Die Scheinkonkurrenz im DFB-Team

Mario Gomez

Vor dem Testspiel gegen Frankreich

Die Scheinkonkurrenz im DFB-Team

Von Marcus Bark

Joachim Löw ruft in Paris den Konkurrenzkampf für ein ereignisarmes Halbjahr der Fußball-Nationalmannschaft aus. Aber so, wie der Bundestrainer handelt, deutet alles nur auf ein Scheingefecht hin.

Bastian Schweinsteiger war der Erste. Am Sonntag sagte der defensive Mittelfeldspieler für die Partie in Frankreich am Mittwoch (06.02.13) ab. Schweinsteiger bleibt deshalb bei 97 Länderspieleinsätzen stehen. Das bislang letzte Testspiel unter Löw bestritt Schweinsteiger am 10. August 2011 beim 3:2 gegen Brasilien.

Am Tag danach schwappte eine Absagenflut aus Dortmund nach Frankfurt herüber, wo sich die Nationalmanschaft versammelt hatte. Mario Götze, Marco Reus und Marcel Schmelzer meldeten sich ab. Miroslav Klose muss wegen eines Bänderrisses passen. Auf der Liste der Fehlenden standen damit drei Mittelfeldspieler, der einzige Linksverteidiger (Löw legte sich auf Lahm als rechte Dauerlösung fest) und ein Stürmer, der damit seinen Kollegen Mario Gomez allein lässt.

Ziele formuliert

Löw reagierte, indem er mit Sven Bender nachnominierte, von dem es im Kader einen Zwillingsbruder gibt, der ihm auch in der Spielweise stark ähnelt.

Dem Test in Frankreich werden bis zum Sommer zwei WM-Qualifikationsspiele gegen das zweit- bis drittklassige Kasachstan (22. und 26. März) folgen, bevor es auf eine Reise in die USA geht mit Partien gegen Ecuador (29. Mai) und die US-Boys (2. Juni). Löw deutete schon an, dass die beanspruchten Spieler des FC Bayern und von Borussia Dortmund für diesen Zeitraum mit Urlaub planen können. Sami Khedira und Mesut Özil von Real Madrid werden garantiert fehlen, denn die spanische Primera Division beschließt ihre Saison am 1. Juni.

Als Joachim Löw in Paris gefragt wurde, welche Schwerpunkte er angesichts des mäßig spannenden Programms setzen wolle, nannte er die "direkte Qualifikation für die WM in Brasilien". Es gehe aber auch darum, Spieler und Mannschaft weiter zu entwickeln. Außerdem wolle er – das 4:4 gegen Schweden immer noch im Kopf – die Konzentration schärfen und den Konkurrenzkampf schüren.

Kampf abgeblasen

Das ist ein strammes Programm angesichts der zeitlichen und personellen Beschränkungen, denen ein Bundestrainer in einem Jahr ohne Turnier ausgesetzt ist. Es wird kaum zu leisten sein, zumal Löw schon die erste Gelegenheit für einen Konkurrenzkampf für die Positionen abblies, auf denen er Bedarf hat. Mit Jerome Boateng, Heiko Westermann, Benedikt Höwedes und den Bender-Zwillingen stehen fünf Kandidaten als Ersatz für Marcel Schmelzer bereit, keiner von ihnen ist Linksverteidiger wie etwa ein Bastian Oczipka (Eintracht Frankfurt) oder U21-Nationalspieler Oliver Sorg (SC Freiburg).

Im Angriff liegt der Name Stefan Kießling als Konkurrent für Mario Gomez und Miroslav Klose auf der Hand. Löw lehnte eine Nominierung für das Spiel in Paris ab, weil er dem Leverkusener keine Perspektive darüber hinaus aufzeigen könne. Wenn es um Alternativen für den zentralen Stürmer geht, nennt und benennt Löw Mittelfeldspieler. In Amsterdam gegen die Niederlande war es im November 2012 Mario Götze. Die rechte Dauerlösung Lahm verteidigte auf der linken Seite, rechts war es der Schalker Benedikt Höwedes, der in der zentralen Abwehr zu Hause und besser aufgehoben ist. Sebastian Jung von Eintracht Frankfurt, ein Rechtsverteidiger, saß 90 Minuten lang auf der Bank.

Joachim Löw vor der Partie in Frankreich Play-Icon Audio-Icon

Dezimierte DFB-Elf zu Gast in Frankreich | 01:09 min | 06.02.2013 | WDR 2

Stand: 06.02.2013, 08:00