Löw und die Ruhe vor dem Sturm

Joachim Löw

Rückkehr auf die Bühne Nationalmannschaft

Löw und die Ruhe vor dem Sturm

Von Jörg Strohschein

Joachim Löw war nach der EM in Polen und der Ukraine und harscher Kritik rund vier Wochen lang abgetaucht. Der Schritt zurück in die Öffentlichkeit steht dem Bundestrainer aber unmittelbar bevor.

Es war in den vergangenen Wochen still geworden um Joachim Löw (52). Nach dem Halbfinal-Aus gegen Italien bei der EM in Polen und der Ukrainie hatte sich der Bundestrainer vollständig in sein Privatleben zurückgezogen. Anfragen für Interviews lehnte er kategorisch ab, selbst für den eigenen Verband wollte er sich nicht äußern. Löw war schlicht abgetaucht und für so gut wie niemanden erreichbar.

Der enttäuschende Auftritt seiner Mannschaft im EM-Halbfinale, aber auch die herbe öffentliche Kritik an der Aufstellung und der Taktik gegen Italien, schienen bei Löw tiefe Spuren hinterlassen zu haben. Löw hatte zwar nach dem Spiel pflichtbewusst die Verantwortung für seine Mannschaft übernommen, die ganze Tragweite der persönlichen Verletzungen aber beschrieb Teammanager Oliver Bierhoff hernach wohl auch stellvertretend für den Bundestrainer. "Alles nach einem Spiel in Frage zu stellen, ist für mich überraschend und enttäuschend – das haben die Trainer, die Spieler und der DFB nicht verdient", sagte Bierhoff.

Das Bundestraineramt ruhte zuletzt

Das Amt des Bundestrainers schien in den vergangenen rund vier Wochen zu ruhen. Erst nach der Berufung von Robin Dutt als Nachfolger Matthias Sammers zum DFB-Sportdirektor vor ein paar Tagen gab Löw ein erstes Lebenszeichen von sich, als er sich auf dem Internetportal des Deutschen Fußball Bundes zitieren ließ und seine große Zufriedenheit mit der Entscheidung bekundete.

Doch die Zurückgezogenheit wird Joachim Löw in Kürze aufgeben müssen, denn die Nationalmannschaft tritt bereits am 15. August zu einem Freundschaftsspiel in Frankfurt gegen Argentinien an. Nicht ohne Stolz verkündete der Verband, dass auch der südamerikanische Superstar Lionel Messi die Reise nach Hessen antreten wird, was als Zeichen des großen Stellenwerts der deutschen Nationalmannschaft gewertet werden dürfte.

Ein Termin, der nicht gerade glücklich für die Bundesligaklubs und deren Profis ist. "Die Klubs sind froh, dass der Termin im kommenden Jahr von den internationalen Verbänden aus dem Rahmen-Terminkalender gestrichen wurde", sagt Rudi Völler, Sportdirektor von Bayer 04 Leverkusen. Sämtliche Vereine befinden sich schließlich noch mitten in der Saisonvorbereitung.

Vertrauen zurückgewinnen

Sami Khedira

Stellenwert gewachsen: Sami Khedira.

Doch trotz dieser nicht gerade optimalen Voraussetzugen wird es bereits bei diesem Spiel für Joachim Löw und sein Trainerteam darum gehen, verloren gegangenes Vertrauen wieder aufzubauen und die erstmals aufgekommenen Zweifel an Löws Konzept abzumildern oder gar zu beseitigen - extern, aber auch intern. Auch Fragen der teaminternen Hierarchie müssen neu beantwortet werden. Spieler wie Sami Khedira oder Manuel Neuer haben bei der EM ihre Position innerhalb der Mannschaft deutlich gestärkt. Andere Akteure wie Lukas Podolski oder auch Bastian Schweinsteiger haben ihren Einfluss nicht gerade ausbauen können.

Jogi Löw, so ist zu vernehmen, will sein Konzept nicht verändern. Auch im Teamkader stünden kaum gewichtige Veränderungen an. Der Bundestrainer hat ja auch kaum Zeit, bereits am 7. September beginnt die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien gegen die Faröer Inseln in Hannover. Das nächste große Ziel, der Titelgewinn in Südamerika, ist ja bereits seit längerer Zeit formuliert. Zunächst aber muss Joachim Löw auf die Bühne Nationalmannschaft zurückkehren. Ein Schritt, der ihm nicht besonders leichtfallen dürfte.

Stand: 03.08.2012, 10:36