Führung.

Marco Reus (2.v.l.) bekommt ein Sonderlob von Thomas Müller nach seinem Treffer.

Mesut Özil, der ansonsten blass bleibt, verwandelt per Elfmeter zum zwischenzeitlichen 2:0.

Thomas Müller holt den Elfmeter heraus und ist auch sonst der einzige Spieler, der zumindest ein wenig Torgefahr ausstrahlt.

Mesut Özil bejubelt seinen Teffer.

Doch vieles läuft in diesem Spiel nicht rund: Sami Khedira etwa überzeugt durch seinen Einsatz und seine Laufleistung - allerdings nicht aufgrund seines Spiels.

Bundestrainer Joachim Löw ist während der Partie viel unterwegs an der Seitenlinie. Was er von seinen Spielern geboten bekommt, kann ihm nicht gefallen.

Österreichs Marko Arnautovic zeigt gegen die deutsche Mannschaft eine starke Leistung. Der Bremer bereitet zudem den Anschlusstreffer seines Teams vor.

Kurzfristig keimt bei den Österreichern nochmal Hoffnung auf, als Zlatko Junzunovic (Mitte) zum 1:2 verkürzt.

Die deutschen Spieler scheinen es nicht fassen zu können. Sie haben die Österreicher tatsächlich besiegt.

Reus schockt Österreich kurz vor der Pause

Als sich die Besucher bereits auf eine torlose erste Hälfte eingestellt hatten, schockte der Dortmunder Reus die Gastgeber. Bei dieser Szene zog er sich allerdings eine Fußprellung zu, daher wurde er zu Beginn der zweiten Halbzeit durch seinen Teamkollegen Götze ersetzt.

Das deutsche Spiel gewann durch die Pausenführung etwas an Sicherheit. Nach einer ungestümen Attacke von Veli Kavlak an Müller verwandelte Özil den fälligen Elfmeter sicher. Doch der Favorit machte sich das Leben selber schwer und trieb Trainer Löw damit schier zur Verweiflung. Vor dem Anschlusstor machten Götze und Schmelzer bei der Vorarbeit von Marko Arnautovic eine schlechte Figur.

In der Schlussphase drängte der Gastgeber auf den Ausgleich, Arnautovic vergab in der 87. Minute aber die hundertprozentige Chance zum 2:2, als er aus kurzer Distanz den Ball nicht richtig traf.

Marco Reus Play-Icon

Marco Reus erzielt das 1:0 für die DFB-Elf | 01:07 min | 11.09.2012 | Sportschau live | Das Erste

Mesut Özil tritt zum Elfmeter an Play-Icon

Özil erhöht vom Punkt auf 2:0 | 01:52 min | 11.09.2012 | Sportschau live | Das Erste

Marko Arnautovic bereitet den Anschlusstreffer vor Play-Icon

Junuzovic erzielt den Anschlusstreffer für Österreich | 00:54 min | 11.09.2012 | Sportschau live | Das Erste

Joachim Löw, Mehmet Scholl und Gerhard Delling bei der Analyse Play-Icon

Analyse mit Gerhard Delling, Mehmet Scholl und Joachim Löw | 08:56 min | 11.09.2012 | Sportschau live | Das Erste

sid | Stand: 11.09.2012, 23:13